Nachgefragt
Musikchef der Kaserne: «Ich will den marginalisierten Stimmen einen Raum geben»

Marcel Bisevic, der neue Musikchef der Kaserne, ist vor kurzem erst nach Basel gezogen. Wir haben ihn zu seinem neuen Job und Wohnort sowie zum Programm befragt.

Michael Gasser
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La Yegros ist am 8. Oktober in der Kaserne zu sehen.

La Yegros ist am 8. Oktober in der Kaserne zu sehen.

Zvg

Die Kaserne Basel stellt ihr neues Programm vor. Grund genug für ein kurzes Gespräch mit Marcel Bisevic, dem neuen Musikchef des Mehrspartenhauses.

Herr Bisevic, seit 2015 waren Sie kuratorisch für das Musik­programm der Hamburger Kulturfabrik Kamp­nagel tätig. Was hat Sie daran gereizt, die Nachfolge von Sandro Bernasconi als ­Musikchef der Kaserne in Basel zu übernehmen?

Marcel Bisevic, seit August Leiter Musik der Kaserne.

Marcel Bisevic, seit August Leiter Musik der Kaserne.

zvg Babak Behrouz

Marcel Bisevic: Ich habe meinen Job in Hamburg lange und gerne ausgeübt und dabei sehr viel Spannendes erleben dürfen. Gleichzeitig ist über die Zeit der Wunsch nach einer Veränderung gereift und da kam das ­Angebot, an so einen tollen Ort wie die Kaserne zu gehen genau zur richtigen Zeit.

Wie gut kennen Sie sich denn mit der Schweizer Musik­szene aus – haben Sie diese von Hamburg aus überhaupt wahrgenommen?

Zwischen Deutschland und der Schweiz gab es schon immer einen musikalischen Austausch. So sind beispielsweise Künstler wie Egopusher oder auch Sophie Hunger an meiner alten Wirkungsstätte aufgetreten. Als Plattensammler geniesse ich zudem sehr die Musik von Yello oder Grauzone. Seit ich in Basel bin, habe ich jedoch schon innerhalb einer Woche viel Neues kennen gelernt – so etwa am ­Jugendkulturfestival von letzter Woche. Und ich freue mich sehr auf alle zukünftigen neuen Begegnungen mit der Schweizer Musikszene.

Es heisst, Sie hätten das Kasernen-Team nicht zuletzt mit Ihrem gesellschaftskritischen Ansatz mit Blick auf künstlerische Vielfalt überzeugt. Wie macht sich dies beim neuen Musikprogramm bemerkbar?

Wichtig ist mir insbesondere, marginalisierten Stimmen einen Raum zu geben und etwa migrantische und queere Communitys mit an Bord zu holen. Menschen also, die vielleicht nicht so den Zugang zum kulturellen Angebot haben oder sich durch dieses nicht wirklich repräsentiert fühlen.

Was möchten Sie in Basel künftig forcieren, bewirken und allenfalls auch verändern?

Mir geht es nicht darum, den grossen Zampano zu spielen und dem Publikum eine Vision aufzuzwingen. Mir ist es zunächst wichtig, die Stadt kennen zu lernen, freundlich hallo zu sagen, gucken, welches Potenzial sich hier findet und wie man darauf reagieren lässt. Grundsätzlich bin aber auch daran interessiert, musikalische Formate zu ent­wickeln, die über das blosse Konzert oder den Clubabend hinausreichen. Als Neu-Basler geniesse ich noch etwas Narrenfreiheit, was ich als Chance begreife, ein paar wilde Sachen zu veranstalten.

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