Programm
Kaserne Basel: Mit prall gefülltem Spielplan in den Herbst

Das kommende Programm der Kaserne unter der Leitung von Sandro Lunin zeigt sich divers und vielversprechend.

Michael Gasser
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Black Sea Dahu gastierten 2019 in der Kaserne, am 6. November gastiert die Truppe um Sängerin Janine Cathrein erneut in Basel.

Black Sea Dahu gastierten 2019 in der Kaserne, am 6. November gastiert die Truppe um Sängerin Janine Cathrein erneut in Basel.

Juri Junkov

Gleich 31 A4-Seiten umfasst der am Mittwochabend vorgestellte Spielplan für die kommende ­Kasernen-Saison. Was in Zeiten von Covid nach Schlaraffenland klingt. «Eigentlich sind wir bereits in die Saison gestartet», erklärte Sandro Lunin, der künstlerische Leiter des Mehrspartenbetriebs – und verwies damit unter anderem auf das Polyfon-Festival von Mitte August. Bei der Medienkonferenz unterstrich Lunin, dass die Kaserne weiterhin auf zwei Säulen stehe. Womit er sowohl auf die nationalen als auch die globalen Kollaborationen des Hauses anspielte.

Sandro Lunin, Leiter Kaserne Basel.

Sandro Lunin, Leiter Kaserne Basel.

Roland Schmid

Als Erstes präsentierte er die multimediale Tanzperformance «Virtual Womb» von Anna Fries und Malu Peeters vor, die mit spekulativen Zuständen spielt und die virtuelle Realität in den Theaterraum holt. Zum Stück gibt es gemäss Lunin zudem einen «feministischen salon basel». Hinter diesem stehen ­Katha Baur, Caroline Faust, Franca Schaad und Franziska Schutzbach, die Ende 2017 zusammengefunden haben und nun in der Kaserne «radikale, ­affektive, rassismuskritische und nachdenkliche Abende zu queer-feministischen Themen» veranstalten.

Nicht vor Ort sein wird ­Royce Ng: Seine dreiteilige Arbeit «Presence» lässt er von Performerinnen und Performern ausführen, welchen er live aus der Hongkonger Ferne «beiwohnt». Passenderweise dreht sich sein Stück um die Frage von Präsenz zu Zeiten, in denen Distanz erwartet wird.

Interkulturelle Zusammenarbeit und Vernetzung

Als Programmschwerpunkt erweist sich wiederum die Zusammenarbeit mit Culture­scapes, dem multidisziplinären Schweizer Festival zur Förderung von interkultureller Zusammenarbeit und Vernetzung. Heuer nimmt sich dieses dem Thema «Amazonas» an. Wozu sich Ende September in der Kaserne unter anderem die Koproduktion «La Luna en el Amazonas» des Mapa Teatro aus Kolumbien verfolgen lässt, welche nicht zuletzt die Frage aufwirft: Führen Umweltzerstörung und Aneignungen von Regenwaldgebieten durch multinationale Konzerne zu neuem Kolonialismus?

Spannung und Highlights versprechen zudem die aufs kommende Jahr verschobenen «Swiss Dance Days» sowie Tabea Martins Tanzperformance «Geh nicht in den Wald, im Wald ist der Wald». Diese feiert im Januar Premiere und arbeitet Themen wie Rassismus und Ausgrenzung ein.

«Brutal tanzbar» und eine verführerische Mischung

Marcel Bisevic, der neue Musikchef der Kaserne, hob bei der Vorstellung seines ersten Konzertprogrammes nebst dem ­brasilianischen Global-Pop-Ver­treter Rincon Sapiência mit seinem «brutal tanzbaren» Sound auch den kommenden Auftritt von La Yegros, der «Queen of Nu ­Cumbia», hervor. «Meine Kolleginnen und Kollegen schwärmen bis heute von ihrer letzten Show in Basel», so Bisevic.

Freuen darf man sich überdies auf die kolumbianische Formation Ghetto Kumbé, die mit einem Faible für westafri­kanische Rhythmen gesegnet ist, auf die Schweizer Indie-Folker Black Sea Dahu und nicht zuletzt auf Sophia Kennedy. Die in Hamburg ansässige US-Amerikanerin vermengt Chanson mit R’n’B und Hip-Hop, eine verführerische Mischung.

Das Programm-Füllhorn der Kaserne zeigt sich also ausgesprochen prall und vielversprechend. Spielt es da eine Rolle, dass der Bundesrat per kommenden Montag die Covid-­Bestimmungen verschärft hat? «Überhaupt nicht», sagt Sandro Lunin. «Wir sind auf Pfad, denn unser Publikum muss bereits heute geimpft, genesen oder ­getestet sein.»

Kaserne, Basel. www.kaserne-basel.ch

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