Soul

Arabisch für Anfänger: Die Soulsängerin Frida verwandelt kleine Geschichten in grosse Songs

Von der Natur und ihrer Schönheit inspiriert: Die Sängerin Frida macht aus kleinen Geschichten grosse Songs.

Von der Natur und ihrer Schönheit inspiriert: Die Sängerin Frida macht aus kleinen Geschichten grosse Songs.

Die libanesische Soulsängerin Frida singt auf arabisch über Alltagsgeschichten, die innere Stärke und die Rückkehr zur Natur. Nun präsentiert sie in der Schweiz erstmals das nach ihr benannte Debütalbum.

Wenn Frida mit ihrer rauchigen und warmen Stimme singt, dann versteht man als nicht arabisch sprechende Person kein Wort. Und irgendwie doch alles. Leid und Schmerz, Freude und Liebe sind mit jeder Zeile spürbar, benötigen keiner Übersetzung.

Sich selbst beschreibt Frida als «Bint el Kol», als Tochter von allem. Als Kind der Erde, durch die Urmelodie des Herzschlags mit allem um sie herum vernetzt. Inspiriert von der Natur und ihrer Kraft. «Wie der Wind komme und gehe ich», sagt Frida. Mal weilt sie in Sansibar, mal in ihrem Heimatland, dem Libanon. Und manchmal ist Frida auch in der Schweiz anzutreffen. Wo sie nun in Aarau unter anderem ihr acht Stücke umfassendes Debütalbum präsentieren will, dessen Existenz fast schon einem Wunder gleichkommt.

Im Libanon geboren und aufgewachsen, bestand zwischen Frida und der Musik lange Zeit keine Verbindung. Als eine für verschieden Unternehmen arbeitende Kommunikationsberaterin, führte Frida ein eher klassisches Leben. Nie ganz los liess sie allerdings der Wunsch nach mehr Erfüllung. «Es hat mich schon immer fasziniert, welche Menge an ungenutztem Potential wir in uns haben und wie man Wege finden kann, dieses zu erforschen. Aber aus einem unbestimmten Grund habe ich es nie dazu eingesetzt, um Musik zu machen», sagt sie.

«Das Projekt hat mein Leben verändert»

Erst 2014 flammte die Liebe zur Musik dank ihrem «The Good Vibes Experiment» auf. Das Ziel dieses Projekts? Nur zu machen, worauf man wirklich Lust hat, sich in seinen Leidenschaften nicht einschränken zu lassen. Als Experiment entschied sich Frida dazu, trotz ihrer fehlenden Vorkenntnisse in nur drei Wochen einen Song zu schreiben. Nach der abgelaufenen Frist lud sie sie das Ganze online und erntete ein Kompliment nach dem anderen.

«Das Projekt hat mein Leben verändert. Ich hatte so viele Emotionen und habe auf diese Weise endlich einen Weg gefunden, diese auch auszudrücken», sagt sie. Von da an blieben die Verbundenheit und die Liebe zur Musik bestehen. Seither ist Frida viel gereist, hat sich von anderen Musikern inspirieren lassen. Verschiedene Begegnungen, Einflüsse und Lernprozesse haben ihren Songs neue Facetten verschafft. Das gleiche Stück fühlt sich auf einmal ungewohnt an. Anders. Und doch gut. Noch immer setzt Frida bei ihrer Arbeit nur auf Sachen, die sich für sie gut anfühlen. Ihre Mitmusiker wählt sie sorgfältig aus, steht ein qualitativ hochwertiger Austausch schliesslich an oberster Stelle.

«Wann immer ich neue Personen getroffen habe, haben sie mir zusätzlichen Wind unter meine Flügel verschafft», sagt Frida. So lässt sie mittlerweile auch Französisch oder Englisch in ihre Lieder einfliessen. Doch selbst wenn ihre Texte wunderbare kleine Geschichten bilden, dienen diese immer nur der Melodie, die Sprache steht für Frida längst nicht an erster Stelle. Für sie ist sie nur Mittel zum Zweck, ein Werkzeug, um sich auf ihren zahlreichen Reisen mit dem Publikum und anderen Musikern austauschen zu können.

