Kunst

Dieser Maler fragt sich ein Leben lang: «Was ist überhaupt ein Bild»?

Der Ennetbadener Künstler Rolf Winnewisser zeigt im Kunstraum Baden riesigen Malereien. Und er erklärt – ohne Worte, aber sehr anschaulich in einem materialreichen Labor – wie sie entsteht.

Jetzt ist er 64 Jahre alt, macht seit 40 Jahren Kunst und fragt sich noch immer: «Was ist ein Bild?» Der Ennetbadener Rolf Winnewisser geht im Kunstraum Baden wieder dieser seiner zentralen Frage nach. Nicht theoretisch, sondern mit einem kunterbunten Brutkasten und vor allem mit Malereien, die einen zuerst wegen ihrer Grösse, ihrer blassen, geheimnisvollen Ausstrahlung und wegen ihres Sujets in den Bann ziehen.

Dass diese blauen-weissen zu einem raumgrossen Fries gefassten dünnflüssigen Malereien Kunst gewordene Manifeste sind, muss einen nicht zwingend kümmern. Aber es kann.

Der Brutkasten

Damit klarer wird, was die sanftblauen Cowboys, die Darstellung eines Schaltkastens, eine malende Hand oder ein Kristall vor Landschaft miteinander zu tun haben, hat Winnewisser im Kunstraum einen kleinen Raum gebaut. Er steht da wie das Büro eines Vorarbeiters oder eine Kommandozentrale: nicht betretbar, aber durch die grosse Scheibe gut einsehbar. Im Innern hat er seinen Fundus versammelt – von Ölmalereien und Zeichnungen über Mosaikentwürfe, Miniskulpturen und Modelle bis zu gesammelten Glas- und Spielzeugteilen. «Der Raum gleicht meinem Atelier, er ist aber auch ein Brutkasten, ein Labor und soll zeigen, wie ich arbeite.» Hier und in einem Film kann man als Besucherin auch sehen, woraus Winnewisser seine Ideen schöpft, und welches Denken sein vielfältiges Werk zusammenhält. Kein Wunder also, gibt er der Ausstellung sein Namens-Kürzel als Titel: «WIWI.R 2013»

Sehr analog

Der Blick zurück auf die grossen Malereien zeigt, dass sehr viele Motive – das Atelier mit dem riesigen Pinsel, der leere Raum, Gefässe – im Brutkasten in anderer Form vorhanden sind. Die Malereien sind eine Auswahl daraus, oder genauer: Sie sind eine neue Konfiguration. «Dinge und Bilder sind eine Anregung, eine Grundlage, aber bis daraus Bilder entstehen, muss man warten können, es entstehen lassen», sagt Winnewisser. Und er fügt an: «Eigentlich funktioniert Denken gleich wie Kunst machen.»

Die Gemälde wirken wie riesige Aquarelle, doch bei genauerem Hinschauen erkennt man Stoff als Träger und dünnflüssiges Acryl als Malfarbe. Das erinnert an sehr viel ältere Arbeiten von Winnewisser, an die grossformatigen Tücher etwa, mit denen er sehr jung in seiner Heimatstadt Luzern und auch international brillierte, oder an die unüberschaubar langen (Stoff-)Rollenbilder, die er 1989 im Aargauer Kunsthaus präsentiert hatte.

Im Kunstraum sind die einzelnen, über drei Meter langen Bilder nahtlos aneinandergestossen, mit schmalen Holzlatten fixiert und getrennt. Das Fries wird so auch zum Filmstreifen in Blau-Weiss. «Es ist sehr analog», sagt Rolf Winnewisser lächelnd, wohl wissend, dass neben all den grossen Fragen das Haptische und das Sinnliche den Reiz seiner Arbeiten ausmachen.

Rolf Winnewisser WIWI.R 2013. Kunstraum Baden, bis 7. Juli. Gespräche und Führungen: www.kunstraum.baden.ch

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