In Basel-Stadt hat der Wahlkampf begonnen. Für die Parteien ist dies die Phase, in der man sich auf gut klingende Schlagwörter besinnt. Man ist innovativ, zukunftsgerichtet, liberal, konstruktiv, sozial und in diesen Zeiten vor allem: ökologisch. Für die Kandidaten ist es die Zeit, in der sie sich zu allem eine Meinung machen, obwohl sie oft keine haben. Und für die Parteien ist der Wahlkampf auch der Moment, sich mit den eigenen Dämonen auseinanderzusetzen.

Gestern lieferten die FDP und die SP Anschauungsmaterial, als sie ihre Nationalratslisten präsentierten. Die Freisinnigen, europaweit seit ehedem vom Ur-Komplex begleitet, bieder und langweilig zu sein, liessen im Schützenmattpark einen Heissluftballon steigen. Es ist nicht das erste Mal, dass sich Freisinnige über lustige Fortbewegungsmittel Medienaufmerksamkeit verschaffen wollen. 2002 war es der deutsche FDP-Chef Guido Westerwelle, der mit seinem Guido-Mobil auf Stimmenfang ging. Und am vergangenen Wochenende war der Basler FDP-Präsident Luca Urgese mit einem Glacé-Velo unterwegs.

Damit keine Langeweile einkehrt bei der Wirtschaftspartei, hatte man bereits im Frühjahr vorgespurt, als man den früheren, extrovertierten Basler Stadtentwickler Thomas Kessler auf die Nationalratsliste hievte, der seine Ideen für eine liberale Drogenpolitik ins Parteiprogramm einspeiste. Das war natürlich «innovativ und zukunftsgerichtet». Man könnte nun sagen, die FDP-Führung habe ihre Lehren gezogen aus den vergangenen Jahren, als sie lange inhaltliche Positionspapiere vorlegte, um von den Medien zu hören, dass sie langweiligen Wahlkampf betreibe (O-Ton eines Parteileitungsmitglieds: «Das war schon frustrierend»).

Viel tauglicher ist das Motto «Mehr Schein als sein» aber nicht, wenn man sich den vagen Slogan ansieht: «Basel will». Damit wollen die Kandidaten Urgese, Kessler, Egeler, Martin und Seiler in den Wahlkampf ziehen. Sie wollen exzellente Bildung, die Chancen der Digitalisierung nutzen und durch Innovation erfolgreich sein. Man wünscht sich fast die langen Positionspapiere zurück.

Die Freude über den nahenden Wahlkampf wird nicht grösser, wenn man sich die SP ansieht. Immerhin verzichtet sie auf Wahlkampfklamauk; diesen macht sie mit einer höheren Kadenz an belanglosen Pressekonferenzen im Vorfeld des Wahltermins am 20. Oktober wett. Bereits vorgestellt hat sich Ständeratskandidatin Eva Herzog, die gestern noch ein zweites Mail die Chance bekam sich zu präsentieren – als Nationalratskandidatin an der Seite von Beat Jans, Mustafa Atici, Sarah Wyss und Christian von Wartburg. Am Montag folgt die Pressekonferenz von Regierungskandidatin Tanja Soland. Und alle Kandidaten werden verdächtig oft betonen, wie toll das SP-Team sei.

Doch dass Nationalratskandidat Christian von Wartburg gestern stolz verriet, dass er jüngst alle SP-Kandidaten zum Z’Nacht eingeladen habe und Wyss frohlockte, dass man fast nicht über Politik gesprochen habe, liess darauf schliessen, dass auch die SP mit Dämonen zu kämpfen hat. Diese schlummern in den eigenen Reihen. Fraglich wird sein, wie weit sich die SP als «Team» tatsächlich sieht angesichts der vielen Differenzen, die sich innerhalb der mit Abstand grössten Basler Partei auftun. Realpolitikerin Eva Herzog muss nun etwa an der Seite des dezidiert linken Nationalrats Beat Jans in die Kameras lächeln. Jans hatte einst die Steuervorlage Herzogs kritisiert und sich für die Topverdienersteuer engagiert, welche die Finanzdirektorin ablehnte. Unmut zog Jans bei vielen Genossinnen auf sich, als er den Rückzug seiner Ständeratskandidatur mit der Forderung nach einer höheren Frauenquote begründete – ohne den Leistungsausweis Herzogs hervorzuheben.

Interne Grabenkämpfe sind ohnehin programmiert: Anders als bei der FDP, die nur einen Sitz anpeilen wird, dürfen alle SP-Kandidaten auf einen Sitz in Bundesbern schielen – allein dadurch, dass Herzogs Wahl in den Nationalrat obsolet wird, wenn sie in den Ständerat gewählt wird. Wohl im Wissen darum, dass das Teamgefüge fragil ist, hat die SP Richtlinien erlassen: Niemand darf seinen Wahlkampf aus der eigenen Tasche finanzieren und sich so einen Vorteil verschaffen. Im Wahlkampf gilt es eben, sich die Dämonen vom Leib zu halten.