«Hingucker» Teil 2
Eine Kirchturmuhr erzählt im Heimatmuseum Reinach

Baselbieter Museen stellen sich mit einem Lieblingsstück vor. Diese Woche: das Heimatmuseum Reinach.

Mauro Visentin
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«Froh, unter den Leuten zu sein»: Kirchturmuhr im Heimatmuseum Reinach.

«Froh, unter den Leuten zu sein»: Kirchturmuhr im Heimatmuseum Reinach.

zvg

«Heute bin ich tatsächlich bereits im 148. Lebensjahr. Natürlich habe ich meine Altersbeschwerden, aber es scheint, dass ich im Jahre 1873 im Schwarzbubenland von geschickter Hand und aus gutem Material gebaut worden bin. Ich war immerhin gute 1000 Schweizerfranken wert. Ein stolzer Betrag. Wie ich mich erinnere, entsprach dies damals fast dem Jahresgehalt meines Pfarrherrn.

Während rund 60 Jahren habe ich den Reinacherinnen und Reinachern pausenlos den Ton respektive die Zeit angegeben. Wehe, wenn ich einmal einen Zwischenhalt einlegte. Mit dem Älterwerden wurde immer wieder an mir herumgedoktert. Diverse Eingriffe hatte ich zu überstehen. Mit der Kirchenrenovation 1931 kamen auch die Elektriker ins Turmhaus. Reine Mechanik war out, ich wurde in Pension geschickt.

Die Glocken «Geselligkeit», «Kultur» und «Brauchtum».

Die Glocken «Geselligkeit», «Kultur» und «Brauchtum».

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Als altes, sperriges «Möbel» stand ich da und wusste nicht so recht, was ich weiter tun sollte. Nur einige Tauben leisteten mir im Kirchturm Gesellschaft. Hie und da drangen wohltuende «Sanctus»- und «Gloria»-Klänge aus der Kirche zu mir durch. Im Juni 1992 wurde ich von der Museumskommission und der Zunft zu Rebmessern zerlegt und heruntergeholt. Ein Spezialist hat mich in vielen Stunden aufgepäppelt und mir neue Lauffreude verliehen. Jetzt zeige mich wieder von meiner besten Seite. Meine Chefs, die Damen und Herren vom Kirchenrat, wussten, dass ich im Reinacher Museum einer guten Zukunft entgegenblicken kann.

119 Jahre schaute ich auf Reinach hinab, das genügt! Ich bin froh, jetzt unter den Leuten zu sein und Ihnen direkt gegenüber zu stehen. Ich bin stolz auf mein Innenleben. Es hängen auch wieder drei Glocken über mir, die gemäss den Satzungen der Zunft zu Rebmessern auf «Geselligkeit», «Kultur» und «Brauchtum» getauft wurden. So kann ich wieder die Viertel- und Ganzstunden schlagen lassen. Ausserdem ist neben mir ein Zifferblatt angebracht, das bis zur Kirchenrenovation am Kirchturm die Zeit anzeigte. Jetzt sorge ich dafür, dass der Zeiger auf dem Zifferblatt jede Minute weiterspringt. Herrlich! Kommen Sie und schauen mich genauer an!

Begegnungsräume für die Bevölkerung

Bei der Gelegenheit können Sie auch gleich das Heimatmuseum besichtigen, das sich seit 1988 an der Kirchgasse 9 in einem ehemaligen Wohn- und Bauernhaus befindet. Das Heimatmuseum umfasst zur Dokumentation der Dorf- und Heimatgeschichte einen Gebäudekomplex mit einer Ausstellungsfläche von insgesamt 2300 Quadratmetern. Neben der Präsentation des Ausstellungsgutes gibt es hier auch Begegnungsräume für die Bevölkerung, der Museumssaal inklusive gut eingerichteter Küche fasst maximal 90 Personen und kann für private oder geschäftliche Anlässe gemietet werden. Weinkeller und Innenhof stehen für Apéros zur Verfügung.

Das Heimatmuseum ist grösstenteils rollstuhlgängig und mit einem Personenlift ausgestattet. Ausserhalb der Schulferien ist das Museum grundsätzlich jeden Sonntag von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist gratis. Weitere Auskünfte erhalten Sie telefonisch (061 711 47 57) oder unter www.heimatmuseumreinach.ch

Diese Reihe entsteht in Zusammenarbeit mit dem Museumsverbund Baselland. Weitere spannende Museumsobjekte finden Sie im Kulturgüterportal www.kimweb.ch.

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