IG Musik Basel
Ein Drittel für freies Musikschaffen und eine Anlaufstelle für alle Genres: Initiative will Basler Verteilschlüssel umkrempeln

Basels Förderpolitik bevorzugt klassische Musik gegenüber Rock, Pop oder Jazz. Eine kantonale Initiative fordert nun eine neue Verteilung der Gelder.

Tamara Funck
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Einer der Mitinitianten: Basler Musiker Kaspar von Grünigen.

Einer der Mitinitianten: Basler Musiker Kaspar von Grünigen.

Zvg

Die Zahlen sprechen für sich: 96 Prozent der öffentlichen Gelder, die in die Basler Musikförderung fliessen, gehen an Institutionen. 90 Prozent davon an Orchester, professionelle Freischaffende im Hip-Hop, Jazz, Klassik, Pop, Rock und vielen weiteren Musikstilen teilen sich die restlichen Prozente.

Das will nun die «Initiative für zeitgemässe Musikförderung» ändern. Die IG Musik Basel, die am Montag ihre Initiative mit einem ersten Entwurf lanciert, fordert eine Umverteilung der Gelder. Neu sollen Institutionen und Freischaffende je mindestens ein Drittel des Förderbudgets erhalten.

Gelder fliessen so, wie sie es immer taten

Die bisherige Verteilung der Fördergelder hat Tradition. Sie ist aus einer bürgerlichen Gesellschaft gewachsen. Früher war es der Fürst, der die Orchester finanzierte. Im Laufe des 19. Jahrhunderts übernahm der Staat diese Aufgabe. Populäre Musik hingegen ist neu. Der RFV, die regionale Anlaufstelle für Popförderung, ist gerade einmal 27 Jahre alt.

«Privilegien legitimieren sich darüber, dass sie schon lange bestehen», weiss Jazz-Bassist und Musikschulleiter Kaspar von Grünigen, der zu den fünf Initiatoren des Vorstosses gehört. Die Initiative wolle aber der Klassik nicht an den Kragen, sondern kämpfe für eine Förderpolitik, die unsere heutige Musikvielfalt abbilde, so von Grünigen. «Basel-Stadt sollte laut Kulturfördergesetz für ein vielfältiges Musikschaffen und -angebot sorgen. Tut es aber nicht.»

Stärkere Unterstützung für Freischaffende

Die IG Musik Basel setzt sich deshalb für eine Förderung aller Musikstile ein – eine Förderung, die Institutionen und Freischaffende unterstützt. Von den knapp zehn Millionen Franken gingen im Jahr 2019 über neun Millionen an Institutionen. Professionelle Freischaffende im Hip-Hop, Jazz, Klassik, Pop, Rock und vielen weiteren Musikstilen bekamen knapp 400'000 Franken.

Mit Annahme der Initiative würden sowohl die Institutionen als auch das freie professionelle Musikschaffen je mindestens ein Drittel des Förderbudgets erhalten. So soll die ganze Bandbreite an Musik unterstützt werden. Für die Umsetzung der Forderungen hätte der Kanton Basel-Stadt acht Jahre Zeit.

Genügend Zeit, um die nötigen strukturellen Anpassungen vorzunehmen und das Förderbudget sukzessive zu erhöhen, wenn die Institutionen keine Kürzungen der bestehenden Subventionen erleiden wollen. So der Vorschlag der IG Musik Basel. Ab Herbst will sie die für eine kantonale Initiative üblichen 3000 Unterschriften sammeln.

Das Ende des RFV?

Weiter fordert die Initiative eine einzige Förderstelle. Somit würde der RFV, die regionale Anlaufstelle für Popförderung, überflüssig. Kaspar von Grünigen betont zwar: «Die IG Musik Basel will mit der Initiative nicht den RFV abschaffen – wir begreifen ihn als Partner auf dem Weg zu einer zeitgemässen Musikförderung.»

Gleichzeitig sprechen sich die Initianten gegen eine Abgrenzung von Fördertöpfen nach Genre aus. «Um professionelle Musikschaffende unabhängig von Szene- oder Genrezugehörigkeit angemessen unter gleichen Bedingungen zu fördern, finden wir eine zentrale Anlaufstelle unerlässlich», so von Grünigen.

«Trinkgeldinitiative» als möglicher Vorbote

Bereits letztes Jahr war die Basler Kulturförderung ein Politikum. Im November sagte die Basler Stimmbevölkerung mit 58 Prozent klar Ja zur sogenannten «Trinkgeldinitiative» und sprach sich für mehr Subventionen der Jugend- und Alternativkultur aus.

Die «Initiative für eine zeitgemässe Musikförderung» geht einen Schritt weiter. Sie denkt die vorherrschenden Förderstrukturen neu. Und sie fordert deutlich mehr Geld. Von Grünigen zeigt sich trotzdem optimistisch: «Wir leben in einem kulturaffinen Kanton und haben gute Voraussetzungen.» Ausserdem habe die Pandemie geholfen, die prekäre Situation der Freischaffenden sichtbar zu machen.

Der vollständige Initiativtext ist zu lesen unter: igmusikbasel.ch