Regula Bättig

Bisher stand das zur «Giftmischer»-Vorverkaufstelle umfunktionierte Marronihäuschen recht verloren auf dem Zeughausplatz, doch damit hat es sich: Seit gestern steht dort nun auch die Tribüne für das Freilichttheater. Etliche Beteiligte des Stücks haben mitangepackt um die 411 Sitzplätze für ihr künftiges Publikum herzurichten.

«Sensationell, so etwas», findet Produktionsleiterin Rosmarie Keller,: «Die Leute sind seit Wochen praktisch täglich am Proben, investieren ihre gesamten Wochenenden in das Stück und nun packen sie auch noch beim Aufbau mit an.»

Trotz des immensen Aufwands läuft rund ein Drittel der 70 Beteiligten unter die Kategorie «Wiederholungstäter». Auch Pascal Estermann, der in «Das Gerücht» als Kaspar Hauser brilliert hat, gehört dazu - dieses Mal wird er aber in einer kleineren Rolle in Erscheinung treten.

Vorverkauf gut gestartet

Bereits jetzt sind 27 Prozent der Tickets verkauft - ein solides Polster im Vergleich zur Situation vor zwei Jahren. Damals war bei der Premiere gerade mal 9 Prozent der Karten abgesetzt. Man ahnte das Schlimmste, die Sorgen erwiesen sich jedoch als unbegründet.

«Das Gerücht» konnte schliesslich mit einer Auslastung von 82 Prozent aufwarten. Doch die will man toppen, sagt Keller. «92 Prozent wären schön, wir nehmen aber auch mehr.» Wenn das Wetter mitspielt, stehen die Chancen dafür sicher nicht schlecht. Viele Besucher des «Gerüchts», denen das Stück gefallen hat, sind wieder mit dabei.

Völlig unabhängig davon, worum es beim Giftmischer geht. Dass man bereits ein gewisses Vertrauen geniesst, zeigt auch der Umstand, das verschiedene Firmen Tickets für Kundenanlässe bestellt haben. «Das wäre letztes Jahr nicht denkbar gewesen», sagt Keller. .

Der grosse Erfolg der ersten Auflage stellt für die Truppe aber auch eine ziemliche Herausforderung dar: «Die Erwartungen an das zweite Stück sind enorm hoch», sagt Keller. Und das sorge schon für ein mulmiges Gefühl. Klar ist für aber: Einen Abklatsch des «Gerüchts» wird der Giftmischer nicht sein. «Die Besucher werden völlig andere Bilder zu sehen bekommen, auch wenn die Kulisse des Zeughausplatzes gleich bleibt.»

Der Kampf mit den Miedern

Bei den Kostümen wird dies zweifellos gelingen. Barocke Üppigkeit ist angesagt, mit all ihren Herausforderungen: «Der Umgang mit Perücken und Miedern muss erst geübt werden», sagt Keller. Erst recht, da jeder Darsteller für seine Garderobe und Schminke selber zuständig ist.» Viel Zeit zum Üben bleibt allerdings nicht, die Kostüme sind erst gestern eingetroffen.

Dies dürfte aber nicht die einzige Hürde sein, die es bis zur Premiere noch zu nehmen gilt. «Eben erst haben wir realisiert, dass der Darsteller des Amabassadeurs beim Schlussapplaus in seiner Zweitrolle als Bettler auftreten würde, was natürlich eher ungünstig wäre.» Inzwischen habe man jedoch eine Lösung gefunden, erzählt Keller. Für die Rückverwandlung des Bettlers in den Ambassador müssen jedoch drei Minuten reichen - Schminken inklusive.