Mer spränge dr Raame.» Das Motto der Fasnacht 2017 könnte man gut auf die ganze Welt anwenden. Was da im ablaufenden Jahr alles gesprengt wurde. Attentäter sich selbst und andere mit. Politiker weit mehr als den Rahmen des Anstands, nämlich auch noch jenen der bisherigen gemeinschaftlichen Grundwerte. Ein faschistoider Politclown wird US-Präsident. Rechtsgerichtete Bewegungen, die sich als «das Volk» verstehen, drohen Europa in den Abgrund zu reissen. Millionen Menschen sind auf der Flucht. Jene, die es bis hierhin schaffen, dienen dem neuen Nationalismus als Munition. Die EU, der Rahmen, der 70 Jahre Frieden und Prosperität ermöglichte, steht auf dem Spiel. Hämisch beobachtet von gewissen Kreisen in der Schweiz, die sich nicht vorstellen wollen, was sie mit ihrer Ausgrenzungspolitik anrichten.

Nur in Basel geht alles seinen geregelten Gang. Nicht einmal der Sprengkandidat der SVP ist aus dem Rahmen gefallen. Und die Skandalisierung regierungsrätlicher Versäumnisse und Fehlleistungen hielt sich im Rahmen. Cliquen, Guggen, Wägeler und Schnitzelbängg dürften sich deshalb neben dem Baschi-Bashing und dem Wessels-Wüten vor allem den grösseren (und wichtigeren) Themen zuwenden.

Wo sonst, wenn nicht an der Basler Fasnacht wird das Weltgeschehen so bitterbös und gleichwohl lustig auf die Schippe genommen? Doch in einem irrt das Fasnachtscomité. Nicht die Fasnacht sprengt den Rahmen der angepassten Gesellschaft, wie es bei der Plakettenpräsentation hiess. Das besorgt die Gesellschaft zunehmend selbst. Die Fasnacht soll und muss ihr den Spiegel vorhalten. Trump wird das nicht kümmern, Marine Le Pen und Frauke Petry auch nicht. Und irgendwelche Terroristen noch weniger. Aber wir, wir spüren wieder einmal, wie Lachen verbindet, selbst wenn es einem im Hals stecken bleiben möchte. Und wenigstens drei Tage lang wird die Welt ein kleines Bisschen erträglicher. Zumindest in Basel, im (starren) Rahmen der Fasnacht.