Mit Freude nimmt man als Besucher zur Kenntnis, dass der Eingang zum Neubau des Kunstmuseums Basel endlich wieder als solcher nutzbar ist. Doch an diesem Sonntag bringt das nicht viel. Also dann nicht, wenn man gekommen ist, um die einmalige Gelegenheit zu nutzen, einen Blick auf sieben neue Sammlungswerke der Klassischen Moderne zu werfen.

Es handelt sich um die kapitalen Gemälde, Zeichnungen und Druckgrafiken aus dem Nachlass von Frank und Alma Probst-Lauber. Sie hatten die Werke der Christoph Merian Stiftung vermacht, die sie nun als Schenkung an das Kunstmuseum Basel weiterreichte: drei Picassos, und je ein Werk von Paul Klee, Fernand Léger, Jean Dubuffet und Alberto Giacometti. Es sind Geschenke, die hervorragend in die bestehende Sammlung passen und/oder sie ergänzen, wie Museumsdirektor Josef Helfenstein Anfang Februar vor den Medien betont hatte.

Das Kunstmuseum möchte nun die Schenkungen wissenschaftlich aufarbeiten, bevor sie in die Sammlungshängung integriert werden. Bevor sie in die Ateliers der Kunsthistoriker verschwinden werden, präsentierte das Museum die Werke am Gratis-Sonntag für einen Tag der Öffentlichkeit – auf Staffeleien integriert in den Bezug nehmenden Sammlungskontext.

Morgens gabs einen Ansturm

Angekommen zur Mittagszeit war ein gutes Durchkommen durch die Ausstellungsräume im zweiten Stock des Hauptbaus. «Es ist grad ein bisschen ruhiger geworden», sagte die Aufsichtsperson am Fuss der grossen Treppe. «Aber am Morgen war da ein ziemlicher Ansturm.»

Einige nahmen auf ihrem Weg zum Sonntagsspaziergang einen Umweg in Kauf, wie Dieter Kohler, Redaktionsleiter vom SRF-Regionaljournal Basel, in Begleitung von Brigitte Dubach. «Ich habe eigentlich mit Menschenschlangen vor dem Museum gerechnet», sagte Kohler, der sich aber glücklich zeigte, auf dem Weg auf die Schönmatt nun doch nicht zu viel Zeit verlieren zu müssen. Dubach zeigte sich begeistert von den neuen Werken. «Sie passen so gut in die Sammlung, dass man den Eindruck bekommt, als wären sie schon immer hier gewesen.»

Picassos Anziehungskraft

Absolut begeistert äusserte sich auch die Frau mittleren Alters im Saal mit den alten und dem neuen titellosen Klee aus den Jahren 1932/33 in den fein abgestimmten Rottönen. «Vor diesem Klee könnte ich Stunden verbringen», sagte sie mit einem leichten Unterton des Bedauerns, dass sie nun für ein Jahr auf dieses Gegenüber wird verzichten müssen.

Das Klee-Werk kann als neuer Farbtupfer in der Sammlung gewertet werden, ebenso die «Composition» von Fernand Léger aus dem Jahr 1937, die sich mit ihrem Blumenmotiv von den kubistischen Gemälden – auch sie kamen zu einem grossen Teil einst als Schenkung ans Haus – abhebt. Ganz anders präsentiert sich Alberto Giacomettis «Portrait de Caroline» von 1962. Dieses gesellt sich unübersehbar zu einem bereits in der Sammlung vertretenen Portrait ebendieser Caroline.

Grösster Anziehungspunkt war der relativ kleine Saal mit den drei neuen Picassos und den neuen Spätwerk von Jean Dubuffet. Besonders zu faszinieren schien vielen Besuchern die Möglichkeit, hinter Picassos grosser Bleistiftzeichnung «Femme dans un Fauteuil» aus dem Jahr 1953 zu werfen. «Interessant, was sich hier zur Ausstellungsgeschichte des Werks ablesen lässt», sagt ein älterer Besucher, dem aufgefallen ist, dass sich unter den Klebeetiketten zwei von der Galerie Beyeler befinden.

Ernst Beyeler war es denn auch gewesen, der dieses Werk einst dem Ehepaar Probst verkauft hatte, und der es offenbar vergeblich wieder zurückzukaufen versuchte.