«Use your head». Der Satz, der in weissen Lettern auf dem schwarzen T-Shirt der Regisseurin und Performerin Antje Schupp zu lesen war, könnte eine gegenwärtige Variation des alten Grundsatzes von René Descartes sein: Ich denke, also bin ich. Use your head, eine Art Leitsatz in ihrem Theaterstück «Trust us: don’t trust us» das am Dienstagabend im Rossstall der Kaserne Premiere feierte.

Benutze deinen Kopf, um in der unübersichtlichen, unaufhaltsamen Informationsflut der modernen Welt nicht zu ersaufen, um die Orientierung und mit ihr dich selbst nicht zu verlieren. Bleibe dem kantischen Prinzip treu, der dem Menschen den kritischen Gebrauch der Vernunft ans Herz legte.

Nicht alles darf geglaubt werden

Und doch ist es in der heutigen Welt keine einfache Aufgabe (mehr), den eigenen Kopf zu benutzen und selbstständig zu denken. Das thematisiert Antje Schupp zusammen mit den Schauspielern Ariane Andereggen und Christian Heller in «trust us: don’t trust us». «Ein von A bis Z verschworener Abend» lautete der passende Untertitel. Für 90 Minuten laden die drei Performer das Publikum auf eine verwirrende, desorientierende Reise ein durch die subtilen Fallstricke dessen, was als wahr gilt, und durch die endlosen Abgründe, in die Menschen fallen, die sich mit simplen kausalen Zusammenhängen zufriedengeben.

Was ist Wahrheit? Existiert eine absolute Wahrheit überhaupt? Was darf geglaubt werden, was nicht? Welchen Quellen können wir Vertrauen schenken? Wo hören die Fakten auf, wo fangen die Verschwörungstheorien an? So ist von dubiosen Theorien über 9/11 und den Tod von Marilyn Monroe die Rede. Und es werden die Weichen für eine umfassende Mediendebatte gestellt. Schnell wird klar: Es gibt keine Wahrheit, sondern mehrere Wahrheiten. Wie die Schleier der grauen Vorhänge auf der Bühne erschweren sie die Verbindung mit dem grossen Ganzen, verhindern den Zugang zur totalen Erkenntnis.

«trust us: don’t trust us» heisst das Stück selbstreferentiell. Weil nicht einmal den drei Menschen auf der Bühne blindes Vertrauen geschenkt werden darf: Die drei Performer sind sich ihrer enormen Manipulationsmacht bewusst und setzen diese geschickt ein, um die Zuschauer vor einen unbequemen Spiegel zu stellen: Wie kritisch seid ihr? Wie weit darf man euch manipulieren?

«Keine Ahnung, wir haben keine Ahnung». Fast manisch wiederholt sich Andereggen in einem der vielen komischen Monologe und drückt damit ihre eigene Beschränktheit aus – denn schlussendlich können wir alle nur auf unseren (begrenzten) kritischen Sinn zählen.

«Wenn man sich mit Verschwörungstheorien und Wahrheitssuche beschäftigt, beginnt eine Art Spirale», erklärt Schupp nach dem Stück. «Die muss nicht unbedingt nach unten ziehen, aber man kommt auf jeden Fall nicht so schnell zur Klarheit». Eine Klarheit, welche die Regisseurin während ihren Recherchen, zu denen unter anderem ein Praktikum in der bz zählt, suchte. Umsonst? Auf gar keinen Fall. Die Wahrheit bleibt allerdings weiterhin ausser Reichweite. «Je mehr man nach der Wahrheit sucht, desto weniger findet man sie raus», sagt Schupp. Das ist jedoch kein Grund, um die Suche aufzugeben, denn gerade deswegen wurde der Mensch ja mit Vernunft ausgestattet. Use your head.

Spieldaten: Donnerstag um 19 Uhr mit anschliessendem Publikumsgespräch, Fr. und Sa. um 19 Uhr. Weitere Infos unter: www.kaserne-basel.ch.