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Sommerlich-leichte Ermittlung am Mittelmeer

Der junge Literaturblogger Josia Jourdan über Reto-Dumeng Suters Débutroman «Bei Philippi sehen wir uns wieder».

Josia Jourdan
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Protagonist Ruwen König ermittelt in Barcelona einen Mordfall.

Protagonist Ruwen König ermittelt in Barcelona einen Mordfall.

Himmelstürmer Verlag

Spanien, Party und eine Leiche – der Schweizer Autor Reto-Dumeng Suter entführt uns in seinem Roman «Bei Philippi sehen wir uns wieder» in eine Welt voller Champagner, schöner Menschen und Geld. So viel Geld, dass gewisse Leute deswegen sterben müssen. Das Muster ist immer wieder das gleiche. Alte, alleinstehende, schwule Männer, die vermögend sind und von niemandem vermisst werden, verschwinden plötzlich.

Bücher-Blog

Josia Jourdan

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Der 18-jährige Muttenzer Gymnasiast Josia Jourdan betreibt den erfolgreichen Blog «I Love Books» und schreibt monatlich für die bz.

Unser Protagonist Ruwen König möchte eigentlich nur seinen Urlaub in Barcelona geniessen. Als er aber nach einer langen Partynacht in einer Villa aufwacht und da ein Mann tot liegt, ändern sich seine Pläne. Es handelt sich um den Hausbesitzer, meint der Mann, mit dem Ruwen die Nacht verbracht hat. Auf eigene Faust beginnen die beiden zu ermitteln und bald wird klar, es handelt sich nicht bloss um einen Mord. Ständig neue Namen führen sie zurück in die Schweiz, nach Griechenland und Deutschland.

Leserschaft kann mitermitteln

Suter schreibt angenehm. Mit einer Prise Humor und nahbaren Figuren sorgt er dafür, dass das Lesen zum Kinofilm wird. Zudem versteht er es, für konstante Spannung zu sorgen, auch wenn die Atmosphäre sommerlich und leicht bleibt. Es geht nicht um blutige Details und psychologische Spielereien, sondern vielmehr um Geld, Liebe und Eifersucht.

Grundsätzlich wird uns die Geschichte aus Ruwen Königs Perspektive erzählt. Mit kurzen Sequenzen, die andere Personen zeigen, wird aber schnell klar, dass hier einige Menschen in etwas Grösseres verwickelt sind. Nach und nach bekommt die Leserschaft mehr Material, um selbst mitermitteln zu können.

Mitreissender Krimi mit unspektakulärem Ende

Die Auflösung ist allerdings eher ernüchternd, und obwohl so viele verschiedene Handlungsstränge nebeneinander herlaufen, macht es sich der Autor am Ende zu leicht. Gerne würde man mehr zu den Motiven und Beweggründen erfahren, noch besser verstehen, wie alles zusammenhängt. Stattdessen wird der Fall in wenigen Sätzen geklärt. Das Ermittlerduo kann glücklich zusammenleben. So endet dieser mitreissende Krimi unspektakulär. Aber wer weiss, vielleicht gibt es in Zukunft noch mehr Fälle für Ruwen König und seinen Liebhaber.

Insgesamt ist «Bei Philippi sehen wir uns wieder» ein unterhaltsamer Sommerkrimi mit einem sympathischen Ermittlerpaar. Die perfekte Sommerlektüre! Das Ende ist zwar eher unbefriedigend, aber wer sich nach Spanien oder Griechenland träumen möchte, ist mit Suters Romandébut trotzdem gut versorgt.

Reto-Dumeng Suter: «Bei Philippi sehen wir uns wieder», Himmelstürmer Verlag, 2021, 230 Seiten.