Stadtbild
Vom Gefällten zum Geschützten – Basels Bäume im Wandel der Zeit

Mit seiner aktuellen Sonderausstellung beleuchtet das Museum Kleines Klingental die wechselnde Bedeutung der Bäume für die Stadt.

Martin Stohler
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1998 machten Christo und Jeanne-Claude aus den Bäume im Park der Fondation Beyeler Kunstobjekte.

1998 machten Christo und Jeanne-Claude aus den Bäume im Park der Fondation Beyeler Kunstobjekte.

Florian Monheim

Am Anfang war die Zurückdrängung des Waldes. Damit Städte entstehen konnten, musste gerodet werden, wurden Bäume gefällt. Deren Holz fand Verwendung als Baumaterial, und man stellte daraus Werkzeuge, Geräte und Möbel her. Ganz aus dem Basler Stadtbild verschwanden die Bäume allerdings nie.

Im Mittelalter wurde unter der Gerichtslinde Recht gesprochen, und auf dem Petersplatz erhielten die Baslerinnen und Basler gar einen Stadtpark. Dies verdankten sie den Chorherren des Peterstifts, die im Jahr 1277 das Ackergelände mit Bäumen hainartig bepflanzen liessen.

Mit dem Wandel der städtischen Kultur und den Veränderungen des urbanen Raums veränderten sich auch die Funktion und die Wahrnehmung der Bäume in ihm. Entsprechend ist die von Jochen Wiede kuratierte Ausstellung im Museum Kleines Klingental nicht alleine auf Bäume fixiert, sondern bemüht sich, Zusammenhänge aufzuzeigen und Hintergründe auszuleuchten.

Erst die Forschung, dann die Gärten

Mit dem Ende des Mittelalters und dem Beginn der Neuzeit nimmt das Bestreben, die Natur wissenschaftlich zu erforschen, in starkem Masse zu. In der Ausstellung wird dies durch ein Exemplar eines Kräuterbuchs, das im Jahr 1664 in Basel gedruckt wurde, veranschaulicht. Nun wuchs auch das Interesse an exotischen Pflanzen und Bäumen, wohlhabende Bürger legten Gärten und Pärke an.

Ernst Kaiser, 3. Grüne Woche Basel, 1934. Plakat aus der Plakatsammlung der Schule für Gestaltung Basel.

Ernst Kaiser, 3. Grüne Woche Basel, 1934. Plakat aus der Plakatsammlung der Schule für Gestaltung Basel.

zvg

Oft geschah dies jenseits der Stadtmauern, wie diverse baslerische Landsitze im Umland zeigen. Besondere Erwähnung in der Ausstellung findet das Schloss Ebenrain bei Sissach. Dessen Lindenallee stellt einen besonderen Blickfang dar. Allerdings sind die hochgewachsenen und ins Alter gekommenen Bäume immer anfälliger für Faulstellen geworden und sind somit nicht nur ein Symbol für Wachstum und Beständigkeit, sondern erinnern uns auch an die Vergänglichkeit.

Neubewertung des Baums

Ebenfalls in die Ausstellung miteinbezogen wurde die Münchensteiner Gartenstadt. Die Gartenstadt-Idee war eine Reaktion auf die schlechten Wohnverhältnisse in den Städten und stammt ursprünglich aus Grossbritannien. In Münchenstein fanden sich gegen 200 Anhänger der Idee zusammen und legten 1912 den Grundstein für die erste Gartenstadt der Schweiz.

Dem wachsenden Bedürfnis nach «Natur» wurde auch in Basel selbst im Rahmen der Stadtentwicklung Rechnung getragen. Dies beispielsweise mit der Umwandlung des vormaligen Kannenfeldfriedhofs in einen Park. Dabei wurde ganz allgemein dem Baum in der Stadt mehr Aufmerksamkeit geschenkt – sei dies, weil er per se das Auge erfreut oder als Kunstobjekt, sei es, weil man von ihm einen wertvollen Beitrag gegen die Klimaerhitzung erhofft.

Die Ausstellung von Christo und Jeanne-Claude aus dem Jahre 1998.

Die Ausstellung von Christo und Jeanne-Claude aus dem Jahre 1998.

zvg/ Wolfgang Volz/ Christo

Mit dieser Aufwertung des Baums in der Stadt gewinnen auch sein Schutz und seine Pflege an Gewicht. Es ist dies eine Aufgabe, bei deren Wahrnehmung die Stadtgärtnerei eine zentrale Rolle spielt.

Texte und Bilder auf Fahnen

In der Ausstellung gibt es viel zu lesen. Texte und Bilder werden nicht wie oft in anderen Museen an der Wand oder in Vitrinen präsentiert, sondern auf länglichen Fahnen, die zu baumartigen Gebilden gruppiert wurden. Dazu ertönt in einzelnen Zimmern munteres Vogelgezwitscher.

Ein spezieller Kontrast entsteht dadurch, dass die Sonderausstellung in die permanente Ausstellung des Museums Kleines Klingental integriert ist, die unter anderem das aus Eichenholz geschaffene Glücksrad des Basler Münsters zeigt. Das Informationsunterholz im ansprechend gestalteten Sonderausstellungswald ist mitunter ziemlich dicht, sodass man sich gerne etwas durch das Gezeigte führen lässt.

Daten für Führungen sowie Angaben zu einer Reihe von Begleitveranstaltungen finden sich auf der Website des Museums. Zur Ausstellung ist zudem eine Buchpublikation erschienen.

«Bäume in Basel»
Bis 12. März 2023. Museum Kleines Klingenthal.
www.mkk.ch

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