Kommentar

Zeit für schlagende Argumente

Ein Kommentar über zwei Fälle, die für Schlagzeilen sorgten und zwei Erkenntnisse liefern.

Ein Kommentar über zwei Fälle, die für Schlagzeilen sorgten und zwei Erkenntnisse liefern.

Ein 40-jähriger Polizist tritt auf einen Verdächtigen ein, der von zwei Kollegen am Boden festgehalten wird. So stark, dass sich das Profil seiner Turnschuhe noch fast einen Tag später an den Gesichtsverletzungen des Opfers lesen lässt. Ein 19-jähriger Fussballfan vermummt sich mit zahlreichen Kollegen. Er wirft einen Stein in das Fenster eines leeren Polizeiautos.

Der erste muss eine Strafe von 18 000 Franken zahlen bei einer Probezeit von zwei Jahren. Der zweite das Auto von 92 000 Franken, dazu erhält er eine Freiheitsstrafe von 16 Monaten bei einer Probezeit von vier Jahren. Die beiden Fälle, die innert Wochenfrist für Schlagzeilen sorgten, lassen sich nur bedingt vergleichen. Der eine wurde vom städtischen Strafgericht behandelt, der andere im Baselbiet. Dennoch lassen sich zwei Erkenntnisse daraus ableiten.

Zum einen schützt das Schweizer Gesetz das Vermögen stärker als das Leben. So liegt die höchstmögliche Strafe für einfachen Diebstahl bei fünf Jahren Freiheitsentzug, bei fahrlässiger Tötung wiederum nur bei drei.

Zum anderen stellen Fussball-Fans eine Randgruppe dar, deren Vergehen zunehmend politisiert werden. Das geschieht immer dann, wenn sich die Öffentlichkeit stark empört. Meist sind es sehr sichtbare Verbrechen, die medial eng begleitet werden. Was die Kampfhunde in den späten Neunzigern und die Raser in den Nullerjahren waren, sind jetzt die Fussballfans: ein öffentliches Ärgernis, das mit der vollen Härte der Justiz zu rechnen hat. Und deshalb werden vergleichbare Taten anderer Tätergruppen deutlich milder geahndet. Doch dafür fehlen echte Argumente.

Einen Stein in ein Polizeiauto zu werfen, ist gefährlich, dumm und zu verurteilen. Aber bei allem Zorn über Randale und Krawall: Ein Mensch sollte immer mehr wert sein als ein Auto.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1