Rutschmadame

Zwei Käfer auf einen Schlag

Martina Rutschmann
Andreas Glarner wäre ein Steingarten, keine Blumenwiese, findet Martina Rutschmann.

Andreas Glarner wäre ein Steingarten, keine Blumenwiese, findet Martina Rutschmann.

Wäre Andreas Glarner ein Garten, wäre er in Basel verboten. Denn der SVP-Polteri, der in Bern das Volk vertreten sollte und dies teilweise wohl auch tut, wäre ein Steingarten – oder sehen Sie ihn etwa als Blumenwiese? Pusteblume! Er ist ein Steingarten.

Schliesslich berichten die Medien seit Tagen über die beiden hässlichen und ökologisch widersinnigen Phänomene – nach der inzwischen weit verbreiteten Logik der Unlogik müssten Glarner und Steingärten demnach verschmolzen sein wie das antarktische Eis. Bei Glarner sollte man die Gartendefinition durch «primitiv» ergänzen, denn Schotter verteilen und die Fläche dann als Garten ausgeben kann selbst einer, der intellektuell in der «Gaggi»-Phase steckengeblieben ist.

Wir erinnern uns: Glarner nannte Nationalrätin Sibel Arslan an der Klimademo in Bern «Arschlan» und beschimpfte deren Staat, ohne zu realisieren, dass die kurdisch-stämmige Arslan längst Schweizerin ist. Aber was zählt schon Staatskunde?

SVP-Glarner greift Grüne Arslan an: "Hier herrscht Recht und Ordnung - das gab es in deinem Staat nicht!"

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In Basel wäre das nicht passiert. Hier verlangt das Gesetz, «zwischen Bau- und Strassen­linie liegende Grundstücksfläche als Garten oder Grünfläche anzulegen». Glarner ist hier also verboten. Doch leider, und das ist der Steingarten des Anstosses, gibt es in Basel trotzdem mehr Glarners als Klimademonstranten in Bern. Und das in einer Stadt, die vor Grünheit nur so strotzt!

Sogar Stararchitekten bauen neuerdings Dächer aus Rasen statt aus Stein. Wer hier grün politisiert, gehört per ungeschriebenem Gesetz, aber unter Androhung von lebenslangem Liebesentzug, nie abgewählt – egal, ob Schotterflächen Hunderte Käfer qualvoll sterben lassen. Aber was zählt schon ein Insekt?

Fakt ist, wir können froh sein. Endlich hat Basel die Aufmerksamkeit, die es als Städtchen am Rande der Eidgenossenschaft und mit einem Bein im richtigen Europa verdient. Wer weiss, vielleicht wird Arslan die erste grüne Bundesrätin und die erste Basler Vertretung seit etwa 700 Jahren? Aber Obacht! Gross ist die Gefahr, dass die Aufmerksamkeit nach «Arschlan» abflacht.

Was also tun? Frau Arslan soll dafür sorgen, dass das Steingarten-Verbot auf das ganze Land ausgeweitet wird. Das wäre klimafreundlich und hätte den Nebeneffekt, dass sie und mit ihr das Land, das sie vertritt, wenigstens einen Irrläufer weniger ertragen müssten.

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Martina Rutschmann

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