Neuer Direktor
Mit grossen Schritten in Richtung Zukunft: Marc Zehntner hat viele Pläne für das Historische Museum Basel

Der Betriebsökonom leitet das Museum seit Oktober 2020 interimistisch. Nun übernimmt er die Leitung definitiv und möchte das Museum zu einer wegweisenden Institution formen.

Elodie Kolb Jetzt kommentieren
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Er wird der definitive Direktor des Historischen Museums Basel: Marc Zehntner.

Er wird der definitive Direktor des Historischen Museums Basel: Marc Zehntner.

Bild: zvg

«Der alte Direktor ist auch der neue Direktor», fasst Regierungspräsident Beat Jans am Freitag die Situation treffend zusammen: Nachdem Marc Zehntner das Historische Museum zwei Jahre interimistisch geleitet hat, übernimmt er die Aufgabe nun definitiv.

Seine Position nahm er 2020 in einer nicht gerade einfachen Situation ein. Der vormalige Museumsdirektor Marc Fehlmann wurde von der damaligen Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann freigestellt. Die Geschichte begleitete Politik, Gerichte und Medien noch bis in dieses Jahr, da Fehlmann die Freistellung als rechtswidrig erachtete und vor Gericht brachte. Im April dieses Jahres sprach das Bundesgericht das letzte Wort und befand: Sie war rechtens.

Sammlungsdatenbank soll im Herbst online gehen

An der Pressekonferenz ist man sich einig: Mit Zehntner in der Leitung haben sich die Verhältnisse in der Institution beruhigt. Es habe ein Kulturwandel stattgefunden, und er nehme Grossprojekte gut in die Hand.

Marc Zehntner leitet das Historische Museum interimistisch bereits seit zwei Jahren.

Marc Zehntner leitet das Historische Museum interimistisch bereits seit zwei Jahren.

Bild: Georgios Kefalas/Keystone

Für die drei Häuser, die Teil des Historischen Museums sind, hat der 51-Jährige viele Pläne. Motiviert werde er vor allem durch das Potenzial, das er in der Institution sehe, führt er aus. Ausserdem könne er mit der neuen Position bereits begonnene Projekte weiterführen: Darunter fällt die Generalinventur der rund 300’000 Objekte des Museums. Einen Drittel habe man bereits geschafft, beendet werden soll das Projekt Ende 2025.

In diesem Zusammenhang plane man im Herbst die Publikation einer Online-Sammlungsdatenbank. Zudem soll die Dauerausstellung im Musikmuseum, die aus dem Jahr 2000 stammt, überarbeitet werden.

Mehr Forschung und Vorbildfunktion

Ein weiteres Ziel sei für ihn die Etablierung eines Forschungszentrums, sagt Zehntner weiter. Man habe neun Depots, wovon jedoch nicht alle die nötigen Voraussetzungen erfüllen. Man arbeite derzeit an einer Vorstudie für dieses Zentrum.

Zehntner möchte aber nicht nur zukunftsweisende Projekte aufgleisen, sondern will, dass das Historische Museum eine Vorreiterrolle einnimmt. Sei das mit der Provenienzforschung an Musikinstrumenten oder der Vermittlung: Das zum Museum gehörende Haus zum Kirschgarten muss saniert werden, Zehnter sieht dabei «eine Möglichkeit zur inhaltlichen Neuausrichtung». Sein Ziel ist klar: «Wir möchten am Puls sein und ein Vorbild werden für andere Museen.»

Zwar kein (kunst-)historischer Hintergrund, dafür Erfahrung

Die Findungskommission – bestehend aus Personen der Museumskommission, Kathrin Grögel (Abteilungsleiterin Kultur Basel-Stadt) sowie aus einer externen Expertin und einem Experten – habe sich gemäss der Co-Vorsitzenden Patricia von Falkenstein mit 29 Bewerberinnen und Bewerbern für die Direktionsstelle auseinandergesetzt und sich einstimmig für Marc Zehntner entschieden. «Er hat klar als bester Kandidat überzeugt», sagt von Falkenstein.

Zwar hat der Betriebsökonom weder einen historischen noch einen kunsthistorischen Hintergrund, dafür kann er mit grosser Erfahrung im Kultur- und Museumsmanagement aufwarten: Er war von 2004 bis 2009 als Verwaltungsdirektor beim Naturhistorischen Museum beschäftigt, danach war er für zehn Jahre Co-Direktor des Vitra Design Museums.

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