Klassik

Die Wanderschaft geht zu Ende: Sinfonieorchester Basel mit Plänen für die neue Saison

Wie die Musiker des Sinfonieorchesters die Abstandsregeln einhalten werden, wird derzeit noch abgeklärt.

Wie die Musiker des Sinfonieorchesters die Abstandsregeln einhalten werden, wird derzeit noch abgeklärt.

Das Sinfonieorchester Basel hat seine Pläne für die kommende Saison vorgestellt. Im Zentrum wird das renovierte Stadtcasino stehen.

Freilich, das Eröffnungskonzert am 22. August im frisch strah-lenden Musiksaal wird fast sicher nicht so stattfinden können, wie vorgesehen: Zu dicht wäre die Zahl der Menschen auf der Bühne mit den vorgesehenen Auftritten der Basler Chöre. Die «Zauberflöten»-Ouvertüre hingegen, die schon bei der Einweihung des Saals 1876 das Programm eröffnete, wird mit Sicherheit erklingen können, im allerschlimmsten Fall in einer kammermusikalischen Fassung.

«Wir werden mit grösstmöglicher Flexibilität auf die Entscheidungen der Behörden reagieren», versprach Hans-Georg Hofmann, der künstlerische Direktor bei der Präsentation des neuen Programm.

Weltklasse Solisten und Basler Themen

Ganz alles ist nicht verloren. Einige  der gross besetzten Programme, die nach dem 28. Februar nicht mehr stattfinden konnten, etwa Mahlers «Auferstehungssinfonie» oder das Hollywood-Programm mit John Wilson, sollen in die neue Saison übernommen werden – «unter Vorbehalt», je nach Entwicklung der Coronakrise.

Immerhin, einen Anker hat die neue Saison: Die Zeit der Wanderschaft geht zu Ende, das renovierte Stadtcasino wird wieder zur Heimat für das Sinfonieorchester, was man den Abo-Zahlen deutlich anmerke, wie Orchesterdirektor Franziskus Theurillat erfreut bekannt gab. In den Abo-Konzerten gastieren Weltklasse-Solisten wie Sol Gabetta, Vadim Gluzman, Patricia Kopat-chinskaja, Anna Vinnitskaya, Kian Soltani oder Pekka Kuusisto. Die Sopranistin Christina Landshamer ist als «Artist in Residence» in ganz verschiedenen Facetten ihres Könnens zu hören.

Eine zentrale Rolle spielt Basel als Kulturstadt in den Programmen. «Wir waren erstaunt», sagt Hofmann», wie prominent zu den Zeiten der Stadtcasino-Eröffnung die lokale zeitgenössische Musik vertreten war.» Davon hat er sich inspirieren lassen und etwa Werke aus dem Umfeld Paul Sachers programmiert, wie Hindemiths grosse Kepler-Sinfonie «Harmonie der Welt», oder Werke, die mit Basel in Verbindung stehen: von Liebermanns «Geigy-Konzert» bis hin zu Nietsches «Zara-thustra»-Vertonung von Richard Strauss oder der «Toteninsel» von Rachmaninow.

Der Chefdirigent Ivor Bolton pflegt neben Fauré auch Sainst-Saëns, dirigiert als Herzensprojekt Haydns «Schöpfung» und wählt die Erste von Brahms. Ein Wiederhören gibt es mit Erik Nielsen etwa in Ravels «Boléro» oder mit Marek Janowski. Und Mark Elder gastiert erneut mit Wagner, diesmal dem dritten Akt aus «Siegfried» mit Rachel Nicholls und Daniel Frank.

Neue Musik und populäre Reihen

Eine sehr gewichtige Rolle spielt ganz neue Musik im kommenden Saisonprogramm, und sie kommt aus der Schweiz: Die in Basel lebende Helena Winkelman steuert als Gastkomponistin nicht weniger als vier Uraufführungen bei, darunter ein Doppelkonzert für Kopatchinskaja und Kuusisto oder ein Stück für acht Waldhörner zur Stadtcasino-Eröffnung. Dazu kommen Auftragswerke an David Philip Hefti, Andrea Scartazzini und den Orchester-Schlagzeuger Domenico Melchiorre.

Nicht alles aus der Zeit der Wanderschaft aber wird ad acta gelegt: Formate wie «Arc-en-ciel», die «Picknick»- und «Cocktailkonzerte» bleiben,  die populäre Reihe «Concert & Cinema» erhält mit «Singin’ in the Rain» und «Aschenbrödel» eine Fortsetzung, ebenso natürlich die Kinder- und Familienprogramme. Ein ambitioniertes Jugendpro-gramm hingegen steht auf der Corona-Kippe: Im November soll mit Jugendchören aus Baselland Verdis Requiem aufgeführt werden.

Bis im Juni sind auf der Webseite des Orchesters weitere Folgen der Reihe «@ home» zu finden. Es lohnt sich also, die Seite ab und zu anzuklicken. Dann verpasst man auch den Vorverkauf nicht, der im Juni starten soll, nachdem dann auch das kommende Saisonpro-gramm definitivere Züge angenommen haben dürfte.

Sinfonieorchester Basel «sinfonieorchesterbasel.ch»

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