Das Ozeanium ist nicht an seiner Naturnähe, sondern an seiner Naturferne gescheitert. Das Verdikt des Volkes weist in die Zukunft, auf ein neues Verhältnis des Menschen zur Natur. Die Botschaft, dass der Mensch daran ist, die Artenvielfalt, die Biosphäre insgesamt unwiederbringlich zu zerstören, ist in den Köpfen und Herzen der Mehrheit angekommen. Diesen Meinungswandel hat das Ozeanium verpasst, weil es sich in den letzten zehn Jahren kaum veränderte. Seine Protagonisten waren nicht fähig, glaubhaft zu vermitteln, dass sie den Dialog mit dem neuen Zeitgeist zu führen bereit sind.

Mit dem negativen Volksentscheid droht diese Unbeweglichkeit nun in eine bedauerliche Schockstarre überzugehen: Wenn der Zollidirektor als Ablehnungsgrund «in erster Linie die Schwierigkeiten, ein Grossprojekt vor dem Volk durchzubringen» nennt, dann ignoriert er die 60 Prozent Mehrheit, die am gleichen Tag dem Neubau von Museum und Staatsarchiv zustimmten. Und dies, obwohl hier die Steuerzahler doppelt so viel Geld in die Hand nehmen müssen, als das privat finanzierte Ozeanium gekostet hätte. Das Volk hat differenziert entschieden, weil es dynamische Institutionen im Wandel unterstützen will.

Dieses Signal ist eine gute Botschaft auch an andere Basler Ikonen wie die Messe namens MCH, die BVB oder die IWB. Was der Basler Kantonalbank BKB schon gelungen ist, muss auch die Messe nachvollziehen – sich rundum neu erfinden, nachdem einige ihrer Flaggschiff-Produkte in Schieflage geraten oder gar untergegangen sind. Bei der BVB ist der Weg aus der Dauerkrise, die bereits auf die Motivation des Personals durchschlägt, noch nicht gefunden. Die IWB hingegen stehen mitten im dramatischen Wandel von der Energie-Verkaufsagentur zum Netzwerk-Partner für Energieeffizienz. Das setzt eine Drehung der Geschäftsmodelle und der Unternehmenskultur um 180 Grad voraus.

Die Lebensqualität und Identität Basels vermittelt sich über solche Institutionen. Auf ihnen lastet die Verantwortung, aber sie haben auch die Chance, unsere Stadt zukunftsfähig zu gestalten. Es sind die Menschen, die dort angestellt sind, die den Unterschied machen. Vom Verwaltungsrat bis zur kleinen Dienststelle. Nur bedarf es auf allen Ebenen der Bereitschaft, alte Gewohnheiten über Bord zu werfen, aber auch in grossen Projekten zu denken, die den Wandel ermöglichen. Wie zum Beispiel der Neubau des Museums und des Staatsarchivs im St. Johann. Oder das Herzstück der Regio-S-Bahn. Oder nur noch abgasfreie Busse bei der BVB. Oder zeitgemässe Nutzungen leerstehender Messehallen.

Die Basler Bevölkerung scheint zu diesem Wandel bereit. Der Zolli sollte diese Botschaft aufnehmen. Die Heuwaage gehört dem Zolli. Hier ist der natürliche Eingang zu diesem wunderbaren Stadtpark mit Tieren. Ob ein Gehege, ein Spielplatz, ein Empfangsgebäude oder ein neues Vogelhaus das richtige Projekt ist, kann der Zolli im Dialog mit der Bevölkerung ausloten. Und vielleicht resultiert daraus auch ein neues, etwas kleineres Ozeanium, das uns mit zeitgemässer Didaktik und tollen, interaktiven Installationen das Meer und sein Leben näherbringt.