Freitag, 24. August. Es sei gleich zu Beginn gesagt: Heute erleben wir eine der schönsten Etappen unserer bisherigen Pizza-Tour. Nach lockerem Einfahren über etwa fünf Kilometer, hübsch dem Lago die Barrea entlang, geht es zwar gleich zur Sache: Von 980 auf 1577 MüM auf den Passo Godi in einem Durchgang. Aber wie. Bei Temperaturen von um die 20 Grad - ideal zum aufwärts Fahren - windet sich die Strasse in weiten Schleifen mit stets um die 4% Steigung zuerst durch dichte Föhrenwälder und dann durch eine offene Bergweidelandschaft langsam höher. Immer wieder mit spektakulären Ausblicken ins Tal, wo der Lago die Barrea nach jeder Kehre etwas kleiner erscheint.

Sonnenschein, Morgenfrische, Ruhe, kaum Verkehr, gut ausgebaute Strasse - so macht Bergfahren Spass. Oben auf dem Passo Godi treffen wir nicht nur auf zwei Simmenthaler Fleckvieherden sondern auch auf Bergrestaurants und Skilifte. Wo sind wir hier? Ah ja - in den Abbruzzen, etwa 160 km von Rom entfernt.

Lohn der Arbeit

Nun folgt ein wahrer Velofahrertraum: Eine buchstäblich stundenlange Abfahrt nach Sulmona. Zuerst durch eine Landschaft wie in den Voralpen, dann durch das lebhafte Bergstädtchen Scanno, dem Lago die Scanno entlang und Quasi als Dessert eine absolut spektakuläre Fahrt durch eine von senkrechten, verschiedenfarbigen Felsen gesäumte Schlucht, die Golle Sagittario.

Und als krönenden Abschluss landen wir Anfangs Nachmittag in einem wahren Bijou eines Bed &Breakfast, dem Mitten in der Altstadt in historischen Gemäuern gelegenen «Sei Stelle». Blickfang im Frühstücksraum ist ein Bogen des 1256 gebauten Aquädukts, dem dominierenden Wahrzeichen der Stadt. Erbaut wurde es übrigens im Auftrag des Staufenkönigs Manfred, König von Sizilien. Es wird deshalb von den Einheimischen heute noch Acquedotto Svevo (Schwaben-Aquädukt) genannt.

Confetti-Parade

Beim Abendbummel vor dem exquisiten Abbruzzen-Spezialitäten-Nachtessen, unter anderem Schinken-Omelette mit Trüffel-Öl als nur einem von fast unzähligen Antipasto-Häppchen, bewundern wir eine ganz andere Sulmona-Spezialität: Confetti. Nicht zu verwechseln mit unseren kleinen Fasnachts-Papier-Ärgernissen, die man am Morgen nach dem Maskenball allüberall - selbst in den Unterhosen wieder findet. Confetti aus Sulmona sind farbige, ovale, verzuckerte Bonbons, meist auf Mandelbasis, die zu hübschen Blumensträussen oder anderen Fantasiefiguren arrangiert werden. Hübsch, lecker, aber zum Glück nur eingeschränkt velotransportfähig.

Die heutige Genusstour: Barrea - Sulmona, 65 km, 713 Hm, 1243 m Abfahrt, 1577 m Gipfelhöhe.