Kommentar

Schweizer Armee: abhängig bis ins Detail

Die F/A-18 kann technisch weitgehend nur das, was die USA wollen, dass sie es kann.

Die F/A-18 kann technisch weitgehend nur das, was die USA wollen, dass sie es kann.

Die Schweiz ist militärisch eng mit den USA und damit der Nato verknüpft und technisch von ihr abhängig. Neutralität hin oder her.

Zwar gehört unser Land keinem Militärbündnis an. Freiheit, Unabhängigkeit und Neutralität werden nicht nur in 1.-August-Reden als unverrückbare Säulen eidgenössischer Identität gefeiert. Eine engere Zusammenarbeit mit dem westlichen Nato-Bündnis stösst von links bis rechts auf Skepsis. Da und dort macht sogar immer noch das Wort von der «autonomen Landesverteidigung» die Runde. Die Realität freilich ist eine andere: Unsere Luftwaffe ist, um überhaupt präzise operieren zu können, auf einen Geheimcode aus den USA angewiesen. Die F/A-18, das Rückgrat der Luftwaffe, können technisch weitgehend nur das, was die USA wollen, dass sie es können. Und selbst die Programmierung der Lenkwaffe unterliegt strenger US-Kontrolle. Hat da jemand Unabhängigkeit gesagt?

Ob es uns passt oder nicht: Die Schweiz ist militärisch eng mit der westlichen Führungsmacht und damit der Nato verknüpft. Die Neutralität spielt, sobald es um Details geht, keine grosse Rolle mehr. Das ist keine Schande. Schliesslich wollen wir auch künftig militärisch mehr können, als nur gerade durstige Kühe im Jura zu tränken. Die modernen Hightech-Waffensysteme übersteigen die finanziellen und technologischen Möglichkeiten eines Kleinstaates bei Weitem. Dies gilt insbesondere in der Luft. König ist nicht der Kunde, sondern der Hersteller. Die Abhängigkeiten sind ausgeprägt.

Eine eigene Flugzeugindustrie aufzubauen, ist zu teuer. Was sind die Alternativen? Bei anderen Staaten einkaufen? Gar nicht so einfach. Selbst im schwedischen Gripen ist viel US-Technologie drin. Auf Hightech ganz verzichten? Das wäre unklug. Bleibt die Ernüchterung: Unabhängigkeit, Freiheit und Neutralität sind in der Praxis weit weniger ausgeprägt, wie gerade im Wahlkampf von so manchem nationalistischen Politiker beschworen. Die Wähler haben zumindest das Recht, diese Zusammenhänge zu kennen.

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