Vor zehn Jahren gab der ägyptische Investor Samih Sawiris seinen «Traum» bekannt, klassische Musik in einem adäquaten Konzertsaal in sein Resort in Andermatt zu bringen. Zum Traum gehörte explizit der Wunsch, die Berliner Philharmoniker im Bergdorf auftreten zu lassen. Unmöglich, dachte man damals reflexartig. Am Sonntag ist der Traum wahr geworden. Der nachträglich ins Hotel Radisson Blue integrierte Konzertsaal wurde von den Berliner Philharmonikern eingeweiht.

Mozart passt bestens

Die grosse Frage vor der Eröffnung war die nach der Hightech-Akustik des Saals, der je nach Orchestergrösse 450 bis 700 Plätze bietet. Würde man die künstliche Verlängerung des Halls hören, die 27 über der Bühne aufgehängten Mikrofone und unsichtbar im Raum verteilte Lautsprecher ermöglichen? Die Berliner traten unter der Leitung von Constantinos Carydis mit 45 Musikern an, der Standardbesetzung, in der historisch informierte Sinfonieorchester heute Mozart spielen. Und Sinfonien von Mozart passten bestens in den Saal.

Gewiss ist dessen Akustik im Vergleich zu grossen Sälen relativ trocken. Allerdings war genügend Nachhall da, damit sich Instrumentengruppen verbanden und der Klang selbst nach abrupten Orchesterschlägen keineswegs brutal abgeschnitten wurde. Zudem wirkten die Berliner der Trockenheit selbst entgegen. In der Prager Sinfonie ermöglichte ihr federndes Spiel und das plastische Relief in kantablen Passagen eine Körperlichkeit, die sich in halligeren Akustiken fast von selbst einstellt. Umgekehrt kamen explosive Akzente und rasend schnelle Tempi kristallklar zur Geltung.

In der Kammersinfonie in c-Moll und zwei für Streichorchester bearbeiteten Stücken für Streichoktett von Schostakowitsch staunte man, welch saftig-orchestraler, selbst in solistischen Passagen aufblühender, Klang hier möglich ist.

«Möglichst ohne Verstärkung»

Für die Akustik des Andermatter Konzertsaals ist das Büro von Eckhart Kahle zuständig, einst involviert in die Akustik im KKL. «Bei einem so tollen Orchester wie den Berliner Philharmonikern möchte man möglichst ohne Verstärkung auskommen», sagt Kahle dazu. «Und auf keinen Fall darf man diese wahrnehmen.» So waren die Mikrofone zwar eingeschaltet, aber der Hall wurde nur im hinteren Bereich des Publikumsraums diskret gestützt: «Alles, was Sie von der Bühne her hörten, waren die Philharmoniker pur.»

Den in der Kammermusik gängigen Trend zu intimen Räumen überträgt der Saal aufs Orchesterformat. Damit bietet es ein sinfonisches Erlebnis, das in dieser Direktheit und physischen Intensität in grossen Sälen nicht zu haben ist. Nur für noch grössere Besetzungen – die Rede ist von bis zu 75 Musikern – dürfte es eng werden.

So oder so ist der Saal, gemäss Sawiris «eine Stunde entfernt von Zürich und Mailand», eine Chance für weitere Konzertpläne. Zumal er auch ästhetisch punktet – mit seiner hellen Origami-Auskleidung und dem Ausblick ins Freie.

Nächste Veranstaltungen am 28., 29. Juni mit Konzerten des Andermatt Swiss Alps Classics.