Das Kunst-Vakuum der letzten beiden Jahre sei zum Glück beendet. Winterthur könne wieder als Kunst-Grossstadt auftrumpfen. Das war gestern die Botschaft der Verantwortlichen von Kunstmuseum, Römerholz, Bund und Stadt. Heute werden die Sammlung Oskar Reinhart am Römerholz und das Kunstmuseum nach umfassenden Renovationen und zweijähriger Schliessung wiedereröffnet, am Sonntag ist bei beiden Häusern Tag der offenen Tür. Die Besucher werden dann wohl die gleiche Frage stellen wie der Winterthurer Stadtpräsident Ernst Wohlwend im Kunstmuseum: «Wo ist das Geld geblieben?» Von den Renovationen sieht man als Besucherin nämlich wenig. «Gebaut wurde hinter den Kulissen und unter dem Boden», stellte Urs Staub vom Bundesamt für Kultur für das Römerholz fest. Beides gilt für beide Häuser.

Aber es stimmt nicht ganz. Denn was man als Besucherin mit Freuden feststellt: In beiden Häusern wurden neue WCs und Garderoben eingebaut und beide haben attraktive Cafés. Im Kunstmuseum ist das eine Novität und im Römerholz wurde das Café mit einer Küche ergänzt, sodass man im hellen Raum oder auf der Terrasse mit wundervollem Gartenblick auch essen kann. Freuen wird junge Besucher oder Schulen auch, dass beide Häuser nun über gute Ateliers für Kunstvermittlung verfügen. Das meiste Geld – 16 Millionen Franken beim Römerholz und 17 Millionen beim Kunstmuseum – wurde unsichtbar verbaut. Für Sicherheit und Haustechnik.

Sichere Museen

Besitzerin des Römerholzes ist der Bund, Oskar Reinhart (1885–1965) vermachte der Eidgenossenschaft Villa und Sammlung. Seit 1970 sind sie für das Publikum geöffnet. 1997/98 wurde schon einmal grundlegend renoviert, aber wegen Budgetkürzungen muss-
te vieles zurückgestellt werden. Jetzt haben das Bundesamt für Bauten und Logistik und das Architekturbüro P&B Villa und Galerie «zum sichersten Museum der Schweiz» umgebaut, wie Architekt Stefan Piotrowski sagte. «Wir haben schon Banken gebaut, die weniger sicher sind.» Vier Zentimeter dicke Sicherheitsgläser schützen die Fenster und Videokameras überwachen alle Räume.

Die Böden wurden herausgenommen, die Bodenheizungen ergänzt und alle Räume werden nun einzeln klimatisiert. Das wurde so raffiniert gemacht, dass Besucher tatsächlich kaum etwas bemerken – mit Ausnahme der hässlich dicken Fensterkästen aussen an den Oberlichtern der Galerie. Im Innern bemerkt man allenfalls, dass die Wände neu leicht pastellig gehalten sind, die grosse Galerie dagegen etwas heller wurde. Ein neuer unterirdischer Kulturgüterschutzraum ist eine weitere für Besucher nicht sichtbare Investition.

Auch im Kunstmuseum fallen die hellen, neu gestrichenen Wände und Teppiche auf; dass auch hier umfassend hinter den Kulissen in Sicherheit, Lüftung und Licht investiert wurde, bleibt verborgen, war aber dringend notwendig.