Musik
Drei Ensembles plus ein Händel gibt ein Festival

Die drei Basler Ensembles «Voces Suaves», «Larynx» und «Capricornus Consort» planen ein spontanes Mini-Festival mit vier Barock-Konzerten.

Reinmar Wagner
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«Voces Suaves» (im Bild) ist ein Vokalensemble aus Basel, das Musik der Renaissance und des Barock in solistischer Besetzung aufführt.

«Voces Suaves» (im Bild) ist ein Vokalensemble aus Basel, das Musik der Renaissance und des Barock in solistischer Besetzung aufführt.

zvg / Markus Räber

Manchmal ergeben sich Musikfeste beinahe zufällig. Denn am Anfang stand «nur» die Idee eines von Händels frühen geistlichen Werken «Dixit Dominus» aufzuführen: eine Psalmvertonung für fünf Solisten, fünfstimmigen Chor und Orchester, die Händel als junger Mann während seines dreijährigen Italien-Aufenthaltes komponierte. Für «Dixit Dominus» kamen die beiden Basler Vokalensembles «Voces Suaves» und «Larynx» zusammen und übertrugen die orchestrale Begleitung an «Capricornus Consort».

Der gerade in der Kulturszene mit grossem Elan aufgekommene Optimismus nach den sukzessive fallenden Pandemie-Einschränkungen hat dazu geführt, dass man sich unbedingt noch einmal vor den Sommerferien seinem Publikum präsentieren will, und in Erinnerung rufen will, dass die Musikszene nach wie vor lebendig ist. So hat jedes der drei Ensembles neben dem gemeinsamen Händel-Konzert auch noch sein eigenes Projekt, das nun dem Publikum vorgestellt wird – und fertig ist ein kleines, achttägiges Barock-Festival in Basel.

Händels Genie-Streich

Das gemeinsame Händel-Konzert in der Peterskirche wird am 27. Juni zweimal aufgeführt. Die gut halbstündige Psalmvertonung war Händels erstes wirklich gross besetztes Werk. Entsprechend ambitioniert gab sich der junge, aber durchaus selbstbewusste Musiker und schöpfte mit teils ziemlich mutiger Harmonik die ganze Dramatik aus, die dieser martialische alttestamentliche Text vorgibt. Von «brechenden Schädeln» und «zerschmetterten Königen» ist in Psalm 110 die Rede, von den Tagen des Zorns und des Gerichts. Als Einleitung zu diesem frühen Genie-Streich Händels steht eine der virtuosen Instrumentalsonaten aus Opus 5 auf dem Programm, die Händel ebenfalls in Italien schrieb, und die ihn neben seinen Concerti grossi auch als Instrumentalkomponisten bekannt gemacht haben.

Da hatte sich Händel vom Vorbild Corelli bereits gelöst. Diesem eigentlichen «Vater» der Instrumentalmusik ist aber das «Capricornus»-Konzert am 22. Juni in der Peterskirche unter der Leitung von Peter Barczi gewidmet. Und zwar nicht Corelli selber, sondern den Referenzen, die ihm die grössten Barockkomponisten erwiesen: Francesco Geminiani wandelte dessen Geigensonaten in Concerti grossi um, Giovanni Valentinti taufte einer seiner Sonaten «La Corelli», und Telemann verbeugte sich sehr humorvoll in den «Sonates Corellisantes» vor dem Vorbild. Und ja, auch Bach veredelte ein Corelli-Thema zu einer seiner kunstvollen Fugen.

Die Farben der Harmonien

Denselben Psalm wie Händel hat auch Alessandro Scarlatti vertont, und zwar mehrfach und im Vergleich zu Händel gemildert im dramatischen Ausdruck. Das Vokalensemble «Larynx» unter der Leitung des Tenors Jakob Pilgram stellt ihn am 25. Juni im Zinzendorfhaus weiteren geistlichen Werken Scarlattis sowie einem lieblichen «Salve Regina» von dessen Sohn Domenico gegenüber.

In eine ganz andere Klangwelt entführen Tobias Wicky und «Voces Suaves» ihr Publikum am 30. Juni im Landgasthof Riehen: Madrigale und Canzonette des Renaissance-Komponisten Giaches de Wert stehen auf dem Programm. Musikalische Dramatik und die Ausdeutung der Texte werden in dieser Musik nicht durch opernhafte Gestik erreicht, sondern allein durch die Farben und die Folge der Harmonien, was die Komponisten jener Zeit zu höchster Perfektion getrieben haben. Sie erzählen damit von rasenden Schmerzen und tiefster Trauer, aber auch von den Freuden der Liebe oder dem Triumph und Sieg ihrer Helden, die Giaches de Wert sehr gerne von den grössten Dichtern seiner Zeit wie Petrarca oder Tasso entlehnte.

22. bis 30. Juni: Konzerte von «Voces Suaves», «Larynx» und «Capricornus Consort», Eintritt frei, Kollekte, Reservations-Pflicht. Informationen und Anmeldung: www.capricornus.ch/tickets