Kammerorchester Basel
Saisoneröffnung: Jan Lisiecki springt für Hélène Grimaud ein

Das Kammerorchester Basel eröffnet seine Saison am Sonntag mit Musik von Schubert, Kelterborn und Mozart. Für Hélène Grimaud greift der polnisch-kanadische Pianist Jan Lisiecki in die Tasten.

Reinmar Wagner
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Jan Lisiecki hat schon beim Schleswig-Holstein-Festival und in Gstaad ausgeholfen.

Jan Lisiecki hat schon beim Schleswig-Holstein-Festival und in Gstaad ausgeholfen.

Christoph Köstlin

Die Sinfonien von Franz Schubert waren in den letzten Jahren ein zentraler Schwerpunkt im Repertoire des Basler Kammerorchesters. Unter der Leitung von Heinz Holliger hat man sie alle aufgeführt und in aufsehenerregenden Interpretationen auch eingespielt.

Alle? Nicht ganz! Es gibt da nämlich noch das Fragment einer Sinfonie, das Schubert in seinem Todesjahr 1828 unvollendet liegen liess. Es handelt sich dabei allerdings nicht um die berühmte «Unvollendete», die war in Schuberts Augen nämlich fertig und verdankt ihren Beinamen der Tatsache, dass sie aus bloss zwei Sätzen besteht.

Die Entwürfe zu Schuberts letzter Sinfonie blieben mehr als ein Jahrhundert lang völlig unbeachtet. Erst in den 1980er-Jahren, als man Schubert von den biedermeierlichen Klischees befreite, rückte auch dieses Fragment wieder in den Fokus der Aufmerksamkeit und verschiedene Musikforscher legten Bearbeitungen und Ergänzungen vor. Noch einen Schritt weiter ging der italienische Komponist Luciano Berio: «Rendering» nannte er ein neues, eigenes Stück mit Schuberts Fragmenten als Keimzelle.

Auch der Basler Komponist Roland Moser interessierte sich für diese Fragmente, doch wählte er einen anderen Weg: 1982 brachte er die Skizzen zum Andante-Satz in eine «hörbare Form», ohne etwas zu ergänzen, sondern bewusst die Lücken stehen lassend und mit dosierter Instrumentierung anzeigend, wo Schubert die Arbeit unvollendet liess. Ganz neu hat er dieses Verfahren nun auch auf den ersten und dritten Satz von Schuberts Sinfoniefragment angewandt. Die Uraufführung ist am Sonntag, natürlich ebenfalls unter Heinz Holligers Leitung.

Das «romantischste» Konzert Mozarts

Im d-Moll-Klavierkonzert KV 466 von Mozart hätte Hélène Grimaud den Solopart spielen sollen. Aber die französische Pianistin, die in den USA lebt, konnte sich die nötigen Papiere für den europäischen Festivalsommer nicht rechtzeitig beschaffen. Wie schon beim Schleswig-Holstein-Festival und in Gstaad springt auch in Basel der erst 26-jährige, aber als ernsthafter Künstler bereits breit anerkannte Jan Lisiecki für sie ein. Das grosse d-Moll-Konzert, das wohl «romantischste» und düsterste Konzert Mozarts, spielte er feingeistig und stilsicher schon in Schleswig-Holstein (noch abrufbar auf der Seite von 3SAT) – und vor zehn Jahren feierte er damit sein Debüt beim renommierten Label «Deutsche Grammophon».

Eröffnet wird das Konzert von sechs kurzen Orchesterstücken, welche der Basler Komponist Rudolf Kelterborn 1972 schrieb und unter dem Titel «Traummusik» zusammenfasste. So klingen sie auch, diese Miniaturen: wie verwaschene Fragmente, die sich aus dem Dunkel der Träume ins Bewusstsein des Tages hinübergerettet haben. Keine Albträume, sondern solche, an die man sich gerne erinnern würde, mit dramatischen Momenten durchaus, die man gerne festhalten, ja vielleicht sogar weiter träumen würde. Aber sie sind zu flüchtig dafür und schon vorbei, bevor wir sie richtig fassen konnten.

«Traummusik», Sonntag, 15. August 2021, 19.30 Uhr, Stadtcasino Basel. www.kammerorchesterbasel.ch

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