Für Design-Liebhaber und Fans von lokalem Handwerk ist es ein Pflichttermin: In der Halle 3 der Messe Basel öffnet am Freitag die «Blickfang» ihre Tore. Zum achten Mal bereits. Im 2010 startete die dreitägige Designmesse noch mit 120 Ausstellern aus der internationalen Mode-, Schmuck- und Möbelwelt, heute sind es 160. Die Besucherzahl nimmt – im Gegensatz zu anderen Messen wie der Baselworld – stetig zu: Erwartet werden an diesem Wochenende 11'000 Shopper, in der Anfangszeit waren es 9'000. Blickfang-Sprecherin Johanna Wittmaack sagt: «Die Besucher suchen individuelle Lieblingsstücke im Sinne von: Weniger, aber besser. Das ist gewissermassen Wellness für den Einkaufskorb.»

19 Designer stammen aus der Region, sagt Wittmaack: «Die Basler Kreativszene ist stark, und die teils sehr jungen Künstler können sich trotz der schwierigen Marktlage gut etablieren.» Bereits zum sechsten Mal stellt die Basler Mode- und Schmuckdesignerin Tülay Kula mit ihrem Label Yoshiki an der «Blickfang» aus. Sie sagt: «Die Messe ist für kleine, lokale Designer ein Booster. Nicht nur, was den Umsatz betrifft.» Es sei für sie eine gute Gelegenheit, ihre Stammkunden zu treffen, aber auch, um Einkäufer und Ladenbesitzer von ihren Kreationen zu überzeugen, da sie keinen eigenen Laden betreibe. So sei sie von Globus oder vom Heimatwerk an der «Blickfang» entdeckt worden. «Diesbezüglich habe ich die wichtigsten Kontakte hier geknüpft.» Ein guter Auftritt im Internet und ein Onlineshop würden eben doch nicht ausreichen, um sich zu etablieren; der persönliche Bezug bleibe wichtig.

Enttäuschung bei Abgewiesenen

Für die kleinste Standgrösse à 6 Quadratmeter bezahlt ein Aussteller 2'000 Franken für die drei Tage. Einfach dabei sein an der Blickfang kann ein Designer allerdings nicht. Für jede Ausgabe der Messe ist ein Jurierungsprozess vorgesehen; die Designer bewerben sich online mit Fotos ihrer Entwürfe, Produktbeschreibungen, dem Preisspektrum und ihrem Werdegang. Dieses Prozedere findet an jedem Ausstellungsort der Blickfang statt – also auch in Zürich, Stuttgart, Hamburg oder Wien.

Jahr für Jahr gehen in Basel zwischen 400 und 500 Bewerbungen für einen Messestand ein, Platz hat es für 160 Labels und Designer mit ihren Produkten. Die Jury lässt also nur einen Drittel aller Bewerber als Aussteller zu. Und wenn man mal mit von der Partie gewesen ist, heisst das noch lange nicht, dass man einen Platz im kommenden Jahr auf sicher hat. In Basel sind es jeweils 50 Prozent Erstaussteller. Eine lokale Künstlerin berichtet: «Ich war von Anfang an mit dabei. In diesem Jahr habe ich eine Absage erhalten – aus welchem Grund, ist mir nicht bekannt. Die Enttäuschung ist gross, damit habe ich echt nicht gerechnet.» Es würde sie interessieren, welche Auswahlkriterien zum Zuge kommen, sodass sie dies im nächsten Jahr berücksichtigen könne.

Blickfang-Sprecherin Wittmaack bleibt vage in ihrer Antwort. Es gelte, eine «gesunde Mischung» aus beliebten Stammausstellern und spannenden, neuen Talenten zu finden, sowie sowohl der Basler Szene als auch dem internationalen Designgeschehen gerecht zu werden. «Der Juryprozess ist jedes Jahr eine Gratwanderung, und ja, manchmal werden selbst gute langjährige Aussteller abgelehnt, um für Neuheiten Platz zu schaffen», sagt Wittmaack. Man betreibe einigen Aufwand, um aus der Flut des unabhängigen Designs «nur das allerbeste und professionellste» herauszufiltern. «Wir setzen uns diese engen Grenzen, um sicher zu gehen, dass die Besucher an jedem Stand tolle Entwürfe und Geschichte entdecken können.»

Andere Designer kennenlernen

Zu den Neulingen gehören unter anderen zwei Brüder, die in Ettingen wohnhaft sind und nebenberuflich Möbel unter dem Markennamen «unrefined» designen. Aus Glas, Holz, Beton und Stahl kreieren sie zeitlos schlichte Leuchten und Wohnaccessoires, etwa filigrane Beistelltische mit personalisierten Motiven. Zwar besteht «unrefined» erst seit zwei Jahren, aber einer der Brüder, Bartek Purol, verkündet stolz, seit vergangener Woche bereits in 18 Länder geliefert zu haben. «Da hat uns sicher der Vertrieb über das Internet geholfen, das unser Design auf der ganzen Welt zugänglich macht.»

Trotz des Erfolgs sehen sich die Brüder immer noch als «komplette Amateure, die eine internationale Marke betreiben», sagt Bartek Purol. Er freue sich deshalb besonders auf die Blickfang-Messe, um andere Designer kennenzulernen und sich mit ihnen auszutauschen.