«HINGUCKER» TEIL 13
Zu Pferd von Polen nach Bubendorf

Baselbieter Museen stellen sich mit einem Lieblingsstück vor. Diese Woche: das Krippen- und Spielzeugmuseum Bubendorf.

Brigitte Tschan-Hertner*
Drucken
Teilen
Der Lajkonik mit seiner Keule ist ein wichtiger Bestandteil der Krakauer Folklore.

Der Lajkonik mit seiner Keule ist ein wichtiger Bestandteil der Krakauer Folklore.

zVg

Geheimnisvoll und meisterhaft bemalt: Unser «Hingucker» verkörpert den als Tatarenreiter verkleideten Gaukler Lajkonik, eine legendäre Gestalt aus Krakau, Polen.

Jozefa Kogut, Mitglied der Krakauer Werkstattgesellschaft, hat dieses Holzspielzeug geschaffen oder zumindest bemalt. Diese Werkstätte gab es zwischen 1913 und 1926. Wir wissen, dass Kogut auch in der Kunst der Batik sehr bewandert war, eine Textilfärbetechnik, bei der mit Wachs auf Stoff geschrieben wird. Dieser Technik ähnliche Zeichnungen sehen wir auch auf dieser Figur. Das alles lässt sich herausfinden anhand der Signatur auf der Unterseite.

Dort steht auch: «12.6.1964 Bruxelles.» Doch was bedeutet das? Über dieses Datum können wir nur rätseln. Kennen wir einen politischen Hintergrund zu diesem Datum? Hat es mit der Figur zu tun, mit dem vormaligen Besitzer, der Besitzerin? Wir wissen es nicht. Wir wissen nur, dass die Figur Hans Beutler (1913–1994) geschenkt wurde.

Die Sammlung des Schweizer Grafikers und Künstlers Hans Beutler legte den Grundstein für das Krippen- und Spielzeugmuseum im Dachstock der alten Schule in Bubendorf. Unter anderem hatte Beutler für das Rote Kreuz Karten und Plakate gestaltet. In dessen Auftrag war er im Zweiten Weltkrieg ab 1943 in den Cevennen in Frankreich und betreute dort fünf Kinderheime.

Ein Zeichen der Wertschätzung und Dankbarkeit

Betreuen hiess in dieser Zeit auch, viele Kriegsflüchtlinge zu beherbergen und zu verstecken. Tausende von Jugendlichen haben den Krieg so überlebt und konnten gerettet werden, wurden zum Teil adoptiert und verstreuten sich in der ganzen Welt. Wir wissen, dass Beutler einige seiner Sammelstücke von diesen Jugendlichen erhalten hatte, als Dank für seine Menschlichkeit und sein Engagement.

Bedeutet das Datum auf der Unterseite der Figur also, dass sich da jemand erinnert hat und Beutler aus Wertschätzung und Dankbarkeit aus Brüssel eine Figur zusandte? Das ist das Packende in einem Museum. Vieles bleibt verschlüsselt und ein Geheimnis, stilles Zeugnis einer vergangenen Zeit. Manches lässt sich nachschlagen, wie die Legende von Lajkonik, Hauptfigur eines Festes in Krakau zu Ehren der Rettung einer ganzen Stadt.

Das Krippen- und Spielzeugmuseum Bubendorf ist ein Ort mit Kulturgütern aus unserer christlichen Tradition, ein Ort der Entdeckungen und der Fantasie – auch zwischen Buchdeckeln. Der Fundus unseres Museums wächst stetig. So haben wir in den letzten Jahren weitere Schenkungen von Privatpersonen erhalten, die wir in der aktuellen Ausstellung «Wir packen aus!» zum ersten Mal präsentieren.

Unser Krippen- und Spielzeugmuseum ist jedes Jahr über den Jahreswechsel jeweils am Sonntag geöffnet. Wir starten mit der Vernissage der neuen Ausstellung am 7. November 2021, ein Familientag mit Spezialprogramm findet am 21. November statt, die Finissage am 2. Januar 2022. Das genaue Programm erfahren sie unter www. museum-bubendorf.ch, auf Wunsch bieten wir auch spezielle Führungen an. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

*Diese Reihe entsteht in Zusammenarbeit mit dem Museumsverbund Baselland. Die Autorin ist Leiterin des Krippen- und Spielzeugmuseums Bubendorf. Weitere spannende Museumsobjekte finden Sie unter www.kimweb.ch.

Aktuelle Nachrichten