Kolumne

«Auf ein Wort»-Kolumne: Was haben Knöpfe, Knospen und Knoten gemeinsam?

Mundartexperte: Niklaus Bigler.

Mundartexperte: Niklaus Bigler.

Die Mundartkolumne von Niklaus Bigler diesmal zu einem Wort, das sich zu einer Vielzahl von neuen Begriffen weiterentwickelte.

Der Chnopf am Staubsauger und der vorzugsweise rote Knopf an Schaltpulten oder auf Bildschirmen kommt im Schweizerdeutschen Wörterbuch zwar nicht vor; aber auch diese neuere Verwendung belegt die Bedeutungsbreite des Wortes.

Althochdeutsch knoph bezeichnete generell eine Verdickung. Dazu gehören in der Natur Knollen und Pflanzenknospen. Wenn jemand äntli de Chnopf uuftuet, so ist die Phase des Heranwachsens abgeschlossen, und er blüht gleichsam auf.

Auch Spazierstöcke und Schwerter hatten ihren Chnopf (Knauf). Uf Spitz und Chnopf hiess ‹im äussersten Moment›, wenn gleichsam die Schwerter schon gezogen sind. Den Kleiderknopf findet man in der Redensart eim d Chnöpf iitue, ihn zurechtweisen.

Im Süden des deutschen Sprachraumes bezeichnet das Wort auch noch die – gewollt oder ungewollt entstandene – Verschlingung von Fäden oder Seilen. Ein einfacher Knoten ist der Wäber- oder Samariterchnopf.

Um etwas nicht zu vergessen, macht man e Chnopf is Naastuech oder scherzweise i d Naase. Der Chnopf isch gmacht, bei einer Eheschliessung, besagte nicht etwa, dass die Brautleute schon Nachwuchs (e Chnopf) gezeugt hatten, sondern dass ihre Lebensfäden von nun an verknüpft waren.

In diesem Sinne ist Chnopf auch ein Vertrag, und die Redewendung es good alls i ei Chnopf ie besagt, dass man alles auf einmal erledigen könne.

Der Notknopf war um 1570 ebenfalls ein Knoten, nämlich einer, den man nur mit Müh und Not auflösen konnte. Er loots uf de Nootchnopf lo aachoo bedeutete ‹er lässt es bis zum Äussersten kommen›. Niemand konnte dabei schon an den roten Knopf eines Notrufgerätes denken.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1