Das «Lasso» liege in vielen partyfreudigen WGs beim WC. «Das multipliziert natürlich die Leserschaft ganz beträchtlich», sagt Alain Gloor, einer der fünf Basler Redaktorinnen und Redaktoren des jungen Magazins. Mit etwas Glück gerät die nächste, neue Ausgabe auf einem WG-Party-WC Zaphod Beeblebrox in die Hände; der Präsident der Galaxis könnte das Heft im ganzen Universum bekannt machen. Denn darum gehts im Lasso Nummer sieben, das diesen Freitag mit viel Musik und Milky Ways gefeiert wird: den Kosmos.

«Wie wir uns am Kosmos spiegeln, um uns unserer selbst zu vergewissern. Man schaut rauf, um sich zu orientieren in der irdischen Welt.» Das ist nur eine von vielen Assoziationen, die «cosmic» bei Gloor weckt. Das grosse Thema hat grossen Zuspruch gefunden. «Wir können aus dem Vollen schöpfen.» Eine einzige, kurze Ausschreibung im August – und schon haben 150 Personen einen Beitrag für das Heft eingesendet: Künstler, Autoren, Fotografen, Illustratoren; Frauen und Männer; die meisten nach 1980 geboren; aus Basel, der Schweiz und dem Rest der Welt.

Irdisch: Flucht und Terror

Die Redaktoren halten sich zurück. «Wir haben uns entschieden, hier anderen eine Plattform geben.» Eine siebenköpfige Jury sichtet alle Zusendungen und wählt daraus etwa einen Drittel für das Magazin aus. Das sei hart, sagt Gloor, aber nötig. Denn nur eine sorgfältige – und heftig diskutierte – Auswahl, könne eine hohe Qualität garantieren. «Wir machen es nur, so lange wir es gut machen können – sorgfältig, nicht dahingeworfen.

Und tatsächlich: Die meisten Texte sind lustvoll, humorvoll, originell. Mit Karottensaft im Äther, dunklen Träumen in rosa Gebärtanks, Kassiopeia, die in der Lefze Plutos klappert. Aktuell erinnert sich Mala Mukherjee Suess an die Flucht aus dem Irak: «Als ich vier Jahre alt war und auf der Flucht// mit meinen Eltern, sah ich hoch zu den Sternen// und wünschte mir, dass Rettung käme.» Und fast erschreckend erinnert Romy Rüeggers «Cosmic Holes» an die Pariser Attentate, derweil Aufstände gegen das Establishment damals und heute mitgemeint sind: «sprengt das Opernhaus weg, sprengt die Alpen weg», beginnt ihr lyrischer Text, später schreibt sie: «und jetzt wo sie mal wieder alle umbringen// die Intellektuellen, die Journalisten und die Aktivisten// und all die anderen, deren Namen wir nicht kennen.»

Bilder und Texte gleichwertig

Dank Stiftungen und kantonalen Subventionen kann das Heft schön gestaltet und mit teurem Offset-Verfahren gedruckt werden. Das ist wichtig bei diesem Magazin, das dem Bild genau so viel Platz gibt wie dem Wort. Und damit hebt Lasso sich auch ab von vielen weiteren jungen Druckerzeugnissen.

Allein und gerade in Basel blühen drei weitere Literaturmagazine für Nachwuchstalente: «Belles Lettres», «Narr» und «Wandering». Bei allen arbeiten alle ehrenamtlich.

Warum? «Das frage ich mich natürlich auch immer wieder», antwortet Alain Gloor augenzwinkernd. Entstanden sei das Magazin vor einigen Jahren aus Lust und Langweile. Damals studierten alle Redaktoren noch, heute, neben der Arbeit, sei es anspruchsvoller, dafür Zeit zu finden. «Jedes Mal, wenn das neuste Heft da ist, denken wir: Das wars. Drei, vier Monate vergehen. Dann sagt jemand: Komm, wir machen doch noch eins.» Und so gehe es immer weiter und weiter. «Wir haben keinen Masterplan.»

Im Editorial schreibt der Literaturprofessor Philipp Theison: «Das Weltall erinnert uns an die Zufälligkeit all dessen, das wir für selbstverständlich halten; daran, dass das Leben in anderen Welten neue Gestalten annehmen kann.» Aber: «Kosmische Imagination ist immer Expedition. Harte Arbeit.»

lassomagazin.ch