Jubiläum
Inferno Basel mal anders: Eine Woche lang werden 700 Jahre Dante gefeiert

Die Società Dante Alighieri di Basilea lädt zu einer Settimana Dantesca ein – mit einem Programm für alle Sinne.

Martin Stohler
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Porträt von Dante Alighieri aus der Cappella di San Brizio, um 1500 entstanden.

Porträt von Dante Alighieri aus der Cappella di San Brizio, um 1500 entstanden.

Fine Art Images/Heritage Images/Getty Images

Vor 700 Jahren, am 14. September 1321, starb Dante Alighieri in Ravenna im Exil. Die Basler Società Dante Alighieri nimmt dieses Datum zum Anlass, das Interesse am Werk des Florentiner Dichters während einer Woche auf unterschiedlichen Wegen zu befeuern. Der Verein wurde im Jahr 1911 als eigenständiger Teil der italienischen Muttergesellschaft gegründet. Gäste sind bei den Veranstaltungen herzlich willkommen, und natürlich freut man sich über Neumitglieder.

Eröffnet wird die Settimana Dantesca am Montag, dem 13. September, mit einem Vortrag in italienischer Sprache von Maria Antonietta Terzoli. Im Zentrum ihrer Betrachtungen stehen Paolo und Francesca, denen Dante bei seinem Gang durchs «Inferno» begegnet. Die beiden haben ihre Liebe zueinander bei der gemeinsamen Lektüre eines Ritterromans entdeckt – eine verbotene Liebe, denn Francesca war eine verheiratete Frau. Dantes Schilderung dieses Liebespaares regte Künstler zu verschiedenen Deutungen an und lädt zu unterschiedlichen Interpretationen ein. Der Vortrag findet im Bernoullianum statt, Beginn 18.15 Uhr.

Am Dienstagabend geht die Reise durch Dantes «Divina Commedia» mit einer «literarischen Jukebox» im Tabourettli des Theaters Fauteuil weiter. Aus dem Publikum werden neun Zuschauerinnen und Zuschauer ausgelost. Diese können je einen von 15 Gesängen aus der Commedia auswählen – und die Schauspieler Alessandro Pazzi und Lorenzo Vergani treten in Aktion.

Für Auge, Mund und Ohr

Als Nächstes folgt am Mittwoch im Kino Atelier der Film «Il Postino». In dem Klassiker aus dem Jahr 1994 entdeckt der einfache Postbote Mario, während er dem fern der Heimat im Exil lebenden Dichter Pablo Neruda die Post bringt, die Welt der Poesie – sie soll ihm helfen, das Herz der schönen Beatrice zu gewinnen.

Am Donnerstag steht im Bernoullianum erneut Dantes Werk im Fokus des Interesses. Dort beleuchtet Achatz von Müller die Rezeption Dantes in Deutschland und der Schweiz. Diese erfolgte von der Mitte des
18. Jahrhunderts bis zum Erinnerungsjahr 1821 in langsamen Schritten, danach brach ein eigentlicher Dante-Kult aus. Für Achatz von Müller «ein Kult mit Widerhaken, substanziellen Erkenntnissen, literarisch glanzvollen Reflexen, aber auch furchtbaren Wirkungen».

Am Freitagabend verbinden sich literarische mit kulinarischen Genüssen bei einem dreigängigen Gastmahl im Ristorante Acqua (Binningerstrasse 14, Basel)*. Wie Vergil Dante auf seinem Weg begleitete, wird der Schauspieler Enzo Giraldo die Gäste auf eine ungewöhnliche Reise durch die «Divina Commedia» mitnehmen, die zunächst düster und dann voller Licht und Überraschungen ist.

Ihren Abschluss findet die Basler Dante-Woche am Samstagmorgen ab
10 Uhr in einer Podiumsdiskussion im Grossratssaal des Rathauses mit Regierungsrätin Stefanie Eymann, der Historikerin Bilgin Ayata, dem Historiker Marco Vencato und dem Schriftsteller Yusuf Yesilöz, moderiert von Christoph Keller. Der Titel, unter dem die Gesprächsrunde steht – «Dante, ein Flüchtling, gestern, heute, morgen» –, nimmt Bezug auf das Leben des Dichters und verweist zugleich auf die Gegenwart.

Auf der Flucht

In den Parteikämpfen, die Florenz Anfang des 14. Jahrhunderts erschütterten, gehörte Dante zur Verliererseite. Die Sieger verurteilten ihn zunächst zu einer Geldbusse und schlossen ihn von allen öffentlichen Ämtern aus. Da er dieses Urteil nicht akzeptierte, wurde über ihn 1302 in Abwesenheit die Todesstrafe verhängt und sein Besitz konfisziert. Dante lebte fortan bis zu seinem Tod im Jahr 1321 im Exil. In der Fremde war er auf die Unterstützung von Fürsten angewiesen. Daran knüpfen sich Fragen an wie zum Beispiel: Wie lebt in der heutigen Welt ein politischer Flüchtling? Welche Perspektiven bietet ihm die Zukunft?

Der in Basel lebende Cantautore Tonino Castiglione, der die Società Dante Alighieri di Basilea seit einigen Jahren präsidiert, ist sich darüber im Klaren, dass das Flüchtlingsproblem an dieser Podiumsdiskussion nicht gelöst werden kann. Es ist ihm indessen wichtig, dass die Problematik und die gemeinsame Suche nach Lösungen den ihnen gebührenden Platz im gesellschaftlichen Diskurs erhalten.

Ausser der Podiumsdiskussionen am Samstagmorgen beginnen die Veranstaltungen jeweils um 18.15 Uhr. Angesichts von Corona gilt die 3-G-Regel. – *Für das Gastmahl ist eine Reservierung bis spätestens 13. September erforderlich (079 686 46 35 oder dantepop@traductor.ch).

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