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Eine Schubert-Messe im Technokleid: Der Junge Kammerchor Basel feiert mit klassischer Musik eine Party

Der Junge Kammerchor Basel präsentiert eine Schubert-Messe in zwei ganz unterschiedlichen Umgebungen.

Reinmar Wagner Jetzt kommentieren
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Der Junge Kammerchor kombiniert Techno mit Klassik.

Der Junge Kammerchor kombiniert Techno mit Klassik.

zvg

In der Schweiz hat es die Tonhalle Zürich vorgemacht: Seit über zwanzig Jahren gibt es die Reihe «Tonhalle late», bei der ein klassisches Sinfoniekonzert mit einer Techno-Party ausklingt. Nicht selten mischen dabei die Orchestermusiker selber im Club-Teil mit und klopfen beliebte Hits von Bach, Mozart oder Steve Reich ab auf ihre Tauglichkeit als Soundtracks zu Techno-Beats.

Und dann wird bis in den Morgen hinein getanzt. Die Reihe war von Anfang an ein Erfolg, mittlerweile hat sie Kult-Charakter.

Schuberts Orchesterpartitur für ein Oktett

Der Junge Kammerchor Basel, in dem sich vor sechs Jahren motivierte junge Sängerinnen und Sänger unter der Leitung von Tobias Stückelberger zusammengefunden haben, übernimmt dieses Modell nun auch für ein Konzert im Sudhaus. Ausgewählt dafür haben die jungen Sängerinnen und Sänger aber nicht etwa romantische Chormusik oder Chansons der Renaissance, sondern ein geistliches Werk: die grosse As-Dur-Messe, an der Franz Schubert jahrelang komponierte, und die für ihn ein ganz besonderes Herzenswerk wurde.

Eine klassische Messe-Vertonung besteht in der Regel aus den Teilen Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus, Benedictus und Agnus Dei, dem sogenannten Ordinarium. Schubert hielt es in seiner As-Dur-Messe genauso. Üblicherweise kommen zum grossen gemischten Chor vier Solisten und ein Sinfonieorchester hinzu. Das ist auch die Besetzung, die Schubert für seine As-Dur-Messe vorgesehen hat.

Der Junge Kammerchor aber singt nicht nur die solistisch besetzten Teile selber, sondern hat auch eine Version anfertigen lassen, die Schuberts Orchesterpartitur für ein Oktett aus acht klassischen Instrumenten arrangiert. Konzertmeister ist der junge, in Basel ausgebildete Geiger Dmitry Smirnov, der gerade zu einer grossen internationalen Solistenkarriere abhebt.

Techno verwurzelt in der Klassik

Der Junge Kammerchor Basel stellt diese Oktett-Version in zwei verschiedenen Umgebungen vor: Einmal ganz klassisch im Hans-Huber-Saal des Stadtcasinos, ein Konzert, in dem auch noch das Stück «Schubert singt» für Chor und Plattenspieler des norwegischen Komponisten Eivind Buene erklingt.

Und eine Woche später steigt im Sudhaus dann die Party im Late Night Concert mit der Schubert-Messe im Technokleid. Schon während Schuberts Messe soll man nicht still dasitzen, sondern sich im Raum bewegen oder sich zum Beispiel an der Bar ein Bier holen dürfen. Und dann mixt der DJ Gabriel Prokofiev zusammen mit Live-Sounds der Musiker seinen eigenen Schubert-Sound zum Tanzen.

Er hat übrigens selber klassische Wurzeln, der DJ des Abends. Er heisst nicht nur Prokofiev, sondern ist auch ein Enkel des russischen Komponisten gleichen Namens. Der 1975 geborene Musiker lebt in London und hat sich einen Namen gemacht als Vermittler zwischen Klassik und Techno.

Seine elektronisch aufgemotzte Version von Beethovens Neunter Sinfonie erhielt 2018 viel Applaus beim Beethoven-Fest in Bonn, er komponierte Konzerte für Plattenspieler und Symphonieorchester und leitet in London seinen eigenen Club, der bezeichnenderweise «Nonclassical» heisst.

Schubert singt – Schubert tanzt. Die As-Dur-Messe in neuem Gewand.
13. November, 19.00 Uhr, im Stadtcasino.
19. November, 21.00 Uhr, Late Night Concert mit DJ Gabriel Prokofiev im Sudhaus Basel.

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