Kammerorchester Basel
Avi Avital und die Mandoline in der Klassik

Der israelische Mandolinenspieler Avi Avital gibt vier Konzerte mit dem Kammerorchester Basel. Auf dem Programm stehen Vivaldi und Bach.

Reinmar Wagner
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Avi Avital.

Avi Avital.

zvg / Harald Hoffmann

Mike Oldfield spielt sie auf «Tubular Bells», in «Boat On The River» von Styx ist die Mandoline zu hören, ebenso wie in «Losing My Religion» von R.E.M. In der amerikanischen Bluegrass-Musik, vor allem beim überaus virtuosen Bill Monroe, hat sie eine wichtige Rolle gespielt, sie prägte den Sound des «Zupfgeigenhansel» oder war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts beliebt als «Wandervogel»-Begleiterin und als Instrument für ganze Mandolinen-Orchester.

Man verbindet mit diesem Zupfinstrument aus der grossen Familie der Lauten vielleicht eine lauschige Serenade in einer lauen Sommernacht, ein Liebeslied unter dem Fenster der Angebeteten – wie es Mozart im «Don Giovanni» sehr hübsch vorführt – oder auch eine temperamentvolle Tarantella in einer schummrigen neapolitanischen Bar. Aber sie als Soloinstrument in einem klassischen Konzert zu assoziieren, das wäre den wenigsten in den Sinn gekommen.

Virtuos, charmant und packend

Bis vor ein paar Jahren. Denn ab 2010 betrat ein schwarz-gelockter junger Israeli die klassischen Konzertpodien mit nichts als ebendieser kleinen Mandoline im Arm, spielte sich kreuz und quer durch das populäre Repertoire und begeisterte mit seinem virtuosen, charmanten und packenden Spiel das Publikum an jeder Ecke dieser Welt. Avi Avital heisst er, ist unterdessen 43 Jahre alt, hat seit 2011 einen Exklusiv-Vertrag mit dem glänzendsten Klassiklabel «Deutsche Grammophon» in der Tasche.

Das Spiel auf der Mandoline übrigens hat er in genau so einem Mandolinenorchester in seinem israelischen Kibbutz am Rande der Negev-Wüste gelernt. Ans Konservatorium ging er dann auch, erst nach Jerusalem, dann auch nach Italien ins Ursprungsland der Mandoline, wo sie im 17. Jahrhundert entwickelt wurde.

Avi Avital

Avi Avital

zvg/ Harald Hoffmann

Sie spielt nun wirklich nicht gerade eine grosse Rolle in der klassischen Musik, die Mandoline. Sogar von einem Nischendasein zu sprechen, wäre noch übertrieben. Aber man kann sie doch finden, die originalen Werke für Mandoline. In der Barockzeit vor allem in Italien: Vivaldi hat eine Handvoll Concerti für sie komponiert. Domenico Scarlatti hat der Mandoline ein halbes Dutzend Sonaten gewidmet. Und wer hätte gedacht, dass sogar Beethoven sechs kleinere Werke für die Mandoline geschrieben hat?

Aber natürlich kann sich einer wie Avi Avital nicht mit den paar originalen Stücken begnügen, sondern muss sich für sein Instrument arrangieren, was passt. Und Avital zeigt: Es passt fast alles: Klassikhits, Barock, Volksmusik aus Osteuropa, Klezmer, Pop und Jazz – nichts ist sicher vor den virtuosen Fingern dieses Israeli. Und wenn jemand denkt, man könne nicht singen auf der Mandoline, dann hat er Avi Avital noch nie in einer herzhaften Schnulze gehört. Schnelle Tonrepetitionen, eine Art Tremolo, erlauben Mandolinenspielern, auch weit ausgreifende Melodiebögen zu spannen.

Fast ein Heimspiel für die Mandoline

In seinen Konzerten mit dem Kammerorchester in Basel sind sie nicht so wild, die Arrangements: Von Vivaldi erklingt ein Konzert für Laute und zwei Violinen – das ist schon fast ein Heimspiel für die Mandoline. Und wenn man schon die Laute durch die Mandoline ersetzt, kann man auch gleich die beiden Violinen durch Blockflöten austauschen, wie man das beim Kammerorchester in diesem Programm ausprobiert. Solche Umbesetzungen erträgt barocke Konzertmusik üblicherweise problemlos, und sie entspricht auch dem Geist der Zeit.

So ist es auch keineswegs ein Sakrileg, wenn Avi Avital Bachs dramatisches d-Moll-Konzert BWV 1052 für sein Instrument adaptiert. Üblicherweise gilt es als Konzert für ein Cembalo als Soloinstrument, aber wir wissen, dass Bach selber es in seiner ursprünglichen Form wahrscheinlich für eine Violine komponiert hat. Und wenn man schon zwei virtuose Blockflöten-Spielerinnen hat – Katya Polin und Priska Comploi –, dann liegt nahe, Bachs viertes «Brandenburgisches Konzert» mit auf das Programm zu nehmen, in dem die beiden Flöten reizvoll mit der Solovioline von Julia Schröder in Dialog treten.

Avi Avital und das Kammerorchester Basel unter der Leitung von Julia Schröder.
Don Bosco, 13. und 14. Juni, jeweils 18.00 und 20.15 Uhr.
www.kammerorchesterbasel.ch