Jubiläum
HEK-Leiterin Sabine Himmelsbach: «Ich schaue positiv in die Zukunft»

Vor zehn Jahren wurde das Haus der elektronischen Künste (HEK) auf dem Dreispitz gegründet und leitete den Wandel zum Stadtquartier mit ein.

Interview Hannes Nüsseler
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«Wir punkten vor allem mit den gesellschaftlich relevanten Themen»: HEK-Leiterin Sabine Himmelsbach.

«Wir punkten vor allem mit den gesellschaftlich relevanten Themen»: HEK-Leiterin Sabine Himmelsbach.

Kenneth Nars

Sabine Himmelsbach, seit 2012 Leiterin des Hauses der elektronischen Künste (HEK), richtet zu dessen 10-Jahr-Jubiläum den Blick zurück und nach vorn.

Die Pandemie zeigt, wie stark wir von digitalen Medien abhängig sind. Braucht das Publikum auch noch digitale Kunst?

Es geht im Haus der Elektronischen Künste darum, den gesellschaftlichen Wandel zu reflektieren. Wir präsentieren Kunst und Themen, die die Auswirkungen von Medientechnologien auf uns Menschen zeigen. Aus der Perspektive der Kunst bekommt man einen ganz anderen Blick auf technologische Entwicklungen, weil sie einen visuell packt. Da geht es nicht um trockene Statistiken: Unsere Ausstellung «Future Love» zum Beispiel handelte von der Zukunft unserer Beziehungen, die heute oft auf Onlineplattformen beginnen. Die aktuelle Gaming-Ausstellung zeigt Bildwelten, in denen sich vor allem Jugendliche bewegen. Gegenüber den Mainstream-Games sind hier allerdings Gesellschaftsentwürfe zu sehen, die mehr Diversität und Inklusion beinhalten. In der Vermittlung dieser Themen ist uns ein selbstbestimmter Medienumgang wichtig: Ein Handy haben alle, aber wie wir es nutzen – das ist zentral.

Bei der Gründung des HEK vor zehn Jahren sagte Beat von Wartburg, damals Leiter Kultur bei der Christoph-Merian-Stiftung, man müsse das Publikum auf den Dreispitz locken. Gelingt Ihnen das?

Ich denke schon. Wir zeigen herausragende Positionen der Medienkunst, aber wir punkten vor allem mit den gesellschaftlich relevanten Themen, etwa zur künstlichen Intelligenz. Das Feedback unseres Publikums zeigt, dass wir hier wirklich angekommen sind, mit Vermittlung, Workshops oder auch der BitFabrik, unserem Programmierclub für Kinder: Die Nachfrage ist so gross, dass wir die Kapazitäten verdoppeln mussten. Und natürlich spiegelt sich der Erfolg in den steigenden Besucherzahlen.

Der Anspruch eines schweizerischen Kompetenzzentrums ist also erfüllt?

Auf jeden Fall, das hat sich diesen Sommer ja bestätigt. Auch in der nächsten Förderperiode gehören wir zu den Museen mit nationalem Anspruch, die Bundesgelder erhalten. Und der Anspruch löst sich nicht nur im Programm ein, sondern auch durch die Sammlung, indem wir Schweizer Kulturgut erhalten. Wir konzentrieren uns auf software- und netzbasierte Werke. Wenn wir das nicht tun, sind diese Projekte in zwanzig Jahren verloren. Schon beim Kauf hat man das Problem, dass sie endlich sind und Lösungen für den Erhalt gefunden werden müssen.

Der Start des HEK war holprig. Es gab Richtungskämpfe, bevor Sie Leiterin wurden …

Beim Zusammenführen des Medienforums plug.in und des Shift-Festivals wollte man Synergien nutzen, realisierte aber bald, dass zu wenig Geld vorhanden ist, wenn ein Festival institutionalisiert werden soll, das auf ehrenamtlicher Arbeit basierte. Der Stiftungsrat entschied sich dann für einen Change-Prozess, worauf ich die neu geschaffene Stelle angetreten habe. Ich musste dann leider auch verkünden, dass wir das Shift-Festival nicht mehr durchführen konnten.

Vermissen Sie nicht die Anziehungskraft eines solchen Events auf die Stadt Basel?

Ich kann nicht zaubern, wir hätten das doppelte Budget gebraucht, um das zu stemmen. Natürlich habe ich das Bedürfnis nach einem solchen Event gespürt, deshalb haben wir 2012 die Oslo Night mit den anderen Kulturakteuren vor Ort als Mini-Ersatz lanciert.

Die Christoph-Merian-Stiftung war sehr daran interessiert, das HEK auf dem Dreispitz anzusiedeln. Wer hat davon mehr profitiert: das HEK oder die CMS?

Ich finde, dass es eine Win-win-Situation ist. Es gab ja einen Sprung von der Vorgängerinstitution plug.in zu dem, was hier entstanden ist: vom Offspace zur Institution. Das wäre am alten Standort nicht möglich gewesen. Dass die CMS bereit war, sich für diese Räumlichkeiten zu engagieren, ist grossartig. Mit unserer Spezialisierung braucht es entsprechend ausgestattete Räumlichkeiten, und wir haben hier alles, was wir brauchen. 2012 brausten noch die Lastwagen vorbei, jetzt ist es ein wunderbarer Ort, der auch zum Verweilen einlädt. Internationale Gäste schwärmen vom urbanen Flair des Dreispitz. Und mit der Clusterbildung von Schaulager und bald auch dem Kunsthaus Baselland bietet dieser Standort tolle Synergien für die Zukunft.

Die Jubiläumsfeier findet während der Art-Woche statt. Gesundes Selbstbewusstsein oder ein Schiebedatum?

Das Jubiläum wäre im Mai gewesen, aber damals war klar, dass kein Fest möglich ist. Deshalb haben wir gesagt, wir feiern das ganze Jahr mit einem Blick zurück, aber auch nach vorn. Und natürlich tun wir es mit dem Selbstbewusstsein, dass wir in Basel angekommen sind. Seit einigen Jahren geben wir Empfänge während der Art Basel und finden grossen Zuspruch. Die Kontakte zur Messe sind gut, wir haben auch internationale Sammlerinnen und Sammler zu Besuch.

Wie geht es mit dem HEK weiter?

Ich schaue positiv in die Zukunft. 2022 wird die Europäische Kulturhauptstadt Esch in Luxemburg ein Jahr lang digitale Kunst zeigen, angefragt wurden das ZKM | Zentrum für Kunst und Medien in Karlsruhe, die Ars Electronica in Linz – und wir! Das zeigt, dass wir uns mit unserem kleinen, aber engagierten Team international eine grosse Ausstrahlung und Visibilität erarbeitet haben. Und auch im Stadtraum Basel wird man demnächst mehr Digitales sehen. Darauf freuen wir uns!

Reception Radical Gaming und Jubiläum HEK: Di, 21. 9., 20 bis 23 Uhr. Eintritt frei,n Anmeldung erforderlich. www.hek.ch

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