Hingucker Teil 11
Muttenz geht an der «Chrucke»

Baselbieter Museen stellen sich mit einem Lieblingsstück vor. Diese Woche: Das Ortsmuseum Muttenz.

Barbara Rebmann*
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Muttenzer Grenzstein mit der namensgebenden «Chrucke».

Muttenzer Grenzstein mit der namensgebenden «Chrucke».

zVg

In den heute in Vergessenheit geratenen historischen Dorf(über)namen waren früher besondere Merkmale einer Ortschaft, ihrer Bevölkerung oder ihrer näheren Umgebung eingebettet. Beispielsweise sind dies als Nachbarn der «Muttezer Chrucke» etwa die «Prattler Chreeze», die «Hübelirutscher» von Münchenstein oder die «Chrüzlischisser» im damals rein katholischen Gempen.

In historischen Zeiten wurden alljährlich am Bannumgang oder auch Banntag die Grenzsteine entlang der Gemeindegrenzen kontrolliert. Man hegte den Verdacht, die Nachbarn könnten im Geheimen die Grenzsteine verschieben, um mehr Land zu gewinnen. Am Kontrollgang durften damals ausschliesslich die Gemeindebürger teilnehmen.

Auf einigen historischen Grenzsteinen – sieben davon sind im Hof der Kirche St. Arbogast ausgestellt – ist das Symbol einer Invalidenkrücke abgebildet. Und am geselligen Familienanlass trägt man heute eine blumengeschmückte «Oofe-Chrucke» als Kennzeichen für die «Muttezer Chrucke» mit. Da solche Ofenkrücken auch in jedem überregionalen Haushalt genutzt wurden, um die Asche im Backofen oder Feuerherd zu «verchruckle» (verteilen/herausschaben), ist sie für ein einzelnes Dorf aber kaum sinngebend. Woher kommt denn nun diese «Chrucke»?

Beim Symbol auf dem Grenzstein handelt es sich um einen Hinweis auf die einstige Landbesitzerin, das «Spital zum heiligen Geist» in Basel. Dieses Spital, aus dem das heutige Bürgerspital entstanden ist, war bis 1804 Eigentümerin der Muttenzer Ländereien und bezog drei Viertel der Muttenzer Getreide-, Heu- und Weinernten als Steuern. Es ist naheliegend, dass der Spottnamen so entstanden ist.

Fotografische Zeitreise und ein Glocken(auf)zug

Im Muttenzer Ortsmuseum werden nebst der Herkunft des Dorfnamens weitere historische Ereignisse der Dorfentwicklung von der Steinzeit bis in die Neuzeit mit vielen archäologischen Originalfunden und Modellen gezeigt. Ein Highlight ist die Fotoausstellung «Zeitsprünge», welche Gegenüberstellungen der Bebauung im Dorfzentrum um 1900, in der Mitte des 20. und Anfang des 21. Jahrhunderts zeigt. Seit neuerem sind drei Vitrinen speziell dem Beinhaus und der Kirche St. Arbogast gewidmet.

Unter anderem zeigt hier ein Film den Glockenaufzug durch die Muttenzer Schuljugend anno 1949. In weiteren Vitrinen werden jeweils aktuelle Themen präsentiert, welche sich im Zuge der Inventarisierungsarbeiten in den Sammlungen herauskristallisieren. Im gleichen Gebäude ist übrigens auch der themenreiche Nachlass des Muttenzer Historienmalers Karl Jauslin (1842-1904) ausgestellt, der einer älteren Generation als Schöpfer der «Bilder aus der Schweizergeschichte» in Erinnerung sein dürfte.

Das Ortsmuseum an der Schulstrasse 15, gleich über dem Feuerwehrmagazin, wurde 1972 eröffnet. Das rollstuhlgängige Museum ist jeweils von 14 bis 17 Uhr am letzten Sonntag eines Monats geöffnet, ausser Juli und Dezember. Weitere Angaben finden Sie auf der Homepage der Gemeinde Muttenz.

Führungen im Museum, aber auch im historischen Dorfkern entlang des «Etters» sind auf Anfrage jederzeit für Schulklassen und private Gruppen möglich. Auskunft gibt Telefon 061 466 62 71 oder Mail museen@muttenz.bl.ch.

*Diese Reihe entsteht in Zusammenarbeit mit dem Museumsverbund Baselland. Die Autorin ist Vorstandsmitglied im Ortsmuseum Muttenz. Weitere spannende Museumsobjekte finden Sie unter www.kimweb.ch.

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