Unsere kleine Stadt

Zurück zur «SVP-freien Zone»

Das Bonmot von «Basel-Stadt als SVP-freie Zone» verdanken wir unserem LDP-Nationalrat Christoph Eymann. Nicht ohne Stolz verlieh der damalige Gewerbeverbands-Direktor in den Neunzigerjahren unserer weltoffenen Stadt am Rhein dieses Label. Während in Basel die SVP nicht existierte, zelebrierte Christoph Blocher bereits landauf landab erfolgreich sein Hochamt des Isolationismus und der Xenophobie. Geschickt die Ängste der Globalisierungsverlierer bewirtschaftend, trieb der Herrliberger Herrscher schon damals wie heute in Tat und Wahrheit eine konsumentenfeindliche politische Agenda zur Bereicherung der Reichen voran.

Inzwischen haben wir uns an die Basler Variante der Rechtspartei gewöhnen müssen, deren Spitzenkräfte uns vorwiegend mit ihren internen Querelen bespassen. Aber seit das SVP-Wahlplakat 2019 hängt, ist es mit dem Spass vorbei. Die Diffamierung des politischen Gegners als Ungeziefer, das am gesunden «Volkskörper» in Form eines roten Apfels mit Schweizerkreuz nagt, überschreitet alle Grenzen einer zivilisierten politischen Auseinandersetzung. Wir müssten es aussprechen: Die SVP setzt bewusst auf Provokation im Stil der nationalsozialistischen Zeitung «Der Stürmer» aus den Zwanziger- und Dreissigerjahren des letzten Jahrhunderts. Und ihre hiesige Orts-Sektion distanziert sich in keiner Weise.

Entscheidend für die Einschätzung der SVP-Taktik ist die Rolle, die solche Bilder historisch spielten. Diese Darstellungen dienten lange bevor Hitler 1933 an die Macht kam der «ideologischen Aufrüstung», um die Sympathisanten der Nazis zu mobilisieren und Andersdenkende zu nichtswürdigen, volksschädigenden Würmern zu degradieren, die dann später auch skrupellos vernichtet werden konnten.

Auf einer fast zeitungsseitengrossen Stürmer-Karikatur von 1927 sehen wir «die Deutsche Eiche», deren Stamm gemäss Inschrift «Deutschland» darstellt. Die einzelnen Äste des Baumes stehen sinnbildlich für Institutionen wie «Landwirtschaft», «Gewerbe», «Kunst» oder «Fürsorge» und sind auch so angeschrieben. Die Eiche wird von Ungeziefer befallen, während ein Mann mit Hakenkreuz am Ärmel die milbenartigen Tiere mit einem Pestizid-Zerstäuber «behandelt». Einige Opfer dieser «Desinfektion» liegen bereits auf dem Rücken, andere krabbeln noch.

Die SVP Basel-Stadt eiert herum, wenn sie befragt wird, ob sie solche Propaganda in Ordnung findet. Ihr amtierender Basler Nationalrat sagte der bz lediglich: «Natürlich soll das Plakat provozieren.» Die Kampagne habe eine klare Botschaft, die er mittrage. Diese Haltung Sebastian Frehners ist völlig unakzeptabel.

Zur Erinnerung: Als die Karikatur mit der «Deutschen Eiche» erschien, waren die Nationalsozialisten eine kleine Partei. Diese gab sich demokratisch und wollte angeblich einfach auf Missstände hinweisen. Die Radikalisierung, die darauf folgte, insbesondere nach der Weltwirtschaftskrise, war damals genau so wenig absehbar wie heute. Wir Gegenwärtigen können aber aus der Geschichte lernen. Wenn die SVP diese nicht nur ignoriert, sondern sogar bewusst hervorholt und ihr vergiftetes Plakatsujet als «Geschmacksache» verharmlost, wie es Frehner tut, hört meine Toleranz auf. Dann kann ich nur mit Christoph Eymann auf eine Rückkehr zur «SVP-freien Zone» hoffen, wenigstens in der liberalen und weltoffenen Stadt Basel.

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