Saisonausblick
Katapultierte Besucherzahlen und geschulterte Klangwelten beim Sinfonieorchester Basel

Das Sinfonieorchester Basel freut sich über weiterhin wachsendes Interesse an den Abos und auf eine vielseitige Spielzeit 2022/23.

Stefan Strittmatter
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Das Sinfonieorchester Basel freut sich über steigende Zahlen bei den Abonnentinnen und Abonnenten.

Das Sinfonieorchester Basel freut sich über steigende Zahlen bei den Abonnentinnen und Abonnenten.

zvg/Pia Clodi

Man möchte sich nicht mit fremden Federn schmücken. Und so verwies Franziskus Theurillat, Direktor des Sinfonie­orchester Basel (SOB), bei seinem gestrigen Rückblick auf die trotz Pandemie erfolgreichen vergangenen zwei Spielzeiten früh auf das Stadtcasino. Die Neueröffnung des renovierten Saales sei mitunter als Grund dafür zu nennen, wieso das SOB trotz Lockdown und Massnahmen an Abonnentinnen und Abonnenten dazugewinnen konnte, während andere Klangkörper massive Einbussen zu beklagen hatten.

Die Pandemie, so vermutet Theurillat, habe beim Klassik­publikum wie ein Katapult gewirkt, das Bedürfnis nach Konzerten sei im Lockdown offenbar gestiegen. Und so darf sich das SOB nach einem Anstieg um 16% respektive 8% pro Spielzeit nun über 1700 Dauer­kar­ten­besitzer freuen – was bereits einer Auslastung von 70% entspreche. Mit den weiteren Ticketverkäufen bewege man sich meist bei einer Auslastung von 95% oder mehr.

Hans Georg Hofmann, künstlerischer Leiter des SOB.

Hans Georg Hofmann, künstlerischer Leiter des SOB.

Zvg

Dass diese erfreulichen Zahlen nicht bloss der Pandemie und dem Casino-Neubau geschuldet sind, zeigt sich im Folgenden beim Ausblick auf die Saison 2022/23. Im kurzwei­ligen Wechsel mit den Presse-Verantwortlichen Lea Vaterlaus und Elisa Bonomi gelingt dem künstlerischen Leiter Hans Georg Hofmann das Kunststück, den Spielplan in weniger als einer Stunde vorzustellen – das Programmheft zur Saison, die am 20. August mit dem Nachholtermin von Hans Hubers Oratorium «Weissagung und Erfüllung» und am 31. August mit Franz Liszts «Faust» startet, umfasst immerhin imposante 120 Seiten.

Ein finnischer Geiger und ein schwedischer Komponist

Bei Letzterem tritt mit Pekka Kuusisto der «Artist in Residence» erstmalig in Erscheinung. Das SOB bieten dem finnischen Geiger bis Anfang Februar 2023 gleich fünf Mal die Gelegenheit, sich in Basel als «begnadeter Geschichtenerzähler» und «experimentierfreudiger Solist», wie er im Programmheft beschrieben wird, zu beweisen.

Ebenfalls aus dem Norden stammt mit Anders Hillborg der «Composer in Residence». Der Schwede ist mit seinen Kompositionen ebenfalls an fünf Konzerten, zwei davon doppelt geführt, vertreten. Und mit seiner Komposition «Sound Atlas» (2018), die den Klang der Glasharfe ins Zentrum stellt und die am 19. Oktober in Basel zur Schweizer Erstaufführung gelangt, hat er sogleich das Saisonmotto beisteuern dürfen. Ausgehend von Hillborgs Hang zur expressiven Klang­malerei verspricht Hofmann bei der Vorstellung der zehn Abo-Konzerte, dass das SOB viele Fragen zu beantworten gedenke, etwa: Wie klingt das Meer? Wie klingen Blitz und Donner? Wie Vogelgesang?

Ein demokratischer Entscheid für ein Wunschprogramm

Spannend gestaltet sich auch das Rahmenprogramm jenseits der grossen Abo-Konzerte. So setzt etwa das Extrakonzert am 18. Dezember mit dem einladenden Titel «Jauchzet!» auf stimmliche Mithilfe aus dem Publikum, während für den Abend des 8. März ein demokratischer Entscheid zu einem Wunschprogramm führen soll. Bis Mitte Juni kann man auf der Homepage des SOB abstimmen.

Nicht unerwähnt bleiben soll das Vermittlungsprogramm, mit dem das SOB sich um mehr (und vornehmlich jüngeres) Publikum bemüht. Hier dürfte besonders das neu geschaffene Gefäss «Young Critics» spannend sein, bei dem sich junge Musikfans mit einem kurzen Text als Rezensenten versuchen können.

Sinfonieorchester Basel. Das komplette Programm online: www.sinfonieorchesterbasel.ch

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