Bandjubiläum
Axel Rüst von Cloudride: «Vielleicht eine Prise zu viel Pathos»

Die Basler Indie-Band Cloudride feiert ihr 20-jähriges Bestehen mit einem Konzert im Sommercasino. Anlass für ein Gespräch über Ambitionen, Ansprüche und das Älterwerden.

Stefan Strittmatter
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Pingpong und Boule: Cloudride um Axel Rüst (zweiter von rechts).

Pingpong und Boule: Cloudride um Axel Rüst (zweiter von rechts).

zvg/ Stefan Rüst

Seit 2001 trifft man sie regelmässig auf den Bühnen der Region an, zwischendurch schnupperten Cloudride sogar Stadionluft. Für Frontmann Axel Rüst ist das Streben nach Erfolg nach 20 Bandjahren aber in den Hintergrund getreten. Längst bedeuten ihm die langjährigen Freundschaften und die gemeinsame Liebe zur Musik mehr.

20 Jahre Cloudride: War das stets ein Wolkenritt?

Axel Rüst: Natürlich nicht. Ungefähr bei der Halbzeit vor rund zehn Jahren gab es grossen Streit. Zu viele Proben und Ambitionen hätten uns fast kaputt gemacht. Da gab es dann auch einen Besetzungswechsel am Schlagzeug.

Man startet in seinen Zwanzigern, plötzlich ist man Mitte Vierzig: Wie verändert sich dadurch die Banddynamik?

Man kennt sich das halbe Leben und weiss alles voneinander. Man weiss, wie miteinander umgehen. So auch beim Spielen, wenn mal etwas nicht ganz nach Skript läuft. Fünf weisse heterosexuelle Männer als Band sind heute auch nicht mehr ganz zeitgemäss, und wir stehen auf den ersten Blick nicht für die Werte wie beispielsweise Gleichberechtigung, wie wir sie heute vertreten. Dennoch verbindet uns eine so enge Freundschaft, dass es unwahrscheinlich ist, dass sie in die Brüche geht. Das ist viel wert.

Wann ist man «too old to rock»?

Nie. Es verändert sich möglicherweise die Intensität, wie man die Musik betreibt, und die hohen Tonlagen in der Leadstimme werden auch nicht einfacher. Aber Musik wird uns immer begleiten.

Wenn Euch jemand 20 Jahre übersehen haben sollte: Welcher eine Song fasst Cloudride am besten zusammen?

«Me Against The World.» Wie fast alle unsere Songs ist er fürs Radio zu lang und lebt vom Kontrast zwischen laut und leise. Auch haben die Melodien vielleicht eine Prise zu viel Pathos. Mit dem Song von 2008 sind ausserdem unsere Ansprüche an die Texte gestiegen, die in den darauf folgenden Songs zentraler geworden sind.

In 20 Bandjahren haben Sie nur ein volles Album, dafür aber mehrere EPs und Singles veröffentlicht. Woher kommt diese Abneigung gegen das lange Format?

Am Album «Overlooked» haben wir zwei Jahre lang gearbeitet. Und als wir damit fertig waren, war es für uns schon fast nicht mehr aktuell. Wir bezeichnen auch «In The Long Run We Are All Dead» als Album, auch wenn es mit 32 Minuten ein wenig kurz ist, da es für uns aus einem Guss kam, so wie wir es uns von einem Album wünschen.

Sie beschreiben sich selber als «permanenten Geheimtipp». Warum hats mit dem nationalen Durchbruch nicht geklappt?

Zu Beginn haben wir das sicherlich stärker gewollt als jetzt, aber möglicherweise waren wir damals zu jung, um den Musikmarkt zu verstehen und aktiv an unserem Netzwerk zu arbeiten. In den letzten Jahren ist das Verlangen, gute Musik zu machen, wichtiger geworden. Die Ansprüche an das Musikalische sind gestiegen, dafür sind wir beim Drumherum entspannter geworden. Unser aktuelles Bandfoto bringt das ziemlich gut rüber.

Hat sich die Musikszene in den vergangenen 20 Jahren stark verändert?

Eindeutig. Viel mehr Bands buhlen um ein stets kleiner werdendes Publikum, und man muss ein grosses Engagement bringen, um aktuell zu bleiben. Aber auch privat haben wir in den letzten Jahren Familie, Studium und Beruf mehr Platz gegeben. Wir haben darum jetzt einige Jahre fast nur noch im privaten Rahmen gespielt.

2007 gingen Sie auf Tour mit der britischen Band Amplifier. Der Höhepunkt in der Bandgeschichte?

Die Tour war definitiv unser Höhepunkt und hat uns einen Einblick gegeben, wie es sein könnte, bei den Grossen mitzuspielen. Davon werden wir sicher noch den Grosskindern auf der Veranda erzählen.

Sommercasino. Freitag, 1. Oktober, 20 Uhr.
www.sommercasino.ch

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