Weihnachten, die Zeit der grossen Feiern. Auch auf dem Landgut von Benedict Grame, auf dem der britische Schriftsteller Francis Duncan seinen Roman «Ein Mord zu Weihnachten» spielen lässt. Grame ist ein grosser Weihnachtsfan, hat jedoch keine Familie, mit der er ein Fest feiern könnte. Also hat es sich zur Gewohnheit entwickelt, dass er alljährlich Bekannte einlädt, mit ihm zu feiern. Zu den Gästen der Feier, die den Rahmen für den Roman bildet, zählt auch Mordecai Tremaine, ein pensionierter Tabakhändler, der einen guten Ruf als Amateurdetektiv geniesst und im Mittelpunkt mehrerer Krimis von Francis Duncan stand.

Tremaine war überrascht von der Einladung, kannte er den Gastgeber doch kaum, aber in einem eindringlichen Brief bat ihn Grames engster Mitarbeiter, an der Feier teilzunehmen: «Ich spüre, dass etwas nicht in Ordnung ist, ehrlich gesagt, ängstige ich mich.»

Der Roman begleitet Tremaine während seines Besuchs auf dem Land. Von Anfang an versteht es Duncan, eine Stimmung der Verunsicherung und latenten Bedrohung zu schaffen. Schon bei seiner Anreise trifft Tremaine Menschen, deren Verhalten ihm merkwürdig vorkommt. Aber dann scheint doch alles nur falscher Alarm zu sein. Das Fest verläuft fröhlich, die Menschen sind allerbester Laune und geniessen das Zusammensein am Heiligabend. Entspannt geht Tremaine ins Bett, wissend, dass Grame seinem besonderen Hobby frönt und als Weihnachtsmann verkleidet die Geschenke für seine Gäste unter den Weihnachtsbaum verteilt.

Dann zerreisst mitten in der Nacht ein gellender Schrei die Weihnachtsruhe. Tremaine stürmt gemeinsam mit den anderen Gästen in den Salon, und ihm bietet sich ein schauerlicher Anblick: «Der Weihnachtsmann liegt in seinem langen roten Mantel und mit seinem weissen Bart ausgestreckt auf dem Boden. Und dazu der geschmückte Baum, der abscheuliche, höhnische Schatten an die Wände wirft.» Damit nicht genug, der tote Weihnachtsmann ist gar nicht der, den die Gäste zu sehen geglaubt hatten. Nicht Benedict Grame ist der Tote, sondern einer der Gäste. Alle sind ratlos, auch die schnell herbeigerufene Polizei. Die Gäste dürfen das Haus nicht verlassen, und der ermittelnde Inspektor bittet Tremaine, sich unter den Gästen umzuhören.

Fast 70 Jahre alt, aber zeitlos

Duncans Krimi ähnelt den Romanen von Agatha Christie: Eine Gruppe von Menschen, von der Aussenwelt abgeschottet, jeder scheint etwas zu verbergen, und einer der Anwesenden ist der Mörder. Aber Duncan hat noch ein paar Hintertüren eingebaut, die Möglichkeiten für Überraschungen bieten.

Das englische Original von «Ein Mord zu Weihnachten» erschien schon 1949. Angesichts seines Alters ist der Roman erstaunlich zeitlos. Diese Geschichte hätte viel später entstanden sein können, ohne dass es viele Veränderungen hätte geben müssen. 

Francis Duncan Ein Mord zu Weihnachten (DuMont).