Trudelhaus Baden

Augen auf und weg: Dank dieser Kunstwerke in die Ferne reisen

Eva Borner: «Wenn ich weiss, wo ich bleibe.»

Eva Borner: «Wenn ich weiss, wo ich bleibe.»

Die neue Ausstellung im Trudelhaus Baden zeigt: Um wegzukommen, muss man die eigenen vier Wände nicht zwingend verlassen.

Noch nie war in die Ferne reisen so schwer wie in diesem Jahr. Inlandreisen sind umso beliebter. Für diejenigen, denen das nicht reicht, gibt es jetzt eine Alternative, die beweist, dass man nicht unbedingt in einen Flieger steigen muss, um das richtige Feriengefühl zu bekommen. Denn streng genommen, muss man die eigenen vier Wände gar nicht erst verlassen. So die Message, die aktuell im Trudelhaus Baden vermittelt werden soll.

Unter dem Namen «Reisen» stellen fünf Künstler Bilder, Objekte, Videoaufnahmen und Gemälde aus. Und sie alle haben eins gemeinsam: Sie sollen die Betrachterin in eine andere Welt katapultieren. «Der Zuschauer kann durch die Kunst auf seine ganz eigene Art reisen», sagt Kurator Christian Greutmann. Dass die Ausstellung gerade jetzt, in Zeiten von Corona, als Trostpflaster für die abgesagten Reisen gelten kann, sei keine Absicht gewesen. «Die Ausstellung ist schon seit über einem Jahr in Planung. Es ist Zufall, aber es passt wirklich perfekt», sagt Greutmann.

Grillen im Koffer und Vögel im Zimmer

Draussen sind es 32 Grad, die Sonne brennt auf der Haut, und die Sonnenstrahlen erhellen das Trudelhaus in Baden. Im Kontrast dagegen steht das überdimensional grosse Bild, das einem gleich als erstes ins Auge fällt. Dunkelheit, viel schwarz und nur ganz wenig Licht. «Irgendwo in der Normandie» soll das Bild von Claudio Moser entstanden sein, sagt Kuratorin Esther Amrein.

Claudio Moser: «Croisette».

Claudio Moser: «Croisette».

Während das Kunstwerk für eine innere Unruhe sorgt, beruhigt das nächste das Gemüt. Wellen, die gegen Felsen krachen. Wellen, die eine Insel wegspülen. Aufnahmen, die in einer Glaskugel zu sehen sind. «Die Videokünstlerin Ursula Palla überrascht immer wieder mit neuen und ausgeklügelten Inszenierungsideen», heisst es.

Aus der Ferne sind Grillen zu hören. Schliesst man die Augen, fühlt man sich sofort wie in Griechenland oder Spanien. Doch die Geräusche kommen aus einem Koffer. «Keine Angst, das sind keine echten Grillen. Das sind nur Aufnahmen», sagt Greutmann. Künstlerin Eva Borner sei bekannt dafür, mit ihren Kunstwerken surreale, poetische Situationen zu kreieren. So zeigen all ihre bearbeiteten Fotografien verschiedene Vögel in heruntergekommenen Räumen. «Es ist die Freiheit im Raum, ist aber gleichzeitig so surreal, weil es in solchen Räumen keine Vögel gibt», sagt der Kurator.

Serafin Krieger: «Warp2».

Serafin Krieger: «Warp2».

Auch die letzten beiden Kunstschaffenden nehmen einen an der Hand und führen einen raus aus Baden. Serafin Krieger stellt Objekte aus, die sich anhand von Motoren selbst durch die Räume bewegen, und Esther Ernst teilt ihre Eindrücke aus verschiedenen Orten der Welt in zwei parallel laufenden Videos.

Esther Ernst: «Kairo Edition handgenähte Monographie 2020».

Esther Ernst: «Kairo Edition handgenähte Monographie 2020».

Auch bietet sie mit Hilfe eines Tagebuchs Einblicke in ihre Zeit im ägyptischen Kairo – das Buch darf allerdings nur mit Einweg-Handschuhen berührt werden. «Das ist eine der Massnahmen, die wir wegen Corona eingeführt haben», erklärt Amrein.

Der Urlaub in Spanien wurde zwar storniert, dank des Koffers mit den Grillgeräuschen war das Feriengefühl aber dennoch spürbar - und das trotz Coronavirus.

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