West Side Story

Die «Mutter aller Musicals» ist ab Dienstag in Basel zu sehen

Ab Dienstag gastiert das Kult- und Erfolgsmusical West Side Story in Basel. Die Geschichte wurde 1957 uraufgeführt, ist heute aber aktueller denn je. Hören Sie hier Auszüge aus verschiedenen Stücken des Musicals.

Als das Resultat am 9. November feststeht, brechen alle in Tränen aus. Donald Trump wird Präsident der USA. Dieser Latino-verachtende Multi-Milliardär, der in den südlichen Nachbarn nur Kriminelle sieht. Der Cast von «West Side Story» befindet sich zu diesem Zeitpunkt in Österreich, veranstaltet eine Wahl-Party, die eher in einer Trauer-Feier endet. Aber all die Tränen wegen Trump zeigen vor allem den lateinamerikanischen Darstellern: Unsere Story, die wir Abend für Abend auf der Bühne dem Publikum vermitteln wollen, ist aktueller denn je.

Der Prolog des Musicals

Amerikaner gegen Ausländer

«West Side Story», 1957 am Broadway uraufgeführt, thematisiert die Konflikte zwischen Jugendlichen unterschiedlicher Herkunft im Immigrantenviertel New Yorks – der West Side. Amerikaner gegen Ausländer, New Yorker gegen Puerto Ricaner, Jets gegen Sharks. Die beiden Gangs kämpfen um die Vormacht auf der Strasse. Und um jene zwischen zweier gänzlich unterschiedlicher Kulturen. «Unsere Geschichte ist ein Spiegel der Gesellschaft, nicht erst nach den Wahlen, aber jetzt erst recht. Und auch nicht ausschliesslich in den USA, sondern auf der ganzen Welt erleben wir diese Duelle zweier Seiten, die einander fürchten und hassen, und deren Kampf immer in der Zerstörung von Liebe endet», sagt Joey McKneely, Verantwortlicher Regie und Choreografie.

Das Lied Cool aus dem Musical

Und genau so ist es auch im preisgekrönten Musical, das ab Dienstag in Basel gastiert. Denn mit Tony und Maria verlieben sich zwei junge Menschen der verfeindeten Gruppen ineinander. So unsterblich, dass ihnen die Rivalität zwischen «Jets» und «Sharks» egal ist. Ohne das Ende vorwegzunehmen: Ihre Liebe wird scheitern, auch wenn sie noch so gross ist. Scheitern an der Kluft der Kulturen, dem Hass und der Intoleranz.

Die Geschichte von West Side Story, deren Grundkern die Handlung von William Shakespeares «Romeo und Julia» ist, wird nicht nur über Dialoge und weltberühmte Songs wie «Maria», «America» oder «Tonight» transportiert, sondern vor allem auch durch den Tanz. Umso bemerkenswerter ist es, dass die «Basler» Inszenierung von McKneely die weltweit einzige ist, die das Recht hat, die Originalchoreographie von Jerome Robbins zu zeigen. So verschmelzen originalgetreu Musik und Tanz zu einer Einheit. In Letzterer verbinden sich die typischen Stile der beiden Truppen – amerikanischer Jazz und lateinamerikanische Musik – die auf der Strasse zu wiederkehrenden Duellen führen, musikalisch und choreographisch aber perfekt harmonieren.

Das Lied Tonight

Kein pompöses Bühnenbild

Hervorgehoben werden der Tanz und die Musik durch eine Spezialität, die bei modernen Musicals eher ungewöhnlich ist: Die Macher von «West Side Story» verzichten bewusst auf ein pompöses Bühnenbild sowie eine aufwändige Lichtershow. Diese gewollte Reduktion legt den Fokus fast ausschliesslich auf das Wirken der Darsteller. Und diese überzeugen. Während tänzerisch kaum Unterschiede zu erkennen sind, heben sich gesanglich vor allem die Hauptcharaktere Maria und Tony – gespielt von den beiden ausgebildeten Opernsängern Kevin Hack und Jenna Burns – hervor. So ist «West Side Story» auch mehr ein Musiktheater mit teilweise opernhaften Zügen – gilt aber dennoch als «Mutter aller Musicals». «West Side Story» vermittelt Leidenschaft, erzeugt eine Energie, die mitreisst. Eine Energie, die nach der letzten Szene eine Leere hinterlässt. Eine Leere, wie sie auch die lateinamerikanischen Darsteller gefühlt haben. Am 9. November, als sie nur noch weinen wollten.

I like to be in America ist eines der bekanntesten Stücke aus der West Side Story

West Side Story, 22. bis 27. 11. im Musical Theater Basel, jeweils 19.30 Uhr, und vom 3.- bis 15. 1. 2017 im Theater 11 Zürich.

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