Weihnachtsausstellung
Schnee, juhee! Das Museum der Kulturen Basel lässt es flöckeln

Das Museum der Kulturen zeigt in seiner prächtigen Weihnachtsausstellung, warum uns bei Schnee so warm wird ums Herz.

Hannes Nüsseler
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Achtung, fertig, los: Impression vom «Schlittenberg».

Achtung, fertig, los: Impression vom «Schlittenberg».

zvg/Museum der Kulturen

Was lässt sich zu Schnee sagen? Dass es früher mehr davon gegeben haben soll, ist jedenfalls falsch. Seit Messbeginn 1931 waren gerade einmal zwölf Basler Weihnachten so, wie sie Bing Crosby vor Jahrzehnten besang: weiss. Was noch? Dass er uns mit Kindheitserinnerungen wärmt, die Fasnacht verstopft, dem Sankt Nikolaus auf die Kapuze rieselt. Und dass er trotz seiner Flüchtigkeit unverwüstlich bleibt: Schnee geht immer, selbst wenn er von gestern ist.

Der Schneemann rollt mit der Zeit.

Der Schneemann rollt mit der Zeit.

zvg/Museum der Kulturen

Eben dies trifft auch auf die liebevoll kuratierte Weihnachtsausstellung im Museum der Kulturen zu, die eigentlich schon vor einem Jahr geplant gewesen war und wegen Corona verschoben wurde. «Wir wollten das Thema nicht verschenken», sagt Museums­direktorin Anna Schmid. Und das Warten hat sich gelohnt, ist die Ausstellung zwischen Wetterereignis und emotionalem Ausnahmezustand doch so facettenreich, wie sich das für einen Eiskristall gehört.

Klimawandel und Pandemie werden gleich zu Beginn mit feinem Schalk thematisiert: Auch Frau Holle sitzt im Homeoffice, das im weissen Gestöber versinkt. Für die Aufnahmen der Videoinstallation habe man riesige Ballone mit Kunstschnee gefüllt und ferngezündet, erzählt Florence Roth, die mit «Schnee» ihre erste Ausstellung kuratiert: «Das hat Spass gemacht.» Und diese Freude zieht sich durch die ganze Schau, die anhand von rund 180 Objekten unsere Faszination für und den Umgang mit Schnee reflektiert.

Abfahrt am «Schlittenberg»

So richtig warm mit dem ­gefrorenen Wasser wurden wir erst durch die Industrialisierung, berichtet Roth, als das Naturphänomen seine Bedrohlichkeit schrittweise verlor. So kam die Schweiz zum Wintertourismus, und wer kein Geld für die Zugfahrkarte hatte, schaute nicht in die Röhre, sondern in den Guckkasten: Die fehlenden Flocken wurden mit optischen Spielereien, Stereoskopie und Laterna magica herbeigezaubert.

Holzschnitt von Utagawa Kuniyoshi, ca. 1835.

Holzschnitt von Utagawa Kuniyoshi, ca. 1835.

zvg/Museum der Kulturen

Die verschrobene Fixierung auf weisse Weihnachten («Schnee in Bethlehem») wird ebenso aufgegriffen wie Schutzmassnahmen spiritueller («Heiliger Sankt Bernhard!») und praktischer Art: Die Schneebrillen der Inuit könnten noch heute Designpreise gewinnen. Und dann ist da das Thema Transport. «Mein persönliches Highlight», strahlt Roth unter der Maske. Auf einem «Schlittenberg» stehen über 20 Exemplare in allen Formen und Grössen. Stadt­ Basel ist mit einer orangen «Rumpelkiste» vertreten, Bretzwil schickt ein Modell mit nur einer Kufe an den Start.

Beim Blick über die Kantons- und Landesgrenzen hinaus sticht besonders Japan ins Auge, mit minimalen Schneelandschaften und hintersinnigem Wortwitz: «Wenn ich denke, dass es mein Schnee ist auf dem Hut, wird er mir leicht», dichtete ­Takarai Kikaku im 16. Jahrhundert. In diesem Sinn: Möge dir der Schnee leicht werden, Santichlaus! Und sonst ab zu Frau Holle ins Museum.

«Schnee», Museum der Kulturen Basel, bis 9. Januar 2022. www.mkb.ch

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