Kammerorchester Basel
Hoffnung auf eine «normale» Saison

Das Kammerorchester Basel präsentiert sein Programm für die Saison 2021/22, das an die besten Klassik-Adressen der Welt führt.

Reinmar Wagner
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Das Kammerorchester Basel hat sich einiges vorgenommen.

Das Kammerorchester Basel hat sich einiges vorgenommen.

Lukasz Rajchert

«Man könnte meinen, Corona habe nie stattgefunden!» Mit dieser Affiche präsentiert Marcel Falk, der Geschäftsführer des Kammerorchesters Basel (KOB), die nächste Saison. Sowohl in Basel, wo acht Konzerte im renovierten Stadtcasino und zwei im neuen Probenzentrum Don Bosco geplant sind, wie international sieht die Lage fast so aus wie vor der Pandemie. Eine ganz leichte Zurückhaltung beim Eingehen von Verträgen sei noch zu spüren, sagt Falk. «Aber im Prinzip sind wir, was die Anzahl der Konzerte angeht, auf Vor-Corona-Niveau.»

Und dabei spielt man an den besten Klassik-Adressen der Welt: zweimal in der Berliner Philharmonie und im Wiener Musikvereinssaal, es gibt eine Tournee durch die USA, man gastiert diesen Sommer an den Festivals in Schleswig-Holstein, Rheingau, Bukarest oder auf den Kanarischen Inseln. Dort gelangt ein Auftragswerk von Cristóbal Halffter zur Uraufführung, das er noch kurz vor seinem Tod im Mai vollenden konnte.

In Basel gibt es eine Uraufführung von Georg Friedrich Haas, die eigentlich im Beethoven-Jahr geplant gewesen wäre, ein Konzert für die exotische Kombination Violine, Kontrafagott und Orchester, umrahmt von Beethovens «Pastorale» und den beiden Violinromanzen. Und zur Eröffnung der Saison spielt das KOB das von Roland Moser «hörbar gemachte» Fragment von Schuberts letzter Sinfonie zusammen mit einem frühen Orchesterwerk des kürzlich verstorbenen Basler Komponisten Rudolf Kelterborn.

Botschaftsfunktion für Basel

Aber es gibt nicht nur brandneue, sondern auch sehr populäre Werke zu hören in Basel: Hélène Grimaud spielt ein Mozart-Klavierkonzert, Ivo Pogorelic eines von Chopin, Beethovens Tripelkonzert steht mit der luxuriösen Besetzung Isabelle Faust, Sol Gabetta und Kristian Bezuidenhout unter Giovanni Antonini auf dem Programm. An Weihnachten gibt es den «Messias» von Händel und an Ostern die «Johannespassion» von Bach.

Auffällig im Programm der kommenden Saison ist der illustre Reigen der besten Geiger und Geigerinnen, die sich im Stadtcasino hören lassen: Isabelle Faust, Christian Tetzlaff, Carolin Widmann. Und Nigel Kennedy spielt nicht nur das Konzert von Beethoven, sondern auch seine selbstkomponierte Antwort darauf. Das Programm «Haydn 2032» ist ebenfalls auf Kurs. Die Gesamteinspielung sämtlicher Sinfonien von Joseph Haydn unter Giovanni Antonini steht kurz vor der Halbzeit. Erstmals werden die beiden beteiligten Orchester, Il Giardino Armonico und das KOB, für die gross besetzten Londoner Sinfonien zusammen auftreten.

Nicht fehlen darf «das Wort zum Sonntag», wie es Marcel Falk nennt: der Fakt nämlich, dass das Kammerorchester mit bloss 765'000 Franken an öffentlichen Geldern auskommen muss. «Das sind bloss 14 Prozent von unserem Gesamtbudget von 5,5 Millionen. Alles andere spielen wir selber ein, rund 60 Prozent, oder erhalten wir von Sponsoren und Stiftungen. Unsere Botschaftsfunktion für Basel könnte von der Politik schon etwas höher geschätzt werden.» Aber Falk will nicht klagen: «Wir sind gut aufgestellt, wir haben Lust und Freude an dem, was wir machen, und wir hoffen jetzt auf eine ‹normale› Saison.»

Heinz Holligers «Begräbnis-Feyer»

Seit vielen Jahren ist das Kammerorchester Basel auch stark präsent auf dem CD-Markt. Zum einen hat es sich einen hervorragenden Namen gemacht als Gesangsbegleitband. So erschienen kürzlich Mozart-Arien mit Regula Mühlemann und ein Barock-Programm mit dem Counter-Tenor Valer Sabadus. Eingespielt, aber noch nicht veröffentlicht, ist Haydns «Stabat Mater» unter der Leitung von René Jacobs, und eine CD mit dem hochinteressanten und tieftraurigen Liederzyklus «Elegie» von Othmar Schoeck mit Christian Gerhaher steckt zudem in der Pipeline.

Grosse internationale Beachtung erhielt der Zyklus mit den Sinfonien von Franz Schubert, den Heinz Holliger mit dem KOB einspielte. Soeben ist die letzte CD in dieser Reihe erschienen mit der populären «Unvollendeten» als Filetstück, das Holliger mit dem bestens aufgelegten KOB wach und subtil ausmusiziert, meisterhaft austariert zwischen den romantischen Emotionen und dramatischen Akzenten.

Interessant – wie auf jeder CD dieser Reihe – sind die kürzeren Werke, die Holliger den Sinfonien zur Seite stellte. Diesmal grub er ein kurzes, aber bemerkenswertes Stück des 16-jährigen Schuberts aus: «Franz Schuberts Begräbnis-Feyer» für neun Blasinstrumente. Dazu liess Holliger vom Basler Komponisten Roland Moser eine Reflexion komponieren. Moser ergänzt die dunkle Bläserbesetzung durch tiefe Streichinstrumente und nimmt Schuberts Töne beim Wort, horcht ihnen nach, gibt ihnen Zeit und verfremdet mit subtiler Dynamik die Akkorde.

CD: Schubert: Sinfonie Nr. 7 «Die Unvollendete», Andante h-Moll, «Begräbnis-Feyer», Deutsche Tänze, bearbeitet für Orchester von Anton Webern, Roland Moser: «Echoraum zu Franz Schuberts Begräbnis-Feyer». Kammerorchester Basel, Heinz Holliger (Leitung), Sony.

Saisonprogramm und Abos: www.kammerorchesterbasel.ch