«Was kann Malerei heute noch?», fragt der Eine. «Was soll der Künstler im System Kunst überhaupt noch tun?», der Andere. Mit dem Maler Markus Amm und dem Konzeptkünstler Piero Golia präsentiert das Kunsthaus Baselland zwei Positionen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Während Amm akribisch die Wirkung von Farben untersucht, ist Golia an sozialen Prozessen, theatralischen Interventionen und der Ausweitung des künstlerischen Betätigungsfelds interessiert.

Die Werke der beiden Männer ergänzen die bereits im April eröffnete Schau der baskischen Performerin Itiar Okariz (Ausgabe vom 3. April). Die Ausstellungen sind noch bis Mitte Juli im Muttenz zu sehen.

Die Entertainment-Maschine

Lachen und leiser Schrecken überwältigen einen beim Betreten des langen, schmalen Raumes. Ein orangefarbener Industrieroboter rast auf den Besucher zu, den gestreckten Arm auf diesen gerichtet. Dann wendet das kunstfremde Ungetüm und beginnt mit der Arbeit. Am Boden stehen Farbtöpfe unterschiedlicher Grösse. Darüber acht grossformatige Papierbahnen. Der Roboter fährt mit dem Arm gestikulierend hin und her, wählt einen Farbtopf, taucht den Pinsel und malt mit sanfter Geste eine kleine geometrische Form aufs Papier. Er wird dies bis zum Ende der Ausstellung tun. Dabei entsteht ein verschlüsseltes Abbild des Publikumsaufmarsches. Der Künstler liess den Roboter so programmieren, dass er, je nach Anzahl Besucher, andere Muster malt.

«Ich hab schon zu viel Zeit daran verschwendet, Leute zu unterhalten», sagt Golia in italienisch gefärbtem Amerikanisch. Der Neapolitaner lebt und arbeitet in Los Angeles. Wenn er über seine Kunst redet, verwendet er oft die Worte «this shit». Der 43-Jährige blickt aus kritischer Distanz auf die Kunstwelt. Er ist mehr an Prozessen als an fertigen Produkten interessiert. Anstatt die Kunstschickeria während der kommenden Art Basel zu bespassen, lässt er den Roboter für sich arbeiten. Er selbst hat stattdessen Zeit, in der von ihm gegründeten Mountain School of Art in Kalifornien Studenten zu betreuen. Diese können dort unentgeltlich ein Kunststudium absolvieren.

Kritik und beissender Humor gehören zu Golias Strategien. Mit seinem malenden Gehilfen macht er sich lustig über einen Kunstbetrieb, der einerseits Werke am Laufmeter verhökert, andererseits viel mehr an der Vita der Kunst-Stars interessiert ist als an deren Werken.
Für Golia geht es in der Kunst darum, allgemeingültige Erzählungen in die Welt zu setzen. Dabei greifen für ihn herkömmliche künstlerische Medien zu kurz. Er sucht Kommunikationsformen, mit denen er ein grösseres Publikum erreicht. «I love Hollywood», sagt er lachend und erzählt, wie er den berühmten Schriftzug am Hügel morgens beim Aufwachen sieht.

Aber auch dieses Possenreissen vor Journalisten ist eine Maske. Im Grunde sucht Golia ernsthaft nach Möglichkeiten, der Kunst in einer durchmedialisierten Welt zu einer prägnanten Stimme zu verhelfen. Dafür sucht er sein Publikum auch ausserhalb des Kunstbetriebs. Das sei wie eine Mission, sagt er. «Der Nachteil dieser Taktik: Am Ende des Monats wird es schwierig, die Miete zu bezahlen.»

Die Einladung zur Kontemplation

Dass klassische Malerei ganz andere Qualitäten hat als medientaugliche Inszenierungen wie diejenige von Golia, demonstriert Markus Amm in seiner ersten institutionellen Ausstellung in der Schweiz. Der Gegensatz zwischen den so unterschiedlichen Positionen macht gerade den Reiz der Ausstellung aus.

Amm zeigt in Basel drei Werkgruppen. Zuvorderst seine monochromen, kleinformatigen Ölbilder. Mit ihnen stellt sich der 49-Jährige in die Tradition eines Mark Rothko und der amerikanischen Farbfeldmalerei. Seine auf Holztafel aufgezogenen Leinwände behandelt Amm in mehreren Arbeitsgängen mit Farben. Dabei spielen Zufall und Intuition eine grosse Rolle. «Ich kann das Endresultat nie vorausplanen», sagt Amm. Seine leuchtenden Tafeln sind Einladungen zur Kontemplation und Bildbetrachtung jenseits aller Narration. Die mit feinen Nuancen komponierten Farbflächen haben gleichzeitig Tiefenwirkung und Strahlkraft. Die Tafeln scheinen, trotz kleinem Format, die Räume geradezu zu beherrschen.

Amm experimentiert auch mit Fotografie oder besser: mit den Mitteln eines Fotografen. Er spielt und bastelt mit Fotopapier, Entwicklerflüssigkeit und zufälligen Belichtungen, beispielsweise durch ein Feuerzeug. Zwei Serien dieser Experimente sind in Muttenz zu sehen.
Als drittes Element zeigt der in Genf lebende Stuttgarter graue Leinwände, deren sinnliche Oberfläche mit wenigen, farbigen, feinen Linien überzogen sind. Beim Rundgang verweist der Maler darauf, dass die Linien stellenweise mit zwei Farben gezogen sind. Ein Detail, das erst bei längerer Betrachtung sichtbar wird. Und eben darum geht es: sich Zeit zu lassen, um wieder einmal ganz Auge zu sein.

Piero Golia, Markus Amm, Itiar Okariz. Bis 17. Juli. Ausstellungseröffnung heute Donnerstag, 18.30 Uhr. Kunsthaus Baselland.