Von Licht und Stärke - trotz allen Widrigkeiten

Die Konzerte im Ausland nimmt Frida als eine Art Wiederannäherung an ihr Werk wahr. Als eine Erinnerung an die Zeit vor dem Sturm. Kurz nach der Fertigstellung von «Frida» brach im Oktober des letzten Jahres die Revolution über ihre Heimat herein, auf einmal rückte die Musik in den Hintergrund. «Im Libanon ist viel Spannung vorhanden. Wenn du dein Licht behalten willst, musst du es dir trotz all der negativen Energie bewahren. Das hat etwas Kämpferisches. Aber manchmal willst du nur sein können, ohne dich gegen Widrigkeiten wehren zu müssen», sagt Frida.

Das Gefühl einer uneingeschränkten Existenz ist der Soulsängerin in der Schweiz wieder begegnet. Frida liebt den Libanon. Aber sich selbst und ihre Freiheit noch mehr. Die in ihrem Heimatland und auch hierzulande oft vorherrschenden Stereotype lehnt sie ab. «Ich bin nicht damit einverstanden, in eine spezielle Kategorie gesteckt zu werden, ich habe eine Million verschiedener Dimensionen. Ich will die Freiheit haben, zu sein, wer auch immer ich sein will. Wann immer ich will», sagt sie.

Statt sich an Bestehendem zu orientieren, lässt sie sich lieber von der Natur inspirieren, den alltäglichen und klein wirkenden Geschichten. Sie trägt sie in ihr Innerstes, macht sie dort zu etwas Grossem. «Ich meditiere viel. Ich glaube daran, dass der Ort, an dem du deinen Geist beruhigen und dein Herz öffnen kannst, der beste Platz ist, um etwas zu kreieren», sagt Frida.

Dass ihre Musik auch in einer digitalen Welt, in der nur Smartphones und Likes zählen, Bestand haben kann, daran glaubt sie fest. «Die ältere Generation ist es, welche die Verbindung zur Natur verloren hat. Wir sind eine Art Übergangsgeneration», sagt sie. Dass Camping- und Wanderferien oder das Verweilen in Gärten wieder Aufschwung bekommen hat, sieht sie als den richtigen Weg an. «Du bist geboren als Teil der Erde und funktionierst in Harmonie mit ihr. Diese Verbindung zu trennen ist so, als würdest du auf Sauerstoff verzichten wollen», sagt Frida.

Auf der Suche nach neuen Abenteuern

Ähnlich existenziell ist für sie die Musik als Mittel der Selbstverwirklichung geworden. Frida lacht, erzählt, übersprudelt vor Ideen. Ihre in Songs verpackte Geschichten drehen sich um die innere Stärke, die Rückkehr zur Natur. Nicht immer muss das ernst sein, auch Sarkasmus ist Frida nicht fern. So begeisterte sie im letzten Jahr im bis auf den letzten Platz besetzten «Café Marta» die Berner.

Doch auch Frida hat sich in die Schweiz fast schon schockverliebt. «Es war magisch, alles davon. Wie wenn man einen Akkord findet und plötzlich alles Sinn ergibt», sagt sie über ihren Aufenthalt und die damit verbundenen Begegnungen. «Frida, komm bald wieder», titelte damals die «Berner Zeitung» nach ihrem Auftritt. Wie der Wind ist Frida nun zurückgekehrt. Doch bleiben wird sie wohl auch diesmal nicht allzu lang, selbst wenn sie im Frühling in der Schweiz an ihrem zweiten Album arbeiten will.

Schliesslich ist sie immer auf der Suche nach neuen Abenteuern. «Erste Male sind für mich magische Momente. Ich liebe es, Dinge zu machen, die ich noch nie zuvor getan habe», sagt sie. Angst kennt sie kaum. Und selbst wenn, aufhalten kann Frida selten etwas. Ihre positive Einstellung, ihre Verbundenheit mit der Wahrheit und ihre innere Ruhe werden sie immer weit tragen. «Wie jeder hatte ich am Anfang Bedenken. Aber jetzt ist die Angst der Aufregung gewichen. Ich nehme nur Veränderungen in Angriff, die sich gut anfühlen. Ich folge meiner inneren Stimme. Seither weiss ich: Egal was ich tue, es wird grossartig werden.»

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