Art Basel
Frisch geschlüpft: Der Parcours wandelt auf neuen Pfaden

Der öffentliche Rundgang der Art macht sich frisch und wählt seine Wege diesmal abseits des Münsterhügels.

Hannes Nüsseler
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Klassische Schönheit: Bunny Rogers mit «Neopets».

Klassische Schönheit: Bunny Rogers mit «Neopets».

Nicole Nars-Zimmer

Kunst auf der Höhe ihrer Zeit: Wer die UBS-Geschäftsstelle am Bankverein aufsucht und vor den Schaltern coronakonform Abstand hält, mischt sich ganz zwangsläufig unter die «Schlammmännchen» von ­Augustas Serapinas – aus Stroh und Lehm zusammengepappte Figuren, die im Rahmen des diesjährigen Art-Parcours an den Klimawandel (Schneemangel) gemahnen. Stroh zu Gold? Wohl eher Geld zu CO2.

Für seinen fünften Parcours hat der freie Kurator Samuel Leuenberger aus der Not eine Tugend gemacht und eine neue Route abseits des Münsterhügels programmiert. «Das hat sich so ergeben», erklärt Leuenberger. Weil die Kunstmesse in den September geschoben wurde, waren viele Locations bereits belegt. «Also haben wir diese Situation als Chance genutzt, eine frische Route zu laufen.»

Krabbeltiere von Juli Yamagate in «Passion for beds».

Krabbeltiere von Juli Yamagate in «Passion for beds».

Nicole Nars-Zimmer

Der Rundgang startet beim Kunstmuseum Basel, wo Jason Dodge im Treppenhaus einen Putznotfall aus Seife, Tabletten und Teebeuteln veranstaltet, und zieht sich dann via Bankverein zum Barfüsserplatz. «Dort kommen tolle neue Räumlichkeiten dazu», schwärmt Leuenberger, «etwa mit dem frisch renovierten Stadtcasino und dem Theater Basel.»

Neu sind auch ein Luxusbettenladen mit Krabbeltieren von Juli Yamagata an der Freien Strasse sowie die Bibliothek der Kunsthalle Basel, die einen spektakulären Blick auf die Oberlichter des Kunsthauses bietet. Von der Decke hängt ein grosser, von Pedro Wirz gestalteter Kokon – Lust und Last des pandemie­bedingten Cocoonings in Form gebracht.

«Surra» von Pedro Wirz in der Kunsthalle-Bibliothek.

«Surra» von Pedro Wirz in der Kunsthalle-Bibliothek.

Nicole Nars-Zimmer

Von 20 Standorten sind 15 neu. «Können wir wieder gemeinsam glücklich sein?» fragt denn auch der Titel des diesjährigen Parcours. «Es brauchte einen wahnsinnig langen Atem während der vergangenen zwei Jahre», erzählt der Kurator. «Und viel Vertrauen auf die Bekannt- und Freundschaften mit den Künstlerinnen und Galeristen.» Dadurch sei der diesjährige Parcours viel persönlicher geworden. «Ich arbeite mit Leuten, die bereit sind, ein Risiko einzugehen. Die Pandemie ist ja noch nicht vorbei.»

Installation von Mike Nelson in der Barfüsserkirche.

Installation von Mike Nelson in der Barfüsserkirche.

Nicole Nars-Zimmer

Von den 20 Standorten sind 15 ganz neu, obwohl sich der Rundgang immer noch mehrheitlich auf das Stadtzentrum sprich auf den Theater- und Barfüsserplatz konzentriert. Dazu gehören aber auch zwei dezentrale Satelliten bei der Gewerbeschule respektive auf dem Novartis Campus, den man zu jeder Stunde in einer Gruppe besuchen kann. «In einem so aussergewöhnlichen Jahr wollten wir offen sein für Ausnahmen», sagt Leuenberger. «Das zeigt sich jetzt auch in der Vielfalt an frischen Locations.»

Für (H)eilige: iPhone-Pietà von Thomas Bayrle.

Für (H)eilige: iPhone-Pietà von Thomas Bayrle.

Nicole Nars-Zimmer

Schon während einer regulären Art-Ausgabe könne man das «Hallenfieber» kriegen, so Leuenberger, «da bietet der Parcours die perfekte Abwechslung». An der frischen Luft von Station zu Station zu ziehen und dabei neue Ort kennen zu lernen – das geniesse nicht nur ein internationales Publikum. «Ich bin ganz beflügelt, jetzt, wo es wirklich passiert!» Pedro Wirz’ Kokon zeigt bereits Wirkung.

Art Parcours, bis 26.9., 10–20 Uhr. Kostenlos und öffentlich, Zertifikatspflicht in Innenräumen. www.artbasel.com

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