Fest Anschnallen heisst es bei der Hauptprobe zu «Inferno» im HeK. Das sogenannte Exoskelett muss eng sitzen. Oberkörper und Arme sind eingespannt in ein Gstältli, wie man es vom Klettern kennt. Die Hände schliessen sich um eine Art Steuerknüppel. Doch die Kontrolle hat hier ein anderer. «Einfach locker lassen» empfehlen Louis-Philippe Demers und von Bill Vorn. «Am besten funktioniert es, wenn man die Bewegungen mit sich geschehen lässt.» Seit dem vergangenen Jahr sind die beiden Kanadier mit ihrer partizipativen Roboterperformance quer durch Europa unterwegs.

Die Roboteranzüge sind schon ungeduldig. Alle Plätze für Performer sind mittlerweile vergeben. Für Zuschauer hat es aber...

Posted by HeK - Haus der elektronischen Künste Basel on Donnerstag, 11. Februar 2016

Haus der elektronischen Künste - Exoskelett

Doch dieses Loslassen ist gar nicht so leicht. Schliesslich heisst es hier, sich für die nächsten Minuten von einem Grossteil der persönlichen Bewegungsfreiheit zu verabschieden. Doch ist es wirklich neu für uns, den Maschinen in solchem Masse zu vertrauen? Längst tun wir das doch täglich. Ob in der Achterbahn oder auf dem Operationstisch. Nur erleben wir es selten so unmittelbar am eigenen Leib wie hier.

Widerwehr ist zwecklos

Jegliche Widerwehr ist dabei zwecklos oder im schlimmsten Fall schmerzhaft. Die mit Druckluft betriebenen Aluminium-Gestelle bewegen die Körper zu industriellen Beats und hektisch flimmernden Schwarzlicht. Rückprobleme darf man nicht gerade haben. Denn das Skelett wirbelt nicht nur die Arme durch die Luft, sondern beugt schon mal den ganzen Oberkörper.

Zwölf solcher Skelette hängen von der Decke des Veranstaltungsraums im HeK. Während einer Performance wird einmal komplett durchgewechselt. An den Controllern herrschen die beiden Programmier-Überväter und lassen die Körper teils nach vorgefertigter Choreografie, teils nach spontanen Gelüsten zappeln. Inhaltlich orientieren sich die einzelnen Etappen der Performance an den Höllenkreisen von Dantes «Inferno» (dem ersten Teil der «Göttlichen Komödie»). Doch dieser dramaturgische Faden dürfte vor allem fürs Publikum ersichtlich sein. Zu sehr ist man als Beteiligte mit sich und dem Verhältnis zur Maschine beschäftigt.

Nicht nur Technik-Spielerei

Natürlich denkt man bei diesen Bildern an Figuren wie Terminator, die Musikgruppe Kraftwerk oder schlicht an den niedlichen R2d2 aus «Star Wars». Ob Dystopie oder Utopie: Die Mensch-Maschinen beschäftigen uns in Film und Literatur seit über 50 Jahren. Sabine Himmelsbach, die künstlerische Leiterin des HeK, findet, die technoide Faszination sei heute aktueller denn je. Man müsse nur an die kleinen Roboter-Freunde im Haushalt denken, die uns das Rasenmähen oder Staubsaugen abnehmen.

Was vor nicht allzu langer Zeit die pure Sience-Fiction war, ist heute kaum mehr als eine technische Spielerei. So erzählen die beiden Macher Demers und Vorn, das sie für die technische Umsetzung ihres kleinen Roboter-Bataillons gerade mal sechs Monate brauchten. Die Erfüllung der Cyborg-Fantasien stand für sie dabei weniger im Vordergrund. Eher möchten sie mit der Performance eine einzigartige, körperliche Erfahrung ermöglichen und spürbar machen, was passiert, wenn Maschinen uns kontrollieren. Sich selbst sehen sie dabei als Marionetten-Spieler. Aber bei aller Spielfreude verweisen sie auch auf die Perspektiven der maschinellen Prothesen, die vor allem in der Wehrtechnik oder in Hilfsapparaten für Behinderte liegen.

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Um sich als echte Einheit mit der Maschine zu fühlen, ist die Zeit im Exoskelett zwar zu kurz. Wer aber mehr Lust hat, sich mit den Robotern von Louis-Philippe Demers anzufreunden, der kann sich ab sofort im Tinguely Museum von der Skulptur «blind robot» ein paar Streicheleinheiten abholen.

«Inferno» im HeK, Freilagerplatz 9, 12. und 13. Februar, je 20.00 Uhr.