Literatur

Basler Lenos-Verlag ist die Adresse für arabische Literatur in der Schweiz

Gründer und Verlagsleiter des Basler Lenos Verlags: Tom Forrer. GEORGIOS KEFALAS/Keystone

Gründer und Verlagsleiter des Basler Lenos Verlags: Tom Forrer. GEORGIOS KEFALAS/Keystone

Schweizer Verlage 1970 in der Freizeit gegründet, ist der Basler Lenos Verlag heute eine renommierte Adresse für arabische Literatur – und gegen die Frankenkrise ist der Verlag bestens gerüstet

Als 1970 vier Angestellte des Basler Birkhäuser Verlags in ihrer Freizeit den Lenos Verlag gründeten, behalfen sie sich mit einem Trick. Sie baten befreundete Autoren um honorarfreie Texte, deren Rechte sie ihnen im Gegenzug beliessen. Die so entstandenen ersten Bücher verkauften sich blitzartig und die Lieferungen mit den neusten Werken etwa von Heinrich Wiesner, Jörg Steiner oder Adolf Muschg waren in den Buchhandlungen gern gesehen.

«Wir waren ja durchaus ein schöngeistiger Verlag», erklärt Verlagsleiter und Gründungsmitglied Tom Forrer, legt aber nach, «aber wir hatten natürlich schon eine Fiche.»

Palästina-Konflikt

Die Jungverleger waren «bewegt für den Frieden im Nahen Osten», erzählt Forrer. So bildeten neben brisanten Publikationen über Drogen, Inzest oder Missbrauch von Anfang an Sachbücher zum Palästina-Konflikt einen Schwerpunkt.

1983 folgte das erste belletristische Buch aus dem arabischen Sprachraum, Ghassan Kanafanis Erzählbändchen «Das Land der traurigen Orangen». Das Buch bewog Forrer und seine Kollegen dazu, «mit der Theorie aufzuhören» und stattdessen den literarischen Originalstimmen Gehör zu verschaffen. Seither wächst die arabische Bibliothek stetig und ist mit über 100 Bänden mittlerweile zur grössten Verlagsbibliothek zeitgenössischer arabischer Literatur in deutscher Übersetzung geworden.

Dass sich eine gute Nase bei der Auswahl von noch unübersetzten arabischen Texten bezahlt macht, zeigte sich mit dem Buch «Im Taxi» des Ägypters Chalid al-Chamissi, das der Lenos Verlag 2011 gleichsam pünktlich zur ägyptischen Revolution auf den Markt brachte. Auch das meistverkaufte Lenos-Buch ist ein arabisches, «Thymian und Steine» der Palästinenserin Sumaya Farhat-Naser.

Privilegierte Situation

Weitere Spitzentitel aus der Backlist, die dem Verlag die Möglichkeit geben, Neulancierungen zu finanzieren, sind die Übersetzungen von Westschweizer Autoren – einem weiteren Schwerpunkt des Verlags. Darunter sind etwa die Werke von Nicolas Bouvier, Alice Rivaz und Blaise Cendrars. Lenos unterhält auch eine umfangreiche Backlist mit renommierten Deutschschweizer Autoren wie Annemarie Schwarzenbach, Gerold Späth, Werner Rohner und Andrea Gerster.

Um die bereits absehbaren Umsatzeinbrüche zu kompensieren, hat der Lenos Verlag bereits eine Strategie entwickelt. In der Zweitverwertung werden anstelle von Taschenbüchern vermehrt gebundene Sonderausgaben hergestellt. Für solche seien die Leser bereit, ein paar Franken mehr zu bezahlen, und für den Verlag springe dabei eine höhere Gewinnmarge heraus.

Anstelle einer direkten Verlagsförderung hat Tom Forrer zwei andere Anliegen auf dem Herzen. Es sei stossend, sagt er, dass die Bibliotheken, die von Steuergeldern getragen sind, nicht für die Nutzung von Büchern – zum Beispiel einen sogenannten «Bibliotheksrappen» – bezahlen müssten.

Und ebenso stossend sei, dass die Schweizer Bibliotheken Schweizer Bücher im grossen Stil im Ausland einkauften.
(sda/ Gottlieb und Hans Vogt-Stiftung )

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