Bandstadt 21
Aus dem Lockdown auf die Strasse: Basel hat ein neues Musikfestival

Mit Bandstadt 21 hat Basel seit neuestem ein eigenes Strassenmusikfestival. Und die Erstausgabe des Events ist bereits in vollem Gange.

Michael Gasser
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Die Bandtstadt-Initianten Lucio Marelli, Hannes Fankhauser und Oliver Pellet.

Die Bandtstadt-Initianten Lucio Marelli, Hannes Fankhauser und Oliver Pellet.

zVg

Das neuste Basler Musikfestival ist dem Lockdown zu verdanken. «Als Musikschaffende mussten wir uns in dieser Periode vom Wunsch nach möglichst viel Publikum verabschieden», erinnert sich Hannes Fankhauser. «Es galt stattdessen, nach neuen Optionen zu suchen, um vor weniger Zuschauern spielen zu können.» Beim Grübeln fiel dem Kontrabassisten und Tubaspieler auf, was der Basler Festivallandschaft aus seiner Sicht noch fehlte: ein Strassenmusik-Event, der sich trotz Covid-19 realisieren lässt.

Wenige Tage später erzählte er dem Gitarristen Oliver Pellet und dem Schlagzeuger Lucio Marelli, der in und um Basel schon diverse Jazzkonzertreihen initiiert und organisiert hatte, von seiner Idee. Und die drei beschlossen, das angedachte Projekt unter dem Namen Bandstadt 21 gemeinsam zu verwirklichen. «Uns schwebte ein Programm vor, das attraktiv, publikumsnah und unkompliziert ist, und das eine breite Facette des Basler Musikschaffens in den Bereichen Jazz, improvisierte Musik, neue Volksmusik oder Crossover-Projekten abdeckt», erklärt Fankhauser.

Zwanzig Konzerte im Wochenrhythmus

In der Folge machten er und seine beiden Kompagnons sich daran, ein Konzept auszuarbeiten und Stiftungen anzuschreiben. «Das Feedback war ausgesprochen positiv und rasch einmal wurde klar, dass wir genügend Gelder zusammenbekommen, um die auftretenden Bands ordentlich bezahlen und unser Vorhaben umsetzen zu können.»

Inzwischen ist das durch viel Fronarbeit der drei Veranstalter ermöglichte Gratisfestival mit Kollekte bereits in vollem Gange: Bis zum 4. September werden im Wochenrhythmus noch insgesamt zwanzig weitere Konzerte an wechselnden – und von den Auftretenden selbst ausgewählten – Standorten wie dem De Wette Park, dem Gerbergässlein oder dem Martinskirchplatz stattfinden.

Und was passiert bei Regen? «Dann verschiebt sich das Ganze unter die Dreirosenbrücke auf Kleinbasler Seite», so Fankhauser. Vorgesehen ist, dass alle Bands jeweils zwei Sets von rund 45 Minuten an unterschiedlichen Locations absolvieren. «Unser Ziel ist es, dem breiten Publikum einen einfachen und unmittelbaren Zugang zu Livemusik zu bieten», erläutert der gebürtige Berner.

Mögliche Fortsetzung im nächsten Jahr

Er selbst hat mit seiner Formation Sulp, die Schweizer Volksmusik mit sperrigen oder sentimentalen Melodien und Polkas anreichert, vor zwei Wochen das Festival eröffnet. Mit welchen Erfahrungen? «Spannend fand ich den Mix aus Interessierten, aber auch aus Familien mit Kids und Menschen, die sich rein zufällig an unserem Konzertort, der Claramatte, aufhielten. Das bescherte viel Spontaneität – sowohl beim Publikum als auch bei uns Auftretenden», sagt Fankhauser.

Zu den Highlights des weiteren Programms zählen etwa das Trio Sere Serpe, das aus dem traditionellen türkischen Songbook schöpft und dieses mit der Verspieltheit des Jazz kombiniert, oder das Fabio Gouvea Quartett featuring Jorge Rossi. Die Formation um den brasilianischen Bandleader wird nicht zuletzt für ihr harmonisches Konzept und ihr beeindruckendes Rhythmusgefühl gelobt. Auch weitere namhafte Acts wie die Oliver Pellet Group, das Enrico Solano Quartett oder Jazzsängerin Lisette Spinnler sind bei Bandstadt 21 mit von der Partie.

Noch befindet sich der Event in der Pilotphase. Doch laut Hannes Fankhauser soll das Projekt bei Gelingen im nächsten Jahr fortgesetzt werden. «Und ich schliesse nicht aus, dass unser Strassenmusikfestival dann stilistisch sogar noch erweitert wird.»

Bandstadt 21, bis 4. September. Infos unter: www.facebook.com/Bandstadt-100211512274717