«HINGUCKER» TEIL 10
Binninger Larvenhimmel: Hier ist das ganze Jahr Fasnacht

Baselbieter Museen stellen sich mit einem Lieblingsstück vor. Diese Woche: Das Ortsmuseum Binningen.

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Der «Larvenhimmel» im Ortsmuseum Binningen.

Der «Larvenhimmel» im Ortsmuseum Binningen.

zvg / Werner Beetschen

Kein Laut ist zu hören, dabei ist hier das ganze Jahr Fasnacht. Mit weit aufgerissenen Augen blicken die Larven stumm auf die Besucherinnen und Besucher herab. Seitdem die Basler Fasnacht von der Unesco als immaterielles Weltkulturerbe anerkannt wurde, ist der sogenannte «Larvenhimmel» im Dachstock des Ortsmuseums Binningen im wahrsten Sinne zum Höhepunkt der Ausstellung aufgestiegen.

Die Künstlerlarven stammen aus dem Atelier von Adolf Tschudin, der ursprünglich von 1918 bis 1923 ein Spielwarenfabrikationsgeschäft in Binningen betrieb. Er realisierte, dass leichtere und günstigere Fasnachtslarven einem Bedürfnis entsprachen, und hat diese Marktlücke gefüllt. Er zog 1925 mit seiner Firma nach Basel und diversifizierte die Fabrikation bald in ein Sommer- und ein Wintergeschäft.

Im Sommer wurden Fahnen hergestellt und im Winter Fasnachtslarven. Tschudin hat insbesondere jungen Kunstschaffenden die Möglichkeit für einen regelmässigen Verdienst gegeben, indem sie Larven entweder nach den Sujets der Cliquen entwarfen und bemalten oder auf spezifische Wünsche der Kundschaft eingingen. In dieser Abteilung des Museums werden nebst den Larven auch traditionelle Basler Fasnachtskostüme gezeigt.

Ein Kurzfilm zum Museum

Das Ortsmuseum Binningen besteht aus der Sammlung, der ständigen Ausstellung und den Sonderausstellungen. Seine Zielsetzung liegt darin, die Bevölkerung von Binningen und der Region möglichst umfassend in ihre Vergangenheit einzuführen, wobei auch der Bezug zur Gegenwart hergestellt wird.

Das Museum zeigt in der Dauerausstellung die Ur- und Siedlungsgeschichte mit Geologie und Natur der Region, Forst- und Landwirtschaft, altes Handwerk und Dorfleben. Besonders erwähnenswert sind die funktionierende Druckerei von ca. 1920, die Binninger Vereine und Binninger Köpfe (Curt Goetz, Richard «Ricco» Koelner und Bolo Mäglin), die Sammlung Zahnarztpraxis der 1930er-Jahre, die Iris-Stecknadelfabrik von 1936 bis 1991, die Pfarrstube des Binninger Dichterpfarrers Jonas Breitenstein und das Malatelier seines Sohnes Ernst Breitenstein sowie die erwähnte Fasnachtslarven- und Kostümausstellung im Dachstock.

2019 wurde ein Kurzspielfilm mit dem Titel «Binningen – wacher als du träumst» gedreht, in dem in humoristischer und ein wenig geheimnisvoller Weise das Museum präsentiert wird. Der Film ist auf der Homepage des Museums und auf Youtube zu sehen und hat bereits einige Auszeichnungen erhalten.

Das Museum ist an jedem ersten Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr geöffnet, ausserdem an jedem Adventssonntag im Dezember. Es wird für die Gemeinde Binningen von den Mitgliedern des Vereins Ortsmuseum Binningen ehrenamtlich betreut und verwaltet. Der «Museumskeller», der während der Öffnungszeiten als Beizli dient, kann für Feiern und Seminare gemietet werden. Gruppen- und Schulklassenführungen können gebucht werden. Reservierungen bei Frau Lotti Preiswerk (061 421 03 82), weitere Auskünfte unter www.ortsmuseum-binningen.ch.

Diese Reihe entsteht in Zusammenarbeit mit dem Museumsverbund Baselland. Weitere spannende Museumsobjekte finden Sie im Kulturgüterportal www.kimweb.ch.

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