Schweizer Indie-Pop
«Es ist quasi Weltschmerz in Dur»

Dennis Kiss & The Sleepers präsentieren am Freitagabend ihr Debütalbum «Poco Bono» im Hirscheneck.

Michael Gasser
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Dennis Kiss (rechts) und seine Band The Sleepers.

Dennis Kiss (rechts) und seine Band The Sleepers.

Bild: Tim Wettstein

2017 erhielt Dennis Kiss eine Konzertanfrage für seine Band, bloss: «Diese hatte sich kurz zuvor aufgelöst», erinnert er sich. Gleichwohl sagte der aus Baden stammende Sänger für den zwei Wochen später stattfindenden Auftritt zu. Weshalb er in Windeseile neue Mitmusiker auftreiben musste. Was gelang und zugleich die Geburtsstunde von Dennis Kiss & The Sleepers war, die diesen Freitag ihr ersten Longplayer «Poco Bono» im Hirscheneck vorstellen.

Was auch einem kleinen Heimspiel gleichkommt, weil der Frontmann mittlerweile in Basel lebt und studiert. Auswirkungen aufs Bandleben habe dies jedoch nicht, versichert Kiss. «Ich bin schon immer viel Zug gefahren.» Das konzerterprobte und gitarrenaffine Quartett mit Flair für effektive Gesangspassagen, das mittlerweile mehr als 150 Auftritte absolviert hat, versteht sich als Gruppe von Kumpels, die gemeinsame Sache machen. «Niemand weiss, ob wir musikalisch irgendwann auseinanderdriften, aber als Freunde wird uns das nicht passieren», ist sich Kiss gewiss.

Geschmeidige Indie-Pop-Songs

Die Pandemie bedeutete weniger Auftrittsmöglichkeiten, hatte für Dennis Kiss & The Sleepers aber auch ihr Gutes: «Wir waren gezwungen, mehr Zeit ins Songwriting zu stecken.» Was dazu führte, dass die Formation ihr Tempo drosseln, durchatmen und alles entschleunigen musste.

Offensichtlich war dies der richtige Entscheid, zumal zehn geschmeidige Indie-Pop-Songs aus dem Prozess hervorgegangen sind. Zu ihren Einflüssen befragt, nennt Kiss The Strokes aber auch The Kooks und Wolf Alice. Die federleichte und zugleich melancholische Musik sei insbesondere vom Leben, der gemeinsamen Freundschaft und den menschlichen Anstrengungen inspiriert. «Es ist quasi Weltschmerz in Dur.»

Dennis Kiss & The Sleepers gewannen 2017 den Nachwuchswettbewerb bandXaargau.

Dennis Kiss & The Sleepers gewannen 2017 den Nachwuchswettbewerb bandXaargau.

Bild: Tim Wettstein

Während das Lied «Rome» von Erinnerungslücken und Nächten in der italienischen Hauptstadt erzählt, dreht sich «The Beach» um getrocknete Tränen und «Gin Tonic» um weit mehr als den gleichnamigen Drink. Es sind drei Songs, die nahelegen, dass ein bisschen Hedonismus sein darf.

«... nach, vor und mitten im Exzess...»

«Die Lieder wurden auf Reisen, an Stränden, nach, vor und mitten im Exzess geschrieben», weiss Kiss. «Diese dann in einer Zeit aufzunehmen, in der man quasi daheim festsitzt, ein guter Zufluchtsort für uns, um nicht durchzudrehen.» Entstanden sei ein Werk, mit dem man zu hundert Prozent zufrieden sei. «Weshalb es keine grosse Rolle spielt, was wir mit unserem Album noch erreichen.»

Doch wie klingt das Material eigentlich live? «Mit ganz anderer Energie. Was auf der Platte wie gemütliches Indie-Nümmerchen wirkt, kann auf der Bühne mitunter ausarten», erklärt Kiss. Das ist – ebenso wie das Debütalbum seiner Band – ein absolutes Versprechen.

Dennis Kiss & The Sleepers, live: Freitag, 15.10., 21 Uhr, Hirscheneck Basel. Instagram: @denniskissandthesleepers

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