Erstmals sind in Frankreich 24 Teams dabei, die an einer EM um den Titel kämpfen. Das ist fast die Hälfte aller startberechtigten Verbände Europas. Das Schweizer Nationalteam hat davon profitiert, dass der Gruppenzweite der Qualifikation nicht wie früher Entscheidungsspiele austragen muss. Zudem gab es in den vergangenen 14 Monaten einige zähe Auftritte zu viel, um restlos begeistert zu sein.

Die Schweiz hat ihre Pflicht erfüllt. Mehr aber nicht. Dazu waren die Spiele gegen England zu enttäuschend. Es fehlte die letzte Überzeugung, diesen Gegner, bei dem der Name grösser ist als die Qualität auf dem Platz, wirklich ins Wanken bringen zu können. Dieser Eindruck
hallt nach. Zudem musste die Schweiz, vor allem gegen Slowenien, etwas gar viel leiden. Immerhin gelang es ihr meist, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen.

Trotz aller Vorbehalte darf der Leistungsausweis des Nationalteams der letzten Jahre nicht vergessen gehen. An sechs der letzten sieben Endrunden war die Schweiz dabei. Diese Bilanz ist einmalig. Aber waren die letzten 14 Monate mit den Schweizer Fussballern aufregend? Manchmal. Mit Vladimir Petkovic übernahm ein neuer Trainer die Schweiz. Und erst noch als Nachfolger des vielerorts vergötterten Ottmar Hitzfeld. Es war ein bisschen, wie wenn ein Kind
in der Schule einen neuen Lehrer erhält. Die Hoffnungen sind gross, aber
es bleibt eine gewisse Ungewissheit.

Diese Ungewissheit ist bis heute nie ganz verschwunden. Das Nationalteam berührt die Massen nicht, geschweige denn begeistert es. Zehn spektakuläre Minuten, die zur grossen Wende führen gegen Slowenien, reichen dafür nicht.

In den Tagen nach dem Ende der Qualifikation geht es für Petkovic auch darum, ob er einen neuen Vertrag erhält. Falls er denn wirklich will. Denn auch Petkovic spürt, dass nicht alle restlos begeistert sind. Der Schweizer Verband steckt im Dilemma: Soll er schon verlängern, bevor klar ist, wie sich Petkovic an einem grossen Turnier schlägt? Es ist eine Frage, auf die es keine abschliessende Antwort gibt.

Was kann die Schweiz bei ihrer insgesamt vierten EM-Teilnahme erreichen? Ist sie erneut fähig, eine grosse Euphorie zu entfachen? Der WM-Achtelfinal gegen Argentinien war eine Art Versprechen des Schweizer Aufschwungs. Dieses gilt es nun einzulösen. Bisher bedeutete die Vorrunde immer Endstation. Das darf diesmal nicht passieren, wenn 16 von 24 Teams den Achtelfinal erreichen. Und – so abgedroschen es tönt – nach dem Erreichen des Minimalziels
ist für die Schweiz alles möglich. Es
ist Zeit, sich neue Grenzen zu setzen.