De Schepper

Schweiz ohne Tellerwäscher

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Seit Sonntag geistert eine neue Kategorie Ausländer durchs Schweizerland: Der Armutsmigrant. Das Wort tönt gefährlich und macht klar: mit dem Armutsmigranten wandert die Armut ins Land. Deshalb ist es wichtig, dass wir wissen, von wem wir reden:

Der kleine, wendige Ecuadorianer, der auf dem Markt in Bern seit bald 10 Jahren Tortillas verkauft und heute sein eigener Chef ist mit mehreren Angestellten, ist ein Armutsmigrant.

Toni Covella, der Chef des nobelsten Modegeschäfts von Olten, war ein Armutsmigrant und begann als Schneider bei Kleider Frey in Wangen.

Der albanische Mazedonier, der als Notfallarzt am Kantonsspital arbeitet, ist ein Armutsmigrant. Vor 7 Jahren war er noch im Putzdienst.

Blerim Dzemaili, Xerdan Shaqiri, Ricardo Rodriguez, Valon Berami, Granit Xhaka und Gelson Fernandes : Die Stars unserer Fussball-Nati sind allesamt Söhne von Armutsmigranten aus sogenannten «Drittstaaten».

Auch Nati-Star Gökhan Inler ist der Sohn eines Armutsmigranten. Und sein Bruder Volkan, der in Olten den Abfall leert, ist heute das Aushängeschild einer Kampagne für «Fairmüllen».

Es gibt keine Schweiz ohne Armutsmigranten. Das zeigt auch die Geschichte der Gründerfamilie der Industrieperle ABB, die Familie Boveri, ihr Familienname ist nichts anderes als eine Umformulierung von «I Poveri» - «die Armen».

Die Geschichten von Boveri zum Weltkonzern Asean Brown Boveri, vom eingewanderten deutschen Apothekergehilfen Henri Nestlé zum Weltkonzern Nestlé, vom ausgewanderten armen Neuenburger Uhrmachersohn Louis Chevrolet zur amerikanischen Autolegende, sind der Nährboden des kapitalistischen Traums, dass jeder es packen kann.

Früher mussten Schweizer wie der Gomser Tellerwäscher Cäsar Ritz ins Ausland, um Karriere zu machen. Wer alles aufgibt und migriert, weil er der Armut entkommen will, gibt alles. Tellerwäscher-Karrieren sind Armutsmigranten-Karrieren.

Wer Armutsmigranten nicht mehr ins Land lassen will, will dass das Land still steht und die Besten wieder auswandern müssen.

